Musikgesellschaft
Auf den Spuren unserer Gründer: Nachtwanderung auf die Rigi

Sandra Huber
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Bilder zum Leserbeitrag

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2. Halt bei der Chruthütte

2. Halt bei der Chruthütte

Am 16. Juli 1910 unternahmen 34 Mitglieder der Musikgesellschaft Dottikon (darunter auch Passivmitglieder und Freunde) ihre erste Vereinsreise: eine Nachwanderung auf die Rigi - gemäss Protokollen sogar mit Instrumenten, um oben angelangt auch gleich ein Ständli zu geben, falls die Puste noch reichte.

Im Rahmen unseres 150-Jahr-Jubiläums wollten wir diese Reise wiederholen. Da es Petrus am ersten geplanten Wochenende vom 4. und 5. August nicht so gut meinte, packten unsere wagemutigen Wanderer den Rucksack, montierten die Wanderschuhe und machten sich am 11. August (genau 102 Jahre und 6 Tage nach unseren Vorgängern) auf den Weg in dieses Abenteuer.

Wir traffen uns um halb sieben abends am Bahnhof Dottikon und fuhren mit dem Zug nach Arth-Goldau. Bei uns hiess es nicht "zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen". Wir vergnügten uns vor der Arbeit mit einem gemütlichen Nachtessen im Restaurant Gotthard in Goldau. Mangels Geld haben unsere Vorgänger diesen Teil der Reise ausgelassen und sich aus dem Rucksack ernährt.

Punkt Mitternacht kam dann die Arbeit: ein vierstündiger Marsch von Goldau (518 m.ü.M.) nach Rigi-Kulm (1798 m.ü.M). Das waren 1'280 Höhenkilometer zu bewältigen. Schon bei der ersten Steigung kamen uns die Zweifel, ob unsere Vorgänger wirklich ihre Instrumente mitschleppten. Aber vielleicht nahmen an dieser Reise ja nur Flötisten, Klarinettisten und der Dirigent teil. Da an unserer Wanderung auch Bassisten und Tenorsaxophonisten/innen dabei waren, verzichteten wir auf die Instrumente.

Für die Strapazen dieser Wanderung wurden wir jedoch mit einer unbegrenzten Zahl sich erfüllender Wünsche belohnt: der 11. August war die Nacht der Perseiden-Sternschnuppen. Bei geringem Einfluss von künstlichem Licht sah jeder von uns zwischen 5 und 20 Sternschnuppen. Ein Wunsch, den sicher jeder von uns einmal während dem Aufstieg mal hatte, blieb leider unerfüllt: dass hinter der nächsten Kurve der Gipfel erreicht wird.

Beim Restaurant Dächli (956 m.ü.M.) gab es einen ersten Halt. Natürlich hatte das Restaurant um diese Zeit leider nicht offen, sodass wir uns mit einem Schluck aus unseren eigenen Wasserflaschen begnügen mussten.

Nach einem zweiten Halt beim Klöterli (1302 m.ü.M.) erreichten wir um ca. halb fünf Uhr morgens die Station Rigi-Staffel (1603 m.ü.M.). Kurz vor Sonnenaufgang nahmen wir dann noch den letzten Teil bis Rigi-Kulm in Angriff.

Um 6.18h durften wir als Belohnung für die anstrengenden Stunden einen wunderschönen Sonnenaufgang mit Alphornklängen im Hintergrund erleben. Danach genossen wir auf Rigi-Staffel einen mehr als verdienten Brunch mit Zopf, Rösti, Speck und allem, was das Herz höher schlagen liess.

Bei der Rückfahrt nach Arth-Goldau mit der Bahn wurde uns bei Tageslicht der grosse Höhenunterschied, den wir überwunden haben, erst recht bewusst. Manch eine/r wäre wahrscheinlich nicht zu dieser Wanderung aufgebrochen, wenn er das schon bei Tageslicht gesehen hätte.

Die Zugfahrt zurück nach Dottikon verlief um einiges ruhiger als die Hinfahrt, da den meisten von uns die Augen immer wieder zufielen. Erschöpft, aber glücklich über das Geleistete, trennten wir uns am Bahnhof Dottikon, um zuhause die müden Beinen hoch zu lagern.

Weitere Fotos von dieser Wanderung finden Sie unter www.mg-dottikon.ch.