Oberönz/Hellsau

Plan steht, Realisierung kann dauern

Ein Hauptaugenmerk wird auf dem Knoten Steinhof liegen. Foto: ama

Ein Hauptaugenmerk wird auf dem Knoten Steinhof liegen. Foto: ama

Für 8,5 Mio. Franken will der Kanton einen 5 Kilometer langen Radstreifen bauen. Die Pläne dazu liegen seit Montag auf den Gemeindeverwaltungen auf. 2005 gab es erstmals eine öffentliche Mitwirkung, 2009 erfolgte die Planstudie.

Von der Ortstafel Oberönz bis zu jener von Hellsau soll entlang der stark befahrenen Zürich-Bern-Strasse ein Radstreifen gebaut werden. Die Pläne dazu liegen seit Montag auf den Gemeindeverwaltungen auf. Geplant wird aber schon deutlich länger. 2005 gab es erstmals eine öffentliche Mitwirkung, 2009 erfolgte die Planstudie.

Hans Ulrich Kopp, ehemaliger Gemeindeschreiber von Oberönz, erinnert sich, dass der Radweg schon früher ein Thema war: «Ende der 80er-Jahre hat der Kanton zu einer ersten Sitzung in den Schlüssel in Seeberg eingeladen.» Schon damals waren sich die Gemeinden einig, dass es einen Radweg durch den Aspiwald braucht. Heute fahren dort täglich fast 6600 Fahrzeugen hindurch, fast jedes zehnte zählt dabei zum Schwerverkehr.

Doch bevor so ein Radstreifen gebaut werden kann, muss klar sein, wer ihn zu berappen hat. Und eben dies war zwischenzeitlich nicht geregelt. Früher fielen die Radwege auch auf Kantonsstrassen in die Zuständigkeit der Gemeinden. Seit das neue Strassenverkehrsgesetz 2009 in Kraft getreten ist, ist jedoch der Kanton dafür zuständig. Zwar hätte der Kanton schon zuvor den Hauptteil bezahlt, doch der Kostenanteil der Gemeinden am 8,6 Millionen teuren Projekt wäre deutlich grösser gewesen. «Wir waren schon immer für das Projekt», sagt Roland Grütter, Gemeindepräsident von Seeberg, auf dessen Gemeindegebiet mit 2,4 Kilometern der längste Abschnitt des Radstreifens zu liegen kommt, «doch waren wir damals zurückhaltend.» Dass der Kanton den Bau nun fast komplett berappen muss - lediglich 5000 Franken aus der Anfangszeit der Planung zahlen die Gemeinden - habe den «Knüppel gelöst».

Radstreifen wird 1,5 Meter breit

Grund für die hohen Kosten von total 8,6 Kilometern ist die Länge des geplanten Projekts. «Fünf Kilometer ist eine lange Strecke, ich kenne kein anderes Projekt ähnlicher Dimension», sagt der zuständige Kreisoberingenieur Roger Schibler. Auf dieser Länge muss die Strasse von 7,6 Meter auf 9 Meter verbreitert werden, da für den Radstreifen auf beiden Seiten 1,5 Meter benötigt werden. Dafür muss der Kanton insgesamt 5782 Quadratmeter Land erwerben, zum grossen Teil Landwirtschaftsland. 252 000 Franken sind veranschlagt. Zudem muss für die Verbreiterung Wald gerodet werden, total 2400 Quadratmeter auf dem Gemeindegebiet von Herzogenbuchsee und 930 Quadratmeter auf jenem von Seeberg. Diese Fläche wird andernorts wieder aufgeforstet. Vorübergehend werden zudem für den Bau nochmals 12 095 Quadratmeter Wald gerodet.

Neben dem beidseitigen Radstreifen sind zugleich weitere Massnahmen zur Verbesserung der Sicherheit geplant. So soll an den Ortseingängen mit einer Mittelinsel der Verkehr beruhigt werden. Die erlaubte Höchstgeschwindigkeit bleibt wie bisher.

Ausser beim Knoten Steinhof und bei der Ortseinfahrt in Hellsau. Dort soll künftig Tempo 60 gelten. Die Kreuzung Steinhof soll zudem mit weiteren Massnahmen entschärft werden, unter anderem mit einem Mittelstreifen als Mehrzweckfläche, der das Abbiegen erleichtert.

Beginn noch ungewiss

Die Gemeinden stehen hinter dem Projekt, auch wenn es im Detail noch Fragezeichen gibt. «Bei den Mittelinseln ist eine Bepflanzung geplant, da haben wir Bedenken wegen der Übersichtlichkeit», so Grütter. In Hellsau hätte man am liebsten gleich ganz auf die Inseln verzichtet. «Man hätte den Bau vereinfachen können», so Gemeindeschreiberin Ursula Bieri, «doch der Kanton erachte die Inseln als notwendig, um die Geschwindigkeitsreduktion zu erreichen.» In Herzogenbuchsee zeigte sich Gemeindeschreiber Rolf Habegger zufrieden mit den Plänen: «Unsere Anregungen wurden aufgenommen.»

Doch auch wenn die drei Gemeinden dahinter stehen, könnten noch Einsprachen kommen: Die Frist läuft bis zum 30. Dezember. Auch danach ist absolut noch nicht gewiss, wann mit dem Bau begonnen werden kann. Im Projektbeschrieb ist lediglich der Zeithorizont von 2012 für die früheste Ausführung der etappenweise erfolgenden Strassenverbreiterung genannt. Dazu ergänzt Kreisoberingenieur Roger Schibler: «Der Zeitpunkt der Ausführung ist abhängig von der Sprechung der Baukredite.» Das könne sehr lange dauern, gibt Schibler zu, denn aufgrund der Bedürfnisse werde rigoros priorisiert. Und da das Projekt beim Kanton nicht oberste Priorität geniesst, könnten Jahre vergehen, bis es tatsächlich realisiert wird. Dennoch sei es wichtig, dass das Projekt nun aufliegt, sagt Schibler: «So können wir mit dem Bau beginnen, sobald die finanziellen Mittel da sind.» Bevorzugt werde man immer dann einen Teil bauen, wenn ohnehin Unterhaltsarbeiten notwendig sind. Beim in diesem Sommer sanierten Teilstück habe man die Belagssanierung so vorgenommen, dass der Radstreifen später ergänzt werden könne, so Schibler. Auch wenn die Strecke keinen Unfallschwerpunkt darstellt, bleibt zu hoffen, dass den Velofahrern bald eine eigene Spur zugesprochen wird.

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