Seit fünf Jahren geistere das Projekt in ihren Köpfen umher, seit drei Jahren werde konkret daran gearbeitet, berichtet Kurator Beat Gugger zum Entstehungsprozess der Ausstellung, die er zusammen mit Anna Schneeberger einrichtete. Zu sehen sei nicht eine Ausstellung über Migration sondern über Arbeitsmigration, wie Jana Fehrensen, Präsidentin der Stiftung Museum Langenthal, präzisiert. Der Rückblick auf die Migrationsströme weg vom Oberaargau oder, in der neueren Zeit, hin zum Oberaargau hat seinen Platz in der Ausstellung.

Am meisten Gewicht erhalten aber die Menschen, die heute in Langenthal arbeiten und von auswärts stammen. Sie bekommen im Museum eine Plattform. Anna Schneeberger hat beispielsweise über 30 Stunden Tonmaterial zusammengetragen in Form von Interviews mit Menschen aus Langenthal. Das Material wurde in acht Themen unterteilt. «Die Themen handeln nicht von Integrationsproblemen alleine. Es sind Aussagen von Leuten mit verschiedenen Hintergründen, die zum Arbeiten herkamen», sagt Gugger. Symbolisch wurde im Museum der Rote Teppich ausgerollt. «Wir sind natürlich froh, dass die Menschen hierher arbeiten kommen.»

Die Themen werden in einem Parcours mit Kopfhörern vermittelt. Zu hören sind Aussagen der Menschen zu ihrem Alltag. Daneben sind Stellwände platziert mit Fotos der befragten Menschen. Sie bekamen vom Museumsteam den Auftrag, ihre Welt mit der Kamera festzuhalten.

Der Tambour überlebte

Die Macherinnen und Macher der Ausstellung versuchen, den Besucher nicht nur auf einer Ebene zu erreichen. Neben Tönen und Fotos wird auch mit Texttafeln zur Geschichte der Arbeitsmigration gearbeitet. In einem weiteren Raum wird mit Biografien Einblick in die Auswanderergeschichte der Region gegeben, also die Vergangenheit gewürdigt. Da erfährt der Besucher beispielsweise von Paul Joss, einem der wenigen Überlebenden des Tuileriensturms vom 10. August 1772.

Die von der Schweizergarde verteidigte königliche Residenz, der Tuilerienpalast, wurde an diesem Tag von aufständischen Bevölkerungsteilen mit Unterstützung der revolutionären Stadtregierung von Paris gestürmt. Der 12-jährige Paul wurde verschont, wahrscheinlich weil er keine Waffe trug. Er war Tambour. «Er kam zurück nach Langenthal und sein Grabkreuz steht noch heute», weiss
Jana Fehrensen.

Das Boot ist voll

Eine weitere Dimension der Vermittlung bietet die Ausstellung mit Installationen. Anna Schneeberger hat die ganze Welt der globalisierten Produkte in Langenthal in einen Raum gestopft. Herausgekommen ist die Silhouette(!) Langenthals. Eine Installation zieht auch im Obergeschoss des Museums die Blicke auf sich. Ausgestellt sind vier sehr unterschiedliche Arbeiten von Schulklassen zum Thema Migration.

Etwa die spektakuläre Installation «Die Boot ist voll», eine Arbeit einer Klasse aus Huttwil. Der Titel ist extra grammatikalisch falsch geschrieben. Zu sehen ist ein Schlauchboot mit diversen Inhalten. Auch Filme werden abgespielt, hergestellt von sieben Jugendlichen zusammen mit ToKJO. Die Jugendlichen haben einen Migrationshintergrund und beleuchten das Thema Berufsfindung. «Sie haben wirklich spannende Interviews gemacht», berichtet Monika Gurtner.

Eine andere Arbeit befasst sich mit der Bevölkerungsstruktur im Oberaargau. Schüler des Gymnasiums haben im Ergänzungsfach Geografie die Entwicklung der ausländischen Bevölkerungsgruppen Gemeinde für Gemeinde von 1970 bis heute statistisch erfasst. Vier Arbeiten sind ausgestellt. Die vierte Arbeit realisierten Realschüler aus Bützberg, die auf Plakaten das Thema umsetzten. Die Arbeiten der Schüler werden juriert und an der kommenden Kulturnacht prämiert.