Die Zuckermühle Rupperswil beendet die Zusammenarbeit mit SBB Cargo. Es ist ein exemplarisches Beispiel dafür, wie sich die Bahn im Kampf um Güter schwertut. Im konkreten Fall hat sie gegenüber dem Strassenverkehr verloren – und das, obwohl die Kundin für den Bahntransport optimal gelegen ist. Bis zum 14. Mai liegt auf der Gemeinde ein Baugesuch der Zuckermühle auf für den Rückbau der Industriegleise und den Neubau einer Lw-Zufahrt.

«Aufwand und Kosten für die Anlieferung des Zuckers mittels Bahn wurden einfach zu gross», sagt Max Schärer, Geschäftsführer der Zuckermühle. «Wir müssen etwa selber rangieren und dafür die Leute auch ausbilden», erklärt er. Für den Familienbetrieb mit 50 Mitarbeitern wurde das zu teuer. «Denn wir können die steigenden Kosten des Bahnbetriebs nicht an die Kundschaft weitergeben, diese ist sehr preissensibel», sagt Schärer.

Die SBB betonten, ihre Frachtkosten seien nicht gestiegen. Möglich sei allerdings, dass sich das Verhältnis zu den Transportkosten auf der Strasse verändert habe.

Und auf diese setzt die Zuckermühle nun. Nachdem die fertigen Produkte schon länger mit Lastwagen verteilt werden, soll nun auch der zu verarbeitende Zucker über die Strasse angeliefert werden. Wenn die Zuckermühle ihre Pläne umsetzen kann, werden deshalb schon bald die Lager noch ein letztes Mal per Bahn aufgefüllt und die Gleise im Anschluss abgerissen. Zu Ausfällen wird es deswegen nicht kommen. «Das ist eine relativ kleine Sache, die schnell gemacht ist», sagt Geschäftsführer Max Schärer. 50 000 Franken wird der Umbau laut Baugesuch kosten, danach können an Stelle von Rangierloks an gleicher Stelle Lastwagen vorfahren. Sie kommen aus Aarberg und Frauenfeld, den zwei einzigen Zuckerfabriken in der Schweiz. «Da wir genau in der Mitte liegen, können wir von beiden Standorten profitieren», sagt Schärer. Dazu kommen Lieferungen aus Basel, von wo Rohrzucker gebracht wird, der hier nicht wächst. «Er kommt unter anderem aus Mauritius und Paraguay», führt Schärer aus.

Zweiter Schlag für SBB Cargo

Für SBB Cargo ist es nicht der erste Rückschlag im Transport von Zucker. Schon im letzten Herbst hat sie nach einer Ausschreibung den Auftrag zum Transport von Zuckerrüben für die Schweizer Zucker AG verloren. Die Zuckerfabrik setzt zwar weiterhin auf die Bahn, allerdings mit einem privaten Anbieter, der kostengünstiger ist als SBB Cargo.

Und nun verzichtet ein halbes Jahr später die Zuckermühle Rupperswil sogar komplett auf die Schiene. «Wir bedauern das natürlich», schliesst SBB-Sprecher Oli Dischoe.