Im Bernbiet ist die Bauern-Lobby - die Landwirtschaftliche Organisation Bern und angrenzende Gebiete (Lobag) - traditionell eine bedeutende Stimme. Und Walter Balmer ein auskunftsfreudiger Präsident. Auf Fragen zu der von ehemaligen Inforama-Schülern geforderten Absetzung von Urs Zaugg als Chef des kantonalen Landwirtschaftsamtes (Lanat) wurde es in der Lobag-Zentrale in Ostermundigen gestern jedoch auf einmal überraschend still. Erst recht bei Fragen zum Verhältnis der Lobag zum Lanat respektive zur Berner Kantonsregierung. «Die Lobag nimmt dazu keine Stellung. Bitte erkundigen Sie sich bei den Verfassern des Schreibens», teilte der Lobag-Sprecher Christian Streun einzig mit.

Anruf bei Martin Meier. Als Präsident des Ehemaligenvereins Schwand beantwortet der Landwirt aus Noflen bereitwillig Fragen zum geharnischten Offenen Brief vom Sonntag an Volkswirtschaftsdirektor Andreas Rickenbacher. «Ich kann mir gut vorstellen, dass sich die offizielle Lobag zu diesem Konflikt nicht öffentlich äussern will», sagt Meier mit einem verschmitzten Lächeln. «Der Druck muss nun eben von der Basis kommen. Und die sind wir.» Den sechs Ehemaligen-Vereinen Hauswirtschaft Brienz-Hondrich, Waldhofschülerinnen, Rütti-Seeland-Waldhof, Alpschüler Brienz-Hondrich, Schwand und Bäregg gehören laut Meier total 13 500 Absolventinnen und Absolventen an. «Das sind heute alles praktizierende Berner Landwirte.»

Noch hätten die Mitglieder nur aus der Presse Kenntnis vom Brief; in den nächsten «Inforama-Nachrichten» werde dieser aber für alle abgedruckt. «Klar ist ein Offener Brief ein drastisches Mittel», sagt Meier darauf angesprochen. Unter den sechs Ehemaligen-Präsidien habe man die Kommunikation jedoch an mehreren Sitzungen abgewogen: «Es blieb nur noch der Weg via die Öffentlichkeit.
«Mit Herrn Zaugg kann man zwar angenehme Diskussionen führen. Er geht bei seinen Entscheiden danach aber nicht darauf ein.» Das hätten auch Stimmen aus dem Inforama-Schulrat und Rückmeldungen anderer landwirtschaftlichen Organisationen bestätigt. «Es kann doch nicht sein, dass das Lanat die Bedürfnisse der Landwirtschaft in seinen Entscheiden nicht berücksichtigt», enerviert sich Meier. «Das Vertrauen ist gestört. Deshalb wurden wir aktiv.»

«Nicht nur politische Differenzen»

Nochmals auf die Lobag und deren angeblich ebenfalls gestörtes Vertrauensverhältnis zum Lanat respektive dem Kanton angesprochen sagt Martin Meier: «In bäuerlichen Kreisen ist diese Tatsache längst durchgesickert. Es geht nicht nur um politische Differenzen zur rot-grün dominierten Regierung. Sondern eben ganz klar auch um die Art und Weise, wie Urs Zaugg das Amt für Landwirtschaft neu leitet.»

Und daher, so Meier, gebe es nur eine Lösung. Jene nämlich, wie sie im Offenen Brief beschrieben steht: «Herr Rickenbacher muss als Volkswirtschaftsdirektor Führungsverantwortung übernehmen und die Lanat-Spitze neu besetzen.» Dass die landwirtschaftliche Bildung im Rahmen des kantonalen Sparprogramms mit 600 000 Franken unter die Räder kommen soll, könne ebenfalls nicht im Sinne Rickenbachers sein: «Die Zitrone ist ausgepresst. Das Inforama wurde längst schon restrukturiert.»