Ihre ersten vier Ohrringlöcher hatte sie schon, als sie noch ganz klein war. Mit 13 Jahren hat sie sich selbst zwei davon auf acht Millimeter vergrössert. Im Alter von 15 Jahren liess sie sich dann ihre erste Tätowierung stechen, und als sie 18 wurde, liess sie sich zur Piercerin ausbilden.

Das ist der Werdegang der Wohlerin Roberta Caruso (23). «Ich liebe meinen Beruf, ich könnte mir gar nichts anderes mehr vorstellen», lächelt die frühere Detailhandelsassistentin.

Kunden werden immer jünger

Sie arbeitet in der Boutique Flower Power in Wohlen, die sie mit ihrer Chefin Judith Frey vor fünf Jahren zum Piercing-Studio erweitert hat. «Vorher haben wir nur Ohrringlöcher geschossen, aber ich fand, wir könnten das doch ausbauen, also haben wir beide im Tessin eine Piercer-Ausbildung gemacht», erinnert sie sich. Heute pierct sie beinahe jede Körperstelle. «Das Einzige, was ich nicht mache, sind die Piercings, die durch die männlichen Geschlechtsteile hindurch gehen. Alles, was an der Haut ist, ist aber kein Problem.»

In Wohlen laufe das Piercing-Geschäft sehr gut. «Im Durchschnitt steche ich pro Monat 40 bis 60 Piercings», rechnet sie vor. In den fünf Jahren, in denen sie bisher gepierct hat, sei ihr besonders das sinkende Alter ihrer Kunden aufgefallen. «Bei Jugendlichen unter 18 Jahren muss ein Elternteil dabei sein, aber auch das ist heute gar kein Problem mehr», sagt sie.

Bei Roberta Caruso selbst war ihr Vater, der als früherer Seemann viele Tätowierungen am Körper trägt, wohl die Inspirationsquelle für ihren Körperkult. «Für eine Piercerin bin ich allerdings mit nur 23 Piercings und 15 Tattoos gar nicht so verlöchert, wie man denken könnte», sagt sie und schmunzelt.

Im Freiamt gibt es nur wenige Piercing-Studios – neben dem Flower Power findet sich im Telefonbuch nur noch eines, nämlich Noas Nails Tattoos & Piercing in Bremgarten.

Daher kennt Caruso auch fast alle ihrer Kunden, denn «wer einmal da war, der kommt wieder», sagt sie nicht ohne Stolz. «Ich kenne die Leute oder lerne sie kennen, denn hier wird nicht nur gepierct, sondern wir sitzen später auch noch zusammen und reden. So sind schon viele gute Freundschaften entstanden», beschreibt sie.

«Hygiene ist sehr wichtig»

Tatsächlich betritt wie auf Abruf Tanja Burgener (24) die Boutique – fünf Minuten später ist sie Trägerin eines neuen Bauchnabelpiercings, das perfekt zu ihren beiden Anker-Piercings unterhalb des Nabels passt. «Ich hatte heute einfach Lust darauf», erklärt sie. «Das mache ich aber auch nur, weil ich Roberta gut kenne.» Diese ergänzt: «Vorher war sie eine normale Kundin, unterdessen sind wir gute Freundinnen, das ist mir wichtig.» Genauso wichtig sind ihr
Sicherheit und Hygiene im Studio. «Es ist immer alles perfekt sauber. Die Zangen werden mit Ultraschall bestrahlt, damit sie absolut rein sind. Dazu wird alles immer sauber desinfiziert und wir arbeiten mit Handschuhen.» Die gebrauchten Nadeln werden in einem speziellen Behälter gesammelt, der dann in der Apotheke entsorgt wird.

Tipps für Unerfahrene

Für Kunden, die zum ersten Mal in ein Piercing-Studio gehen, hat Roberta Caruso einige Tipps: «Zuallererst muss das Studio einen guten Eindruck machen», sagt sie. «Bevor man sich piercen lässt, muss dann unbedingt eine gute Beratung über eventuelle Infektionen und die Nachbehandlung erfolgen.» Ebenfalls sehr wichtig sei, dass auf Sauberkeit geachtet werde.

«Und meiner Erfahrung nach darf das Ganze nicht zu günstig sein, denn das ist häufig kein gutes Zeichen.»