Der starke Schweizer Franken macht Philippe Baumann, Geschäftsführer der Création Baumann, zu schaffen. Der Stoffproduzent mit Hauptsitz an der Bern-Zürich-Strasse 23 könnte eigentlich nach eigenen Angaben für das Jahr 2010 schwarze Zahlen schreiben, und zwar um 1,4 Prozent mehr als im Jahr 2009 (54,7 Mio. Franken). Aber die schwachen Auslandwährungen haben den Umsatz gegenüber 2009 um 1,6 Prozent auf 53,8 Millionen Franken sinken lassen.

Das nagt in der Familien-AG am Gewinn, zu dem Baumann keine Aussagen macht. Seine Firma könne deshalb existieren, weil die Produkte als Marken eine starke Position verteidigen. «Für die Textilindustrie insgesamt ist die Situation aber dramatisch. Der Preisdruck ist gewaltig.» Den Verlust wegen des starken Frankens beziffert Baumann auf das Doppelte der Investitionen 2010, also auf etwa 2,5 bis 3 Millionen Franken. Investiert hat Création Baumann 1,375 Millionen Franken. «Wir konnten alle Investitionen mit eigenen Mitteln finanzieren», ergänzt er.

Rückläufig im Bereich Textilien

Produkte aus drei Bereichen werden von Langenthal aus beinahe in die ganze Welt hinaus verkauft. Mit 82,6 Prozent (2009: 83,9 Prozent) ist der Anteil der Textilien traditionell der grösste Bereich. Création Baumann kann 600 Designs in 6000 Farben anbieten. Mit dem Bereich Systeme - dazu gehören vor allem Produkte für die Innenbeschattung wie Rollos, Vorhänge und Lamellen - erwirtschaftete die Firma 15,6 Prozent ihres Umsatzes.

In diesem Bereich betrug 2010 die Umsatzsteigerung 16 Prozent. Auch im Bereich Hafttextilien (2,4 Prozent vom Totalumsatz), mit dem einzigartigen Haftstoff Gecko, konnte der Umsatz um 7 Prozent gesteigert werden. Grundsätzlich habe der Nischenanbieter nur Erfolg, wenn er mit dem Stoff Zusatznutzen anbieten könne. Als Beispiel nennt Philippe Baumann die Stofflinie «Sonic». Dieser Verdunklungsstoff und Akustikabsorber vereint gleich zwei Zusatznutzen. Als eine besondere Nische führt Baumann den Stoff für Vitrinen an. «Auffällig ist, dass Museen oft unsere Stoffe in Vitrinen für kostbare Objekte verwenden.» Man habe in Tests herausgefunden, dass die hochwertigen Baumann-Stoffe wenig Auswirkung auf die Korrosion von Ausstellungsstücken haben.

202 Mitarbeiter in Langenthal

Weltweit arbeiten 259 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Création Baumann, 202 davon in Langenthal. Präsent ist die Marke in über 40 Ländern. Tochtergesellschaften finden sich in 9 Ländern. Diese Zahlen haben sich im Vergleich zum Vorjahr nur marginal geändert. Anders sieht dies beim Exportanteil aus, der 2010 bei 68 Prozent des Umsatzes lag. Im Vorjahr betrug dieser Wert noch 74 Prozent. Die wichtigsten Absatzmärkte im Ausland sind Deutschland mit 17 Prozent und USA mit 9 Prozent.

Wer kauft Stoffe von Création Baumann? Noch immer am häufigsten sind dies mit 54 Prozent die privaten Kunden, wie Privathaushalte, Fachhandel oder Innenarchitekten. Bereits 42 Prozent werden im Objektmarkt erwirtschaftet, also etwa mit Museen, Büros oder Spitälern. Hier gehört das Hotel La Réserve in Paris ebenso zu den Kunden wie ein Museum in New York oder ein Büro in Südkorea. Gering ist mit 4 Prozent der Anteil der Industrie.