Zulgtal

Geplante Grossfusion ist vom Tisch

Eriz will keinesfalls mit neun Gemeinden im Zulgtal fusionieren. uz

Eriz will keinesfalls mit neun Gemeinden im Zulgtal fusionieren. uz

Zehn Gemeinden im Oberland und Emmental verzichten auf ihre Verbindung. Die Gemeinden arbeiten schon heute eng miteinander. Da würde sich eine Heirat nicht mehr lohnen.

Die Gemeinden im Zulgtal schliessen sich nicht zu einer einzigen zusammen. Die Stimmbevölkerung erteilte dem grössten derzeit hängigen Gemeindefusionsprojekt im Kanton Bern eine deutliche Absage. Auch eine moderatere Fusion zu zwei Gemeinden fand im Tal zwischen Oberland und Emmental keine Mehrheit.

Dass jedoch der ganz grosse Wurf mit dem Zusammenschluss aller zehn zu einer einzigen Gemeinde gelingen würde, war im Vorfeld kaum erwartet worden. Mit der Grossfusion aller Gemeinden zwischen Steffisburg und dem Schalenberg-Pass wäre eine neue Gemeinde mit einer Fläche von 96 Quadratkilometern und rund 5600 Einwohnern entstanden. Dabei wäre die Zahl der Behördenmitglieder von 282 auf 49 gesunken.

Spannender war indessen, ob sich die Gemeinden rechts und jene links des Zulggrabens zu zwei Gemeinden zusammenschliessen würden. Diese Variante überzeugte nun immerhin rund die Hälfte der Gemeinden.

Allerdings gab es auf beiden Seiten des Zulggrabens befürwortende und ablehnende Gemeinden. Das bedeutet, dass auch die Bildung von zwei Gemeinden in der vorgeschlagenen Form vom Tisch sein dürfte.

Fusionen vorderhand vom Tisch

Gegen jegliche Form von Fusion sprachen sich die Gemeinden Eriz, Buchholterberg, Oberlangenegg, Horrenbach-Buchen und Schwendibach aus. Unterlangenegg, Fahrni, Wachseldorn, Homberg und Teuffental konnten zumindest der moderateren Variante etwas abgewinnen. Die Vorlage mobilisierte viele Leute für die am Freitagabend gleichzeitig stattfindenden Versammlungen in allen zehn betroffenen Gemeinden.

Nach dem Nein dürfte das Thema Fusion im Zulgtal für die nächsten paar Jahre nicht mehr auf das Tapet kommen, vermutete Hans-Rudolf Zaugg, Leiter des Projektausschusses «Zukunft Zulgtal» am Samstag auf Anfrage. Es sei denn, dass sich die Rahmenbedingungen änderten, etwa beim kantonalen Finanz- und Lastenausgleich, den Steuererträgen oder bei der Rekrutierung von Personal und Behördenmitgliedern.

«Eine Hochzeit lohn sich kaum mehr»

Das Fusionsprojekt wurde fünf Jahre vorbereitet. Die fusionswilligen Gemeinden müssen sich nun überlegen, wie es für sie allenfalls auf einer anderen Basis weitergehen könnte. Auf den ersten Blick am wahrscheinlichsten ist aber, dass alles beim alten bleibt. Denn: Verschiedene fusionswillige Gemeinden arbeiteten schon heute eng zusammen, so Zaugg. «Die leben so stark im Konkubinat, dass sich eine Hochzeit wohl kaum mehr lohnt.»

Die Bevölkerung habe einen Herzentscheid getroffen, so Zaugg. Hüben und drüben habe er Ängste gespürt, dass man mit der Fusion einiges aufgeben und nichts bekommen würde.

Das Zulgtal liegt zwischen dem Berner Oberland und dem Emmental östlich von Thun und Steffisburg. (sda/sat)

Meistgesehen

Artboard 1