Wieder breitet ihm die Partei den roten Teppich aus: Als Alexander Tschäppät vor bald zehn Jahren Gemeinderat wurde, hob die Geschäftsleitung der SP Stadt Bern die Doppelmandats-Klausel für ihr zugkräftigstes Pferd im Stall auf. Doch eine Mehrheit der SP-Sektionen war dagegen. Da Tschäppät schon damals mit dem Stadtpräsidium liebäugelte, wollte er es sich nicht mit Teilen der Genossen verscherzen und trat nach elf Jahren aus dem Nationalrat zurück. Am Mittwochabend nun wiederholte sich die Geschichte teilweise.

Herr Tschäppät, extra für Sie hat die SP Stadt Bern das Verbot von Doppelmandaten für Gemeinderäte erneut aufgehoben: Kandidieren Sie?

Alexander Tschäppät: Ja.

Was hat sich seit 2002 geändert?

Tschäppät: Diese Regelung war eine Lex Tschäppät - in vielen anderen Städten gab es immer erfolgreiche Doppelmandate. Heute stellen die Partei und ich fest, dass es für Bern immer wichtiger ist, einen direkten Zugang zum Bund zu haben. Seit dem Tod von Kurt Wasserfallen (FDP) ist dieser nicht mehr.

Eben erst haben Sie wegen der zu hohen Arbeitsbelastung eine Ständeratskandidaur als Ersatz für Simonetta Sommaruga ausgeschlagen. Wo liegt der Unterschied?

Tschäppät: Als einer von zwei Standesvertretern erwartet man zu Recht eine lückenlose Präsenz. Als SP-Ständerat kämen dazu viele Kommissionssitzungen. Im Nationalrat kann ich besser selber Schwerpunkte setzen und mich für unsere Bundesstadt engagieren.

Sie haben also nicht zu wenig zu Tun, als eingespielter Stadtpräsident?

Tschäppät: Mit vielen Vertretern aus Bundesparlament und Verwaltung pflege ich ohnehin regelmässigen Kontakt. Als Nationalrat könnte ich aber direkter Einfluss nehmen. Zudem weiss ich ja, wie der Hase läuft: Ich müsste mich also nicht jahrelang einarbeiten.

Dennoch: Der Widerstand zumindest der bürgerlichen Kritiker gegen Ihre Kandidatur wird kaum auf sich warten lassen...

Tschäppät: ...wegem Geld haben wir eine sehr strenge Regelung: 75 Prozent der Entschädigung muss ich abgeben. Das sollte auch die Bürgerlichen freuen, erwirtschafte ich mir so doch fast den halben Stapi-Lohn selbst. Allerdings bin ich noch lange nicht gewählt.

Das heisst, 2012 kandidieren Sie erneut auch als Stadtpräsident?

Tschäppät: Geht es mir gesundheitlich gut, steht das Stadtpräsidium nicht zur Debatte. Allerdings werde ich nicht als Stapi AHV bekommen. Doch: Wenn Johann Schneider-Ammann in meinem Alter noch Bundesrat wird, reichts bei mir noch lange für eine Wiederwahl.