Emmentalbahn

Nostalgiebahn in greifbarer Nähe in der Region Emmental

Die Dampfloks Ed3/4 SMB 2 und LHB11, der Triebwagen EBT 224 und die Ed3/4 51 BSB in Sumiswald.

Die Dampfloks Ed3/4 SMB 2 und LHB11, der Triebwagen EBT 224 und die Ed3/4 51 BSB in Sumiswald.

Die Finanzierung der nostalgischen Eisenbahn ist in Aussicht. Die notwendigen Verkaufsverhandlungen mit der BLS laufen momentan aber noch. Doch ein Abschluss der Gespräche dürfte bald der Fall sein.

Ein lang gezogener Pfiff, stampfende Kolben. Hinter einem Baum, der einsam auf einer Anhöhe steht, steigen Dampfwolken in den Himmel, bevor unten im Tal eine schwarze Lok keuchend und zischend, um die Kurve am Fusse des Hügels biegend, in Erscheinung tritt. Nein, keine Szene aus einem Western. Sondern ein Bild, das sich im Oberaargau und Emmental, genauer zwischen Huttwil und Wasen, schon bald in regelmässigen Intervallen dem Betrachter bieten könnte. Denn die Genossenschaft Museumsbahn Emmental ist auf gutem Wege, ihre Idee eines historischen Bahnbetriebs in die Tat umzusetzen.

Die Berner Wirtschaft beco hat mit Empfehlung der Region Emmental ein entsprechendes Gesuch um finanzielle Unterstützung gemäss Neuer Regionalpolitik (NRP) gutgeheissen und der Genossenschaft 200 000 Franken in Aussicht gestellt. Geplant ist, die Strecke Huttwil-Sumiswald-Wasen von der BLS zu übernehmen, die seit 1994 die Abschnitte Wasen-Sumiswald, Sumiswald-Weier und Weier-Huttwil schrittweise stillgelegt und durch Busbetriebe ersetzt hat.

Die drei Trägervereine der Emmentalbahn (Dampfbahn Bern, Verein Historische Eisenbahn Emmental und die Dampflokfreunde Langenthal) haben bereits in den vergangenen Jahren private und öffentliche Fahrten mit ihren historischen Lokomotiven und Waggons auf dem BLS-Netz durchgeführt, etwa am Muttertag oder während des «SlowUp». Mit der Gründung der Genossenschaft wollen sie nun aber einen Schritt weitergehen. Nebst eigenen Schienen und Perrons ist auch eine eigene Konzession vonnöten. Und die öffentlichen Fahrten sollen nicht mehr sporadisch, sondern ganzjährig und einem Fahrplan folgend angeboten werden. «Wir werden sicher anstreben, dass die Bahn immer an den Wochenenden unterwegs sein wird», sagt René Kocher, Vorstandsmitglied der Genossenschaft und zuständig für die Unternehmensentwicklung.

Förderbeitrag ist nur Starthilfe

Bis dahin ist aber noch einiges an Arbeit zu verrichten, wie Kocher erklärt. Um die erste Tranche der 200 000 Franken vom beco zu erhalten, müsse der Business-Plan überarbeitet werden. Dieser wurde zwar bereits erstellt - was aber noch fehlt, sind die konkreten Kosten. «Dazu müssen wir mit der BLS genau abklären, wie viele Kilometer Gleis und wie viele Weichen wir übernehmen.»

Die zweite Tranche ist für die Erarbeitung der Produktgestaltung (Gruppenreisen, Events, Gastronomie etc.) gedacht, die dritte für die tatsächliche Umsetzung. Der Förderbeitrag dient dabei lediglich als Starthilfe für das Projekt. Der eigentliche Kauf der Infrastruktur wie Gleise, Perrons, Fahrleitungen und Bahnhöfe werde durch ein Darlehen des Bundes finanziert, so wie das bei vielen anderen Schweizer Bahnen gehandhabt würde, sagt Kocher. Wie hoch der Betrag für den Kauf der Strecke letztlich ausfallen wird, kann Kocher noch nicht sagen. Nur so viel: «Der Rückbau des Netzes würde Millionen verschlingen. Zusammenräumen käme also erheblich teurer als weiterhin Betreiben.» Bis im Juni sollen die Verkaufsverhandlungen mit der BLS beendet sein. Parallel werden Gespräche mit dem Bundesamt für Verkehr (BAV) geführt, um eine Konzession zu erwerben. «Das oberste Kriterium dabei ist ein gutes Sicherheitskonzept», erläutert Kocher. «Daher sind wir auf der Suche nach einem Betriebsleiter, der dieses zu erstellen hilft.»

Bis im Herbst könnte die Konzession da und die Emmentalbahn startklar sein. Weil die Strecke im Museumsbetrieb nicht ständig befahren wird, eigne sie sich zudem sehr gut zur Aus- und Weiterbildung. Gleisarbeiten könnte die Genossenschaft von Lehrbetrieben daher auf Basis der Materialkosten durchführen lassen.

Meistgesehen

Artboard 1