Seit Ende des letzten Jahres produziert das Wasserwirbelkraftwerk in Schöftland Strom, am Samstag wird es nun getauft – von Bertrand Piccard. Der Luftfahrtpionier will sich auch «auf dem Wasserweg» für erneuerbare Energien einsetzen. Im Programm zum Einweihungsfest schreibt der Taufpate: «Wir müssen den Politikern zeigen, dass erneuerbare Energien die Zukunft sind, und den Lobbyisten, dass es in ihrem eigenen Interesse ist, umzudenken, weil sie sonst von der Entwicklung überrollt werden. Und wir wollen zeigen: Umweltschutz ist sexy. Darum stelle ich mich sehr gerne als Pate für das 1. Wasserwirbelkraftwerk in der Schweiz zur Verfügung.»

Piccards Vortrag kostet

Piccards Solarflugzeug «Solar Impulse» gelang es im Juli mit der gespeicherten Sonnenenergie eines Tages durch die Nacht weiterzufliegen. An seinem Vortrag am Samstag in der Dreifachturnhalle in Schöftland wird Piccard denn auch nicht primär über Wasserwirbelkraftwerke sprechen, sondern über sein Projekt und allgemein über Erfindungen und neue Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien.

Der Vortrag kostet 50 Franken Eintritt für Einzelpersonen und 75 Franken für Familien von zwei bis zu neun Personen. Vermag dieser stolze Preis genug Publikum anzulocken? Daniel Styger von der Genossenschaft Wasserwirbelkraftwerke Schweiz (GWWK) sagt: «Die Halle fasst 1000 Personen und wir haben bereits jetzt 500 Ticket-Reservationen.»

Die Einnahmen werden laut Styger für Bauten, Forschung und die Unterstützung weiterer Kraftwerke verwendet. Piccard erhalte für seinen Auftritt lediglich die Spesen vergütet.

Für die Taufe ist der Platz knapp

Für den gesamten Nachmittag erwartet die Genossenschaft «mehrere tausend» Besucher. Auf dem Programm stehen kostenlose Führungen zum Wasserwirbelkraftwerk im Halbstundentakt, eine Ausstellung, Festwirtschaft, Musik, eine Tanzvorführung, eine Kindereisenbahn und eine «Gumpiburg».

Zur eigentlichen Taufe sind aber aus Platzgründen nur 150 Personen geladen, darunter die Genossenschaftsmitglieder. Es gebe beim Kraftwerk schlicht nicht mehr Platz, so Styger. Wie das Wasserkraftwerk getauft wird, verraten die Organisatoren noch nicht: «Sicher nicht mit Champagner, sondern ganz speziell.»

Grosses Interesse am Kraftwerk

Mit der bisherigen Funktion des Wasserwirbelkraftwerkes ist Styger zufrieden. Wegen des grossen Interesses mussten samstags Führungen organisiert werden und es gebe «eine grosse Resonanz aus ganz Europa».

Das Wasserwirbelkraftwerk produziert hochgerechnet auf die Jahresproduktion momentan zwischen 80000 und 100000 Kilowattstunden (kWh) Strom. In den letzten vier Wochen habe die Leistung um 25 Prozent gesteigert werden können, sagt Styger. Die Software für die Steuerung wurde verfeinert und die Einlaufströmung optimiert. Das Kraftwerk kann nun besser auf den ständig wechselnden Wasserstand der Suhre reagieren. Das Leistungsziel sind rund 120000 kWh Strom pro Jahr, was 20 bis 25 Haushalte mit Energie versorgen würde.

Das Kraftwerk gilt als fischfreundlich. Von Fischern und Vogelschützern seien bisher nur positive Rückmeldungen gekommen, sagt Styger. Die Studie zur Fischdurchgänglichkeit wird jedoch erst im Oktober abgeschlossen.