Es ist eine Entscheidung für die Ewigkeit: Ob ein chinesisches Zeichen auf dem Schulterblatt oder ein Schriftzug auf dem Oberarm – ein Tattoo ist ein Schmuckstück, das bleibt. Genau darum sollte man es sich gut überlegen, bevor man sich ein Tattoo stechen lässt. Wichtig bei der Auswahl des Studios ist laut Christoph «Stoeph» Streckeisen das Bauchgefühl.

Der 29-Jährige hat im Frühjahr sein erstes eigenes Studio «streckeisentattoo» eröffnet und weiss, worauf es ankommt. «Der Gast soll sich an der Türe abgeholt fühlen», sagt er. Ein sauberes, seriöses Studio und eine gepflegte Erscheinung des Tätowierers seien ein Muss: «Wenn dich der Tätowierer mit einer Bierflasche in der einen und der Zigarette in der anderen Hand begrüsst, dann nichts wie raus.»

Praxis oder Tattoostudio?

In seinem Studio in der alten Umiker Post legt Stoeph viel Wert auf das Erscheinungsbild. Es ist hell und freundlich eingerichtet, erinnert eher an eine
Gesundheitspraxis als an ein Tattoostudio. Das Konzept kommt laut Stoeph, der das Studio mit seiner Freundin führt, gut an. «Wir haben unglaublich viele positive Rückmeldungen erhalten. Am Eröffnungstag sind sogar ältere Nachbarn gekommen und haben uns frisch gebackene Brötchen gebracht.» Stoeph hat selbst acht Tattoos, weitere sind bereits in Planung. Schon früh interessierte sich der Umiker für die Körperverzierungen: Seit seinem neunten Lebensjahr kauft er sich jeden Monat eine Tattoo-Zeitschrift, um immer auf dem neusten Stand der Dinge zu sein.

Um seine Passion zum Beruf zu machen, besuchte Stoeph nach seiner Lehre als Motorradmechaniker die Schule für Gestaltung in Lenzburg und liess sich anschliessend in Tattoostudios in Deutschland und Luzern weiterbilden. Für den 29-Jährigen sind Tattoos Ausdruck einer Lebenseinstellung: «Auch wenn ich mich heute vielleicht für ein anderes Motiv entscheiden würde, jedes Tattoo steht für einen Teil meines Lebens.»

Damit auch seine Kunden mit ihrem Motiv zufrieden sind, legt Stoeph Streckeisen viel Wert auf Beratung. Wenn es der Kunde wünscht, zeichnet der Tätowierer ihm auch von Hand ein ganz individuelles Motiv.

Alice im Wunderland als Tattoo

So schmückt ein ungemein detaillierter Hase aus «Alice im Wunderland» bald den Arm eines Kunden – alles von Stoeph selbst gemalt: «Wenn ein Kunde etwas möchte, lege ich Wert darauf, ihm das Gewünschte zu bieten.» Wolle sich jemand ein Tier tätowieren lassen, konsultiere er das Lexikon der Tieranatomie und befasse sich mit dem Thema, bevor er die Nadel zur Hand nehme. Trends, wie früher das so genannte «Arschgeweih» einer war, bemerke er keine, doch «die Leute tendieren in der letzten Zeit eher zu überlegteren, dafür aber auch grösseren Motiven». Ausserdem seien sie sensibilisiert und informierten sich zuvor über das Studio und die Tätowierung.

Vorbeikommen und stechen

Das ist auch laut Experten wichtig – man soll wissen, worauf man sich einlässt. Damit man bei ihm hinter die Kulissen blicken kann, bietet Stoeph sogenannte «Walk-Ins» an.

Für alle, die weitere Informationen wünschen, ohne sich dem Tätowierer verpflichtet zu fühlen, öffnet er einmal im Monat die Türen des Tattoostudios. Dort können Interessierte vorbeikommen, um sich zu informieren, das Studio zu begutachten – oder sogar gleich ein Tattoo stechen zu lassen. Fördert das nicht unüberlegte Tattoos, die man später bereut? «Keineswegs. Ein Tattoo darf auch spontan sein», ist Stoeph überzeugt.

Walk-In am 25. September ab 10 Uhr. www.streckeisentattoo.ch