«Es gibt kein Pubfest mehr», sagt Istvan Müller, Oberbipp, enttäuscht. «Wir müssen das 16. Pubfest absagen. Es hätte am 30. Dezember, an Silvester und an Neujahr in der Froburghalle in Wiedlisbach stattfinden sollen, aber die Auflagen, die uns das Regierungsstatthalteramt Wangen a/A erst gerade mitgeteilt hat, verunmöglichen die Durchführung.» Im Einschreibebrief, den er am 11. Oktober entgegennahm, steht nämlich, der Anlass mit Live-Musik und danach DJ-Musik sei nur noch bis 1.30 Uhr zulässig. Und der zuständige Gemeinderat Christian Glanzmann, den Müller zusammen mit dem Gemeindeschreiber letzte Woche traf, habe sogar von 0.30 Uhr gesprochen. «Er sagte, dann müsse die Musik aufhören», erinnert sich Müller. «Wir dürften aber die Pubs ohne Musik weiterbetreiben. Doch das wäre nicht mehr ein Pubfest.»

Grosses Einzugsgebiet

Das Pubfest fand seit 1994 alljährlich um den Jahreswechsel statt. Initiant war Markus Schenk, Wirt im Restaurant Schlüssel, der selber ein Pub betrieb. Er regte ein mehrtägiges Fest mit Pubs in der Froburghalle an. Fünf bis sechs Vereine, die zum Teil von Jahr zu Jahr wechseln, sollen je eine Bar gestalten und – zuerst im Auftrag Schenks und seiner Frau Annemarie, später auf eigene Rechnung, aber gegen ein Standgeld – betreiben. Das Konzept, jeweils zuerst eine Liveband, danach lokale DJs, gefiel. So traten Florian Ast, QL, Martin Schenkel, Sens Unik, die Erste Allgemeine Verunsicherung und der Sixties Club am Pubfest auf. Das Publikum von Solothurn bis Olten und von Herzogenbuchsee bis weit ins solothurnische Thal belohnte die Organisatoren mit seinem Aufmarsch.

Nichts mit Steff La Chef

Eine der Bars betreute ein guter Kollege der Schenks, Jürg Müller, Attiswil. Als das Ehepaar Schenk vor acht Jahren nach Spanien auswanderte, übernahm er die Koordination des Pubfests. Vor zwei Jahren gründete Jürg Müller mit seiner Partnerin Christine Joss und deren Kindern sowie mit seinem Sohn Istvan und dessen Partnerin Manuela Schmidlin den Pubverein. «Das Pubfest blieb ein Familienprojekt, aber jetzt breiter abgestützt», erklärt Istvan Müller, der 2009 die Leitung übernahm. «Und natürlich eines einheimischer Vereine. Der FC ist seit Beginn dabei, für die Guggemusig Städtlihüpfer wäre es jetzt das vierte Mal gewesen. «Schon vor Monaten haben wir für den 30. Dezember Steff La Chef, für Silvester die deutsche «Revolution» und für Neujahr verschiedene Guggenmusigen verpflichtet. Doch jetzt müssen wir alles absagen», sagt Müller bekümmert.

Immer mehr Auflagen

Über die Jahre seien die Auflagen, die das Statthalteramt Wangen verfügte, immer strenger geworden. Vor allem betreffend Lärm. «Eigentlich bekamen wir viel Lob – auch aus dem Quartier», sagt Müller, «nur einer reklamierte stets.» So wurden nicht nur immer mehr Securitas-Leute verlangt, sondern auch, dass Livemusik nur bis 0.30 Uhr und dies bei maximal 93 Dezibel sowie DJ-Musik danach bis 3.30 Uhr bei 86 Dezibel erlaubt. An Silvester war Freinacht möglich, «aber wir haben immer vorher aufgehört», sagt Müller.Letztes Jahr durfte nur noch im Freien geraucht werden. «Damit die Raucher nicht überall im Quartier laut schwatzten, haben wir sie innerhalb eines Gitters vor dem Eingang konzentriert. Freiwillig», betont er. Und jetzt kam eben der eingeschriebene Brief. «Neu sollen wir Container mit Entlüftung aufstellen und müssen vor allem das Pubfest um 1.30 Uhr beenden. Man kann doch – vor allem an Silvester, wenn die Leute eben gerade angestossen haben – ein Fest nicht so früh beenden, besonders heute, wo sie erst gegen 23 Uhr richtig kommen», empört sich Müller.

«Bei der Gemeinde haben sie gesagt, diese Auflagen seien seit Anfang Jahr bekannt. Aber ich wusste nichts davon.» Auch der Hauswart, der für die Gemeinde die Verträge für die Froburghalle-Nutzung zuhanden des Gemeinderats abschliesst, wusste nichts davon. «Man hat mir nichts gesagt, und ich habe schon gar nichts Schriftliches dazu», sagt Peter Bauder. So steht auf dem Vertrag für das Pubfest, den Bauder mit Müller wie jedes Jahr schon im Frühsommer aufsetzte, das Fest dürfe bis 3.30 Uhr dauern. «Der Gemeinderat hat den Vertrag abgesegnet. Darum habe ich am 25. Juni das Gesuch für die Durchführung des Pubfests eingereicht», sagt Müller.

Lärmsanierungskonzept fehlt

Laut Marc Häusler, Regierungsstatthalter-Stellvertreter, hat der Gemeinderat das feuerpolizeilich und auf Jugendschutz überprüfte Gesuch Ende August in Wangen a/A zur Bewilligung beantragt, aber: «Gestützt auf ein Lärmgutachten haben wir von ihm am 25. Januar ein Lärmsanierungskonzept eingefordert. Ehe ein solches vorliege, könnten wir für die Mehrzweckhalle Froburg nur noch Überzeit bis 1.30 Uhr bewilligen. Seither weiss es der Gemeinderat, hat das aber noch nicht angepackt.»

Gemeindepräsidentin Katharina Hofer wollte auf Anfrage keine weitere Auskunft geben, als dass man am Montag im Rat darüber reden werde. Sie verwies auf Christian Glanzmann, Ressortleiter Bildung. Auch dieser wollte nichts sagen, ausser: «Das Traktandum betrifft die Frohburghalle.»