Lohninitiative

Lehrer und Polizisten sammeln am fleissigsten Unterschriften

Auf dem Berner Rathausplatz demonstrierten im November 6000 Lehrer für bessere Arbeitsbedingungen.  uz

Auf dem Berner Rathausplatz demonstrierten im November 6000 Lehrer für bessere Arbeitsbedingungen. uz

Eigentlich sollte die Unterschriftensammlung zur «Initiative für faire Löhne» längst abgeschlossen sein. Doch: Die Sommerferien sind längst vorbei und die drei Verbände sammeln immer noch für die Lohninitiative.

Bei der Lancierung der Lohninitiative Ende April kündigten jedenfalls die Initianten an, sie wollten die für ein Zustandekommen notwendigen 15000 Unterschriften noch vor den Sommerferien beisammen haben. Hinter der Initiative stehen der Bernische Staatspersonalverband (BSPV), die Organisation Lehrerinnen und Lehrer Bern (LEBE) sowie der Verband Personal öffentlicher Dienste (VPOD).

Doch die Sommerferien sind längst vorbei und die drei Verbände sammeln immer noch. Diese Woche appellierte nämlich der BSPV in seinem elektronischen Newsletter an die Mitglieder, «wer noch nicht unterschrieben hat, kann dies jetzt nachholen». Die Unterschriftenkarten seien unverzüglich einzureichen.

Burkhalter gibt keine Note 6

Die Frage, weshalb die Sammlung länger dauert als erhofft, beantworten BSPV-Geschäftsführer Matthias Burkhalter, VPOD-Gewerkschaftssekretär Blaise Kropf und LEBE-Sprecher Michael Gerber unterschiedlich: «Wir sind auf Kurs. Bei einem Mitgliederbestand von 9000 Lehrkräften haben wir relativ ‹ring› 10000 Unterschriften zusammengetragen», sagt Gerber. Spätestens seit dem vergangenen November, als rund 6000 Lehrer auf dem Berner Rathausplatz demonstrierten, seien die Lehrer sensibilisiert und politisiert. «Sie sind aktiv und nehmen politisch ihr Schicksal in die Hand», erklärt Gerber den LEBE-Sammelerfolg.

Matthias Burkhalter hingegen räumt ein, er sei etwas ernüchtert: «Müsste ich unsere Mitglieder benoten, so gäbe ich eine 4,5 oder 5, aber sicher keine 6.» Bei 6500 Mitgliedern habe der BSPV derzeit knapp 5000 Unterschriften beisteuern können. Besonders aktiv gezeigt hätten sich die Polizistinnen und Polizisten: «Bei der Polizei fallen das Lohnproblem und der enorme Arbeitsdruck zusammen», erklärt der Geschäftsführer und SP-Grossrat deren Engagement. Persönlich habe er jedoch die Solidarität der Rentnerinnen und Rentner überschätzt. Weil sie von der Lohninitiative nicht mehr profitieren könnten, hätten sie «relativ zurückhaltend» unterschrieben. «Ehrlich gesagt, ich dachte auch, dass es leichter gehen würde», räumt Blaise Kropf ein. Bei insgesamt gut 3500 VPOD-Mitgliedern habe die Gewerkschaft bisher knapp 2000 Unterschriften beigesteuert, sagt der Sekretär und Grünen-Grossrat. Die Regel, dass es kaum eine Initiative gebe, «die von alleine Unterschriften sammelt», habe sich bestätigt. «Wir mussten nachhaken», gibt Kropf zu.

Derzeit laufe bei den Gemeinden die Beglaubigung der Unterschriften. Unter Zeitdruck stehe man nicht, die Sammelfrist ende erst am 27. Oktober. Kropf: «Ich bin sogar zuversichtlich, dass wir die Initiative Ende September oder Anfang Oktober bei der Staatskanzlei einreichen können.»

SVP und FDP mit im Boot?

War der Alleingang der drei Verbände ein Fehler? «Nein, keinesfalls. Wir beweisen nun, dass wir im Alleingang eine Initiative durchziehen können», tönt es unisono. Michael Gerber ergänzt: «Weil wir nicht in eine politische Ecke gestellt werden wollten, haben wir bewusst auf den Einbezug von Parteien verzichtet. Wir brauchen ja auch die Unterstützung des ganzen Grossen Rates.» Burkhalter zeigt sich zuversichtlich, dass das Parlament die Lohninitiative unterstützen wird. «Bei der Präsentation ihrer Sparanträge von 155 Millionen Franken zum Ausgleich des Voranschlags 2012 zielte letzte Woche selbst die SVP nicht auf das Lohnsummenwachstum, sondern auf den Abbau von Stellen.» Und vonseiten freisinniger Grossräte sei ihm Unterstützung angekündigt worden.

Meistgesehen

Artboard 1