Kommentar

Volk setzt auf Brückenbauer und nicht auf Hardliner

Hans Stöckli und Werner Luginbühl nach der Wahl.

Hans Stöckli und Werner Luginbühl nach der Wahl.

Der SVP-Hardliner Adrian Amstutz ist beim Berner Stimmvolk durchgefallen. Es will keinen Polteri. Es setzt auf Brückenbauer, die Sachpoltik betreiben. Deswegen hat der bisherige Werner Luginbühl weit mehr Stimmen gemacht als der Rest der Bewerber.

Unaufhaltsam schien die Polit-Karriere des waschechten SVP-Hardliners Adrian Amstutz bisher: Gemeinderatspräsident, Grossrat, Nationalrat, Vizepräsident der SVP Schweiz, Ständerat. Gestern setzte das Berner Stimmvolk dem Höhenflug ein jähes Ende. Mit einem Rückstand von 21 203 Stimmen wurde der ehemalige Fallschirmgrenadier vom Ex-Bieler Stadtpräsident Hans Stöckli zur Landung gezwungen.

Amstutz' Niederlage hat viele Gesichter: Als Stadtpräsident verdiente sich Stöckli Meriten, die bis weit ins bürgerliche Mitte-Lager Anerkennung fanden. Ein Unterstützungskomitee mit dem Unternehmer Rolf Bloch sowie Peter Bratschi, Berner Wirtschaftsanwalt und Verwaltungsrat mehrerer Unternehmen, ist der Beweis dazu. Und spätestens seit der Expo.02 galt Stöckli weit über die Stadtgrenzen hinaus als hemdsärmliger Zupacker und Macher. Er wurde populär, ohne ein Populist zu sein.

Kernenergie schadet Amstutz

Die knappe Wahl von Amstutz in den Ständerat erfolgte am Sonntag vor Fukushima. Dass Amstutz und seine SVP seither trotz dem atomaren Supergau fest an der Kernenergie festhielten, rächte sich gestern. Die BDP und Ständerat Werner Luginbühl wandelten sich hingegen vom Saulus zum Paulus. Deren rasche Unterstützung des vom Bundesrat beschlossenen Atomausstiegs setzte das Tandem Luginbühl/Stöckli in Fahrt.

Wesentlich zum SVP-Misserfolg beigetragen hat jedoch der Wandel in der Bevölkerung. Das holzschnitzartige Politisieren hat seinen Reiz grösstenteils verloren. Gefragt sind wieder lösungsorientierte Leute als Brückenbauer. In dieses Schema passte Amstutz nicht.

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