Stadttheater

Fünf Milliarden Jahre in knapp zwei Stunden auf die Schippe genommen

Lorenz Keiser weiss, wie er das Publikum auf seine Seite bringt.

Lorenz Keiser weiss, wie er das Publikum auf seine Seite bringt.

Der Zürcher Kabarettist Lorenz Keiser überzeugt im Oberaargau mit seinem neusten Stück «Big Bang». Seine Lieblingsthemen: Urknall, Evolution, Arche Noah und die Zeit, die schneller vergeht, als man denkt.

Laute Musik, eine tolle Lichtshow, dann tritt der Satiriker und Kabarettist Lorenz Keiser auf die Bühne. Höflich begrüsst er die Zuschauerinnen und Zuschauer. Das Stadttheater Langenthal sei ein guter Ort für einen grossen Anfang seines Stücks. «Es ist nicht die Dorfbühne Aarwangen, nein, es ist das Stadttheater Langenthal», sagt er lobend über das bald 100-jährige Haus und beweist, dass er auf der Fahrt von Zürich in den Oberaargau aufgepasst hat.

Guter Auftakt mit Lacher auf seiner Seite

Er sei hinter der Bühne gesessen und habe auf seinen Auftritt gewartet, fährt er fort. Dabei habe er dem Publikum im Saal zugehört, wie es gemurmelt habe. «Ich stellte fest: Es sind Leute im Saal mit Ansichten, I-Phones und gut begründeten, vorgefassten Meinungen.» Sofort hat der Zürcher Sohn von César Keiser, ebenfalls ein Grosser des Schweizer Kabaretts, die Lacher auf seiner Seite.

Keiser spricht viel und gestikuliert

Immer wieder spricht er die Leute im leider nur zur Hälfte gefüllten Stadttheater direkt an, bezieht sie auch kurz mit ein. Sofort ist er voll drin, spricht viel und manchmal schnell, gestikuliert und nutzt den ganzen Raum der völlig leeren Bühne. Keiser versteht es auf aussergewöhnliche Art, allein und ohne jegliche Hilfsmittel das Publikum fast zwei Stunden bestens zu unterhalten. Nebst seinen hervorragenden sprachlichen und schauspielerischen Fähigkeiten hüpft Keiser locker und leicht von Thema zu Thema, ohne dabei den roten Faden aus den Augen zu verlieren.

Das Leben auf die Schippe nehmen

Dieser rote Faden führt ganz weit zurück in die Geschichte der Helvetier, beginnt bei der Schlacht bei Bibracte, von der kaum mehr jemand etwas wisse. «Das ist schlecht, denn ich werde jetzt eine Stunde darüber sprechen.» Das tut er selbstverständlich nicht, sondern wechselt zum Rütlischwur, dem Beginn der Demokratie und den Germanen, die das römische Reich erobern wollten und von den Helvetiern aufgehalten wurden.

Und die Germanen seien bis heute geblieben, so Keiser. Auch den Klimawandel streift er. Wobei es ja laut Ulrich Schlüer eine Klimalüge sei. Doch man müsse sich bewusst sein, jeder Energieverbrauch sorge für CO2-Ausstoss. «Wenn Sie am Fernseher Ulrich Schlüer zuschauen, stirbt jedes Mal ein Delfin. Mir wäre es eigentlich lieber umgekehrt.» Mit zahlreichen Beispielen direkt aus dem Alltag schafft er es auf wunderbare Weise, das Leben auf die Schippe zu nehmen.

Dabei spielt die Zeit eine wichtige Rolle, die schneller vergehe, als man denkt, so der 53-Jährige. Dies verdeutlicht der verheiratete Vater einer 17-jährigen Tochter und eines 14-jährigen Sohnes auch anhand von Beispielen aus dem Familienalltag.

«Das ist doch kein Gott! Höchstens ein Nationalrat.»

Auch die Religionen bekommen ihr Fett ab. Keiser spricht von Gott, der nicht helfe, nicht eingreife und vergesse, was er versprochen habe. «Das ist doch kein Gott! Höchstens ein Nationalrat.» Schliesslich kommt er zum Urknall – eben dem «Big Bang» – und der Arche Noah.

Er ist überzeugt: «Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das faul ist, damit aber immer wieder arschknapp davonkommt.» Fünf Milliarden Jahre Zeitgeschichte in knapp zwei Stunden verspricht Keiser in einer Vorschau auf sein neustes Programm. Was unmöglich scheint, wird beim Zürcher Komiker Realität. Das Publikum verdankt es ihm mit einem langen Applaus.

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