Freunde der Matzendorfer Keramik
30 Jahre «Freunde der Matzendorfer Keramik»

Markus Egli
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Am Samstag, 3. März 2018, versammelten sich die Keramikfreunde zur 30. Generalversammlung in Aedermannsdorf. Neben den Vereinstraktanden bereicherte Prof. Dr. Marino Maggetti den Anlass mit einem Referat zur hiesigen Steingutproduktion im frühen 19. Jahrhundert.

Der Verein «Freunde der Matzendorfer Keramik» wurde 1988 nach dem Tod der Ehrenbürgerin Dr. Maria Felchlin gegründet. Frau Felchlin war eine schweizweit bekannte Oltener Ärztin und Keramikforscherin, die 1968 anlässlich der Tausendjahrfeier Matzendorf ihre gesamte Sammlung schenkte. Zur Erhaltung, Förderung und wissenschaftlichen Bearbeitung dieser Schenkung gründeten Initianten der Gemeinde vor 30 Jahren den Keramikverein. Die Keramikfreunde feiern also heuer gleich zweimal: 50 Jahre Maria-Felchlin-Sammlung und 30 Jahre Verein «Freunde der Matzendorfer Keramik». Die GV stand denn auch ganz im Zeichen dieser Jubiläen.

Vereinspräsident Roland Müller konnte mehr als 30 Personen im Restaurant Schlüssel in Aedermannsdorf begrüssen. In seiner gewohnt speditiv und sachlichen Art führte er durch die Vereinstraktanden. Dem Jahresbericht war zu entnehmen, dass der Verein neben der Führung des Keramikmuseums immer wieder in der Öffentlichkeit auftritt, etwa am Naturparkmäret, am internationalen Museumstag oder beim Tourismusforum Solothurn. Die Kunstkeramikerinnen Regina Luginbühl aus Langnau und Doris Hirzel aus Goldiwil zeigten im vergangenen Jahr ihre Werke im Gewölbekeller des Museums. Für Matzendorf organisierte der Vorstand den Apéro für Neuzuzüger und die Fondue-Abende im November. Das Ausstellungsgut konnte um rund 80 Fayencen aus dem 19. und um mehr als 180 Keramiken aus dem 20. Jahrhundert ergänzt werden. Dabei ist es dank der Vermittlung des Auktionshauses Schuler in Zürich gelungen, den Nachlass von Benno Geiger, dem Leiter der Aedermannsdorfer Kunstkeramikabteilung, zu erwerben.

Vizepräsident Markus Egli verdankte den Jahresbericht und nutzte die Gelegenheit, die Verdienste des Präsidenten zu würdigen. Roland Müller ist Präsident der ersten Stunde und führt den Verein seit dreissig Jahren. Höhepunkte in dieser Zeit waren: 1991 die Ausstellung zu Benno Geiger, 1996 die Eröffnung des Thaler Keramikmuseums an der Dorfstrasse, 1998 der Keramikmarkt zum 200-Jahr-Jubiläum der Keramikmanufaktur, im Jahr 2000 die Buchvernissage zur geschichtlichen und naturwissenschaftlichen Forschung und 2006 die Eröffnung des Keramikmuseums mit Clown Dimitri im ehemaligen Pfarrhaus. Wie schon aus dieser Auflistung der Sternstunden zu sehen ist, steht mit Roland Müller ein Präsident an der Spitze, dessen Arbeit mit Recht als nachhaltig und kompetent bezeichnet werden kann. Damit er motiviert ist, dies auch weiterhin zu bleiben, überreichte ihm der Vorstand einen Elefanten aus dem Fundus von Benno Geiger.

Im Jubiläumsjahr ist neben den üblichen Aktivitäten eine zweitägige Vereinsreise an den grössten Töpfermarkt Europas in Diessen am Ammersee (D) geplant. Am 2. und 3. Juni werden die runden Geburtstage des Vereins und der Maria-Felchlin-Sammlung mit einem grossen Keramikmarkt in Matzendorf gefeiert werden. Die Generalversammlung konnte auch den gesamten Vorstand, einen neuen Vizepräsidenten in Person von Michael Roth und Roland Stampfli als neuen Rechnungsrevisor wählen, so dass alle Aufgabenbereiche bestens abgedeckt sind.

Nach der Versammlung referierte Professor Dr. Marino Maggetti über seine naturwissenschaftliche Analyse der Steingutkeramik des 19. Jahrhunderts. Er zeigte in gewohnt brillanter Art die Unterschiede der Hauptproduktionen von England, Frankreich und der Schweiz. Bei der Sanierung einer Abfallhalde in der Stadt Bern wurden 30'000 Keramikscherben gefunden. 2'760 waren aus Steingut, 18 mit Manufakturmarken und einer davon trug den Stempel MAZENDORF. Dieses Exemplar hat er dann auf seine chemische Zusammensetzung hin analysiert und mit anderen Proben verglichen. Dabei hat sich gezeigt, dass es sich um Weichsteingut in Lothringischer Tradition handelt. Dies ist mit dem damaligen Fabrikdirektor François Contre aus Sarreguémines durchaus nachvollziehbar. Der Scherben unterscheidet sich chemisch klar von Vergleichsproben aus Freiburg, Kilchberg-Schooren, der Westschweiz und dem Ausland. Professor Maggetti konnte mit seinem Referat alle begeistern und er hat damit einen weiteren Meilenstein zur Sicherung der Matzendorfer Keramik gesetzt.

Schlusspunkte zur Generalversammlung bildeten ein Rundgang durch die im Gemeindezentrum Aedermannsdorf ausgestellte historische Sammlung und ein gemeinsames Nachtessen im Restaurant Schlüssel. Der gesellschaftliche Teil bot Gelegenheit, Erfahrungen auszutauschen und bei einem von Aedermannsdorf spendierten Kaffee, neue Pläne zu schmieden.

Markus Egli, Kustos Keramikmuseum Matzendorf