Im Kunsthaus Langenthal, wo sonst für geistige Nahrung gesorgt wird, erwarteten an diesem Freitag den Besucher auch kulinarische Genüsse. Ein verführerischer Duft nach Pilzen und Risotto empfängt den Gast bereits am Eingang und geleitet ihn sicher in die zweite Etage. Dort wird wie von Zauberhand der Workshopraum in einen Speisesaal verwandelt. Lange Tische mit weissen Tischdecken sind mit Rosenblättern und Kerzen dekoriert worden und laden geradezu zum Hinsetzen ein. Ein würdiges Ambiente für die vierte Ausgabe des Dinner-Events «Künstler kochen», das traditionell alle zwei Jahre in den Wintermonaten stattfindet.

Zur Einstimmung auf das Kunst-Dinner kann man noch einmal durch die aktuelle Ausstellung «Cantonale Berne Jura» schlendern oder die Apérobar-Atmosphäre im Salon Bleu geniessen. Dann ist es so weit, man nimmt Platz an den schön gedeckten Tischen. Die Sitzordnung ist frei, und so ergeben sich neue Bekanntschaften oder werden die alten gepflegt. Die mediterranen Amuse-
Bouches und gute Gespräche regen den Appetit an, und so ist der erste Gang, ein Chicorée-Rosso- und Zuckerhut-Salat an italienischer Sauce, sehr willkommen.

Premiere für Kunsthausleiter

Ebenso willkommen ist die nette Bedienung, in der neben Raffael Dörig, dem Kunsthaus-Leiter, und seiner Assistentin Evelin Suter auch freiwillige Mitarbeiter des Hauses arbeiten. Mit den beiden Koch-Künstlern sind weitere 10 Personen im Einsatz, die sich um das leibliche Wohl der rund 50 Gäste kümmern. Während die meisten schon gewisse Routine im Service besitzen – schliesslich hat das Künstler-Dinner bereits eine gewisse Tradition in Langenthal –, ist es für den neuen Kunsthausleiter eine Premiere.

Doch nervös ist er nicht. Schliesslich habe er schon mal vor 15 Jahren im Kanton Bern serviert, meint Raffael Dörig, und angesichts des eleganten und souveränen Stils, mit dem er sich um «seinen» Tisch kümmert, glaubt man es gerne. Ein wunderbares Pilzrisotto und eine feine Marroni-Creme runden das Menü ab. Die Leistung der Köche wird mit einem tosenden Applaus verdankt.

Das sei ihr schönster Lohn und ihre Motivation, sagen Marco Eberle und Ewald Trachsel später beim Abwasch in der Küche. Im Speisesaal geniesst man das Essen und die Atmosphäre des Abends. Die Gespräche kreisen um Kunst und den Alltag. Und man begegnet einander auch dank dem Rollenwechsel des Kunsthaus-Teams auf einer anderen, viel lockereren Ebene. Der Abend ist ein voller Erfolg, und schon jetzt kann man sich auf die 5. Ausgabe in zwei Jahren freuen.