Wo Jungs sind, ist ein Ball meist nicht weit. Und hat sich eine Gruppe gefunden, dann wird die Nacht zum Tag und der Tag hat mindestens 24 Stunden. Jede freie Minute wird zum Spiel mit dem runden Leder genutzt – und wenn dies auf der Wiese vor der Haustüre gemacht wird, ärgern sich in Wohnsiedlungen oft die Anwohner.

In den Wohnblöcken an der Hasenmattstrasse 37 und 39 ist der Ärger förmlich spürbar. Nicht nur bei den Anwohnern einer Wiese, auf der bislang der Fussball regierte, und die sich vom Lärm belästigt fühlen. Sondern auch bei den Eltern der Kinder und weiteren Anwohnern, denn die Verwaltung hat nun das Fussballspiel mit einem selber gebastelten aber gut verankerten Verbotsschild von der Wiese verbannt.

Grosse Empörung

«Bis vor kurzem war im sogenannten familienfreundlichen Wohnquartier die Welt noch in bester Ordnung», schreibt dazu ein Vater fussballbegeisterter Jungs. «Der dortige Rasenplatz war der perfekte Spielort für Gross und Klein.» War – bis die Hausverwaltung die Fussballspiel-Verbotstafel aufgestellt hat. Die Empörung ist gross.

Immer im Frühling

«Ich habe das Ganze bis zum Hals», sagt die Mieterin Anna F.* Die Geschichte schwele nun schon einige Jahre, berichtet sie. Immer im Frühjahr, wenn es die Kinder zum Spiel hinauslockt, werde der Streit wieder aufgewärmt. Vor zwei Jahren habe sich eine Gruppe Jugendlicher im Altervon 10 Jahren aufwärts gefunden. Fasziniert von der Fussball-Weltmeisterschaft, hätten sie Tag und Nacht gespielt. «Da wurde es schon laut, aber in meinen Augen nicht zu empfindlichen Zeiten. Bis es an einem Samstag eskalierte.»

Damals habe man noch das Gespräch gesucht mit der Verwaltung. Man wollte einen Kompromiss finden, vielleicht verbindliche Zeiten, an denen Fussball gespielt werden dürfe. Doch die Verwaltung habe laut Mieterin Anna F. auf Zeit gespielt. «Wahrscheinlich hofften sie, dass die Situation sich von selbst beruhigt.»

Offiziell wurde das Verbotsschild nicht angekündigt. Der Vertreter der Verwaltung habe aber einzelne Parteien über das Verbot vorinformiert. «Ich habe es bis zuletzt nicht geglaubt. Immerhin leben hier über 50 Parteien und es sind immer die gleichen vier, fünf Parteien, die reklamieren.» Von den anderen Parteien wisse sie, dass diese nichts gegen die spielenden Kinder hätten. «Mit dem Schild wird den wenigen recht gegeben, das stört mich.» Sie vermutet, dass die Verwaltung nicht mehr andauernd Reklamationstelefonate bekommen wolle.

Es «brätscht»

Diejenigen, die sich belästigt fühlen, wohnen meist Parterre an der Wiese. «Sie sollten mal hören kommen, wie das ‹brätscht›, wenn die Jugendlichen Fussball spielen», erklärt Anwohnerin Berta C.*. Sie habe nichts gegen Kinder, die in «anständigem» Rahmen spielten. «Aber das sind ein halbes Dutzend Jugendliche, die nicht mal hier wohnen.» Es mache keinen Sinn, etwas zu sagen. «Die hören nicht zu. Dabei will ich doch auch einmal draussen essen können.»

Ähnlich tönt es bei einem älteren Herrn, der gerade zugezogen ist. Berta C. verweist zudem auf den kleinen Fussballplatz in der Nähe beim Schulhaus Hard. «Der Abwart hat sogar Tore aufgestellt.» Die Kinder, die hier wohnen, gehen immer dort Fussball spielen, so Berta C. Und wären die Jugendlichen einsichtig, so müsste auch kein Schild aufgestellt werden. Das Ganze sei ein «dummes Gschtürm».

Ähnlich tönt es von Mieterin Anna F., die gegen das Verbotsschild ist. «Lächerlich», findet sie den Streit. Sie wohne schon lange Zeit in dieser familiären Blocksiedlung: «Ich denke, es ist ein Generationenproblem.»

Spielende Kinder erwünscht

Aufgestellt wurde das Schild von der Verwaltung der Gebäude. «Diverse Mieter haben uns deswegen kontaktiert», erklärt die Leu Immobilien AG. Normalerweise würde sich die Verwaltung nicht ins soziale Leben der Mieter einmischen.

«Das ist eine Gemeinschaft, die ihre Probleme, wenn möglich selber lösen soll. Hier haben wir uns entschieden, die reklamierenden Mieter versuchsweise zu unterstützen.» Die Verwaltung habe im Grundsatz nichts gegen spielende Kinder.

«Uns wurde gemeldet, dass vor allem fremde Kinder dort spielen, und dass auch mit Lederbällen gespielt wird. Uns wurden Sachbeschädigungen gemeldet und teilweise wurden die Ruhezeiten nicht eingehalten. Das sind Mieteranliegen, die man respektieren muss.» Diese Situation bestehe schon einige Zeit, weshalb sich die Verwaltung entschieden hat, Hilfe anzubieten.

Mieterin Anna F. ist das «Gschtürm» leid. «Meine Kinder sind noch klein», ergänzt sie. Einige Meter weiter ragen zwei Kräne in die Höhe. Wohnblöcke entstehen in unmittelbarer Nachbarschaft. «Wir haben uns bereits angemeldet.»

* Die Namen sind frei erfunden.