Kirche

Was Berns Kirchen wirklich belastet

Erstmals wurde eine Umfrag durchgeführt über Freud und Leid der bernischen Kirchgemeinden.

Was Berns Kirchen wirklich belastet

Erstmals wurde eine Umfrag durchgeführt über Freud und Leid der bernischen Kirchgemeinden.

Der Kirchgemeindeverband befragt die Menschen zu den Schatten- und Sonnenseiten der bernischen Kirchgemeinden.

Es sind nicht nur die sinkenden Mitglieder- oder Besucherzahlen in Gottesdiensten, welche die bernischen Kirchgemeinden beschäftigen. Die grössten Sorgen der reformierten Kirchen im Kanton Bern lassen sich auch nicht einfach auf die zunehmend schwieriger werdende Suche nach geeignetem Pfarrpersonal reduzieren. Erst recht lastet auf den Schultern der verschiedenen Kirchgemeinden nicht nur die Finanzsituation am schwersten, kommt eine Umfrage des Kirchgemeindeverbandes des Kantons Bern (KGV) bei seinen Mitgliedern zum Schluss.

Wo sparen?

Der steigende Finanzdruck – konkret: Die Diskussion über den Abgabesatz der Kirchgemeinde an die reformierte Landeskirche Bern-Jura-Solothurn im Rahmen der kantonalen Sparprogramme – brachte allerdings vor gut zwei Jahren das Fass zum Überlaufen. Quasi als «Ventil» startete der KGV darauf eine Umfrage bei seinen Mitgliedern. Er wollte herausfinden, wo der Schuh wirklich am meisten drückt. Nun liegen die Resultate der Umfrage vor – und lassen keinen allgemeingültigen Schluss zu.

Überraschend: Auf die Frage, ob der Abgabesatz der Kirchgemeinden an die Landeskirche nach den unlängst erfolgten kantonalen Sparrunden ebenfalls gesenkt werden soll, antworten je 47 Gemeinden mit Ja und Nein. Total nahmen 115 von 157 Kirchgemeinden (kantonsweit gibt es 207) an der KGV-Umfrage teil; das sind gut 70 Prozent der Gemeinden. Die Resultate dürften also ein einigermassen repräsentatives Bild abgeben.

Im Gegensatz zur Abgabesatz-Frage spricht sich eine grosse Mehrheit der Kirchgemeinden klar dafür aus, den Verband darin unterstützen zu wollen, wenn dieser bei der Landeskirche und dem Kanton vorstellig würde. Allerdings scheinen die Forderungen der Kirchgemeinden vorab immaterieller Natur zu sein; so wünscht sich ein Drittel weniger «Papierkram», mehr Freiräume und weniger Vorgaben zur Ausgestaltung ihres Angebots.

Weit weniger klar ist es, wenn es um die Frage geht, welche Leistungen in Zukunft allenfalls gestrichen werden könnten. Einige Kirchgemeinden wollen weniger Veranstaltungen durchführen, andere den Umweltschutz, das Asylwesen oder die Eheberatung an andere Institutionen abtreten, und wieder andere möchten schlicht die kirchlichen Bezirke abschaffen respektive diese den neuen politischen Verwaltungsregionen angleichen.

Darauf angesprochen, ob sie von der Reduktion der Pfarrstellenprozente durch den Kanton betroffen waren, antworten 56 Kirchgemeinden mit Ja; 46 schreiben, sie finanzierten seither einige der gestrichenen Aufgaben selbst. Der grösste Teil davon betrifft Pfarrstellen. 42 Gemeinden antworten dagegen, sie hätten ihr Angebot kürzen müssen. Der weitaus grösste Anteil (36 Gemeinden) strich ersatzlos Gottesdienste. An zweiter und dritter Stelle wurde bei der Seelsorge und dem Besuchsdienst abgebaut.

Synergien bei Gottesdiensten nutzen

Im Grundsatz erklären sich zwei Drittel der befragten Kirchgemeinden daher auch damit einverstanden, dass ihre Aufgaben generell überdacht werden sollen; eine Mehrheit findet allerdings, dass nicht neue Aufgaben, welche die Reformierten übernehmen könnten, zur Debatte stünden. Sondern wenn schon, dann solle konkret über den Leistungsabbau nachgedacht werden.

Oder doch «weiter wie bisher»?

Knapp die Hälfte der Kirchgemeinden findet, dass es durchaus brachliegende Synergien gibt, die man im Kirchenalltag ohne grossen Autonomieverlust nutzen könnte. Knapp ein Drittel sieht Potenzial in gemeinsam durchgeführten Gottesdiensten. Zur Optimierung schlagen viele auch die engere administrative Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden vor – das treffe auch auf die Altersarbeit zu.

Weniger klar ist das Bild, wenn es um den Abbau bei den «Kerngeschäften» der reformierten Kirchgemeinden geht. 14 sind der Meinung «weiter wie bisher». Ein hohes Gewicht wird ebenfalls der Altersarbeit, Seelsorge, den Kasualien und dem Auftritt gegen aussen beigemessen. Betreffend einen Leistungsabbau scheint unter den Kirchgemeinden also kein Konsens zu herrschen; so werden auch kaum Themen mehrfach genannt.

Einig sind sich die Kirchgemeinden aber darin, dass der Kirchgemeindeverband die Lobbyarbeit gegenüber Politik, Verwaltung, Öffentlichkeit, kirchlichen Oberbehörden wie auch Berufsverbänden intensivieren muss. Erst vor sieben Jahren, als Erkenntnis aus den SAR-Spardebatten ins Leben gerufen, erachtet der KGV die Resultate der Umfrage auch als Rechtfertigung für anstehende Fragen. So wurden Kirchgemeinden und Behörden auch vor der Öffentlichkeit informiert. Nun machte die kirchennahe Monatszeitung «reformiert.» die Studie publik.

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