Die Stadtberner FDP-Gemeinderätin Barbara Hayoz beendet 2012 ihre politische Karriere. Nach acht Jahren in der Stadtregierung wird sie bei den Wahlen im Herbst 2012 nicht mehr kandidieren, wie die Betriebsökonomin mit einem Masterabschluss gestern vor den Medien ankündigte.

Sie feiere nächstes Jahr ihren 50. Geburtstag. «Wenn ich nochmals etwas Neues beginnen und eine Herausforderung ausserhalb der Politik annehmen möchte, dann ist das der richtige Zeitpunkt, es zu tun», sagte die amtierende Finanzdirektorin am Rande der Medienkonferenz zur Stadtberner Jahresrechnung.

Auch als Nationalratskandidatin werde sie nicht zur Verfügung stehen, bekräftigte Hayoz auf Nachfrage. Sie werde sich komplett aus der Politik zurückziehen. Dabei hatte sich Hayoz erst im vergangenen Januar von den Delegierten der Kantonalpartei als Nationalratskandidatin nominieren lassen. «Ich bedaure den Entscheid sehr, denn 2007 erzielte Hayoz als dritter Ersatz ein ausgezeichnetes Resultat», sagte gestern auf Anfrage Peter Flück, Präsident der FDP Kanton Bern. Er kenne den Hintergrund für den relativ raschen Sinneswandel nicht. «Aber es ist ihr persönlicher Entscheid, und den respektiere ich.»

Partei bedauert

Mit der frühzeitigen Ankündigung wolle sie Rücksicht auf ihre Partei nehmen, betonte Hayoz. Die FDP habe nun genügend Zeit für die Nachfolgeregelung. Die Freisinnigen der Stadt Bern äusserten «ausserordentliches Bedauern» über die Rücktrittsankündigung. Unter Finanzdirektorin Hayoz habe die Stadt Bern den altrechtlichen Bilanzfehlbetrag vollständig abgebaut. Zudem habe Hayoz in ihrer Amtszeit als Finanzdirektorin nie eine Rechnung mit roten Zahlen vorgelegt.

Hayoz war von 1996 bis 2002 bernische Grossrätin. In diese Zeit fiel auch ihr berufliches Engagement als Verwaltungsratsvizepräsidentin der Helsana AG (199 bis 2005). Seit 2005 war sie Mitglied der Berner Stadtregierung. Zunächst leitete sie die Sicherheits-, Umwelt- und Energiedirektion. Nach dem Tod ihres Parteikollegen Kurt Wasserfallen übernahm sie 2007 die Finanzdirektion. Hayoz ist zudem Vizestadtpräsidentin.

FDP plant Nachfolge

Die FDP werde an den Gemeinderatswahlen 2012 «eine oder mehrere Kandidaturen» stellen, bekräftigte Parteipräsidentin Dolores Dana auf Anfrage. Das zukünftige Gemeinderatsmitglied der FDP solle nach einer Legislatur im Jahr 2016 für das Stadtpräsidium kandidieren.

Damit verzichten die Freisinnigen 2012 auf eine Bewerbung fürs Stadtpräsidium, wie Dana bestätigte. Ob die Bürgerlichen überhaupt antreten, liess sie offen. Man habe diese Frage noch nicht mit den anderen Parteien erörtert. Der amtierende Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) will im Verlauf dieses Jahres bekannt geben, ob er nochmals antritt. Zuletzt setzte er sich bei den Wahlen 2008 gegen Barbara Hayoz durch.

Keine «lahme Ente»

Hayoz betonte am Freitag, der Zeitpunkt für die Rücktrittsankündigung sei angesichts der guten Finanzlage der Stadt ideal. «Ich fühle mich nicht als lame duck, eher als Dagobert Duck.» Beobachter haben Hayoz in der Vergangenheit wiederholt gute Arbeit als Finanzdirektorin attestiert. Kritik musste sie unter anderem wegen der massiven Kostenüberschreitungen beim Bau des Bärenparks einstecken. (sda/uz)