Maskenpflicht

Jetzt müssen halt die Augen lächeln – wie die Maske unsere Mimik verändert

Beim Höflichkeitslächeln bleiben die Augenfältchen weg – das ist ein Problem beim Maskentragen. Die fehlende Mimik führt zu Stress.

Das Gegenüber anlächeln, einem Kind die Zunge rausstrecken oder Kussmunde verteilen – das geht nicht mehr, wenn man eine Maske trägt. Hierzulande gilt die Tragepflicht im ÖV, in anderen Ländern muss die Maske auch in den Läden, Hotels, Restaurants oder gar im Freien getragen werden.

Den Kondukteur, die Kellnerin oder den Verkäufer anlächeln, bringt momentan also wenig, denn sie können das ­Lächeln nicht sehen und nicht erwidern. Und selbst wenn sie es könnten, würden wir es nicht sehen. Es sei denn, wir lächeln mit den Augen. Doch das ist im Alltag nur sehr selten der Fall, wie der deutsche Mimik- und Körpersprache-Experte Dirk Eilert verrät: «Es gibt zwei Arten zu lächeln. Einmal das emotional ausgelöste Lächeln, welches unbewusst passiert, und vor allem im Bereich der Augen zu sehen ist. Und dann gibt es das sogenannte Höflichkeitslächeln, welches wir bewusst wählen und das die Augen nicht erreicht.»

Maskentragen schlägt auf mentale Gesundheit

Das Höflichkeitslächeln ist ein Kommunikationssignal, das dem Gegenüber Sicherheit gibt und deshalb für den zwischenmenschlichen Kontakt vital ist. Durch das Maskentragen fällt die Kommunikation schwer. Erzählt man etwas, ohne zusätzlich eine Rückmeldung zur Laune des anderen zu bekommen, wird man schnell unsicher. Gerade im Erstkontakt ist es so sehr schwierig, das Gegenüber einschätzen zu können.

Die verdeckte Mimik hat dadurch Einfluss auf die mentale Gesundheit. «Wenn unser Gegenüber eine Maske trägt, führt das zu mehr Stress», sagt Dirk Eilert. Vor allem bei Kindern sei das ein grosses Problem. «Für die emotionale Entwicklung ist die Rückmeldung per Mimik nötig.» Fällt ein Kind zu Boden, ist die erste Reaktion, den Blick der Eltern zu suchen. Das Kind versucht so herauszufinden, wie schlimm die Situation ist.

Müssten die Eltern aber gerade eine Maske tragen, dann seien die Augenbrauen in solchen Situationen wichtig, unterstreicht Eilert. Ziehen wir die Innenseiten der Brauen hoch, dann zeigen wir kulturübergreifend Trauer. Bilden sie eine Wellenform, indem wir die Brauen hoch- und zusammenziehen, vermitteln wir Angst. Sind sie zusammen- und die Augenlider nach oben gezogen, zeigen wir mit einem stechenden Blick, dass wir wütend sind.

Eine deutsche Studie, die seit 2017 läuft, zeigt, dass wir im normalen, maskenlosen Alltag nur knapp 60 Prozent der Emotionen erkennen, die andere zeigen. Der sogenannte READ- Test mit über 4000 Probanden zeigte, dass die Leute mehr als jeden dritten Gesichtsausdruck falsch interpretieren oder ihn gar übersehen. «Mit Maske ist es noch viel schwerer, weshalb viel mehr auf das feine Mienenspiel im oberen Gesicht geachtet werden muss», so Eilert.

Wie die Maske die Stimme verändert

Um das zu erreichen, hat der Mimikexperte zwei Tipps: «Wir müssen mehr über Gefühle sprechen – also das Verdeckte in Worte fassen. Und wenn wir lächeln, müssen wir ein innerliches Gefühl von Freude erzeugen, denn dann lachen die Augen auch.» Wie man mit Maske rüberkommt, könne man zuhause leicht vor dem Spiegel üben.

Nicht nur die Augen und die Brauen sind jetzt gefragt: Auch Stimm- und Tonlage spielen eine wichtige Rolle, wenn die Maske das halbe Gesicht bedeckt. Mit dem Vlies vor dem Mund wird die Stimme automatisch dumpfer und leiser. «Viele sprechen lauter und klingen dadurch verärgert, was zu Missverständnissen führen kann», sagt Eilert. Um dies zu vermeiden, solle man Achtsamkeit für die eigene Stimme entwickeln und bewusst auf diese achten.

Doch die Maskenverordnung hat nicht nur Negatives. Stichwort: Emotionale Dissonanz. Man ist sauer, muss aber trotzdem lächeln. Für Kellnerinnen und Verkäufer, die immer lächeln müssen, kann die Maske laut Eilert etwas Entspannendes sein, denn «dank der Maske muss man sich kein falsches Lächeln aufzwingen.»

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