Am Montag waren 80 Personen aufgeboten worden, am Dienstag genau 51. Sie stiegen an der Marktgasse 27 die Wendeltreppe zum zweiten Stock hoch, füllten den Fragebogen aus, liessen sich die Werte messen und gingen in den hinteren Raum, dort wo Liegen bereitstehen für die Blutspender. «Momentan brauchen wir alle Blutgruppen», berichtet Zentrumsleiterin Magdalena Frenzen. In Bern sei das Lager zu tief bestückt. Von dort, dem Blutspendedienst SRK, erhält Frenzen die Zahlen, die sie liefern muss. «Danach müssen wir die Spender telefonisch aufbieten.»

Sehr zufrieden mit dem Langenthaler Zentrum ist die Zentrale in Bern. «Langenthal spielt für uns eine wichtige Rolle», sagt Anita Tschaggelar, Blutspendedienst SRK Bern, und unterstreicht dies mit Zahlen: Jährlich liefere Langenthal 8500 bis 9000 Blutspenden. Der Kanton Bern benötige jährlich 50000 Spenden.

Zu hohe Raumtemperatur

Neun Personen dirigiert Magdalena Frenzen im Blutspendezentrum SRK Langenthal. Die Deutsche hat im Moment den Kopf voll. Angesagt ist der Umzug einige Häuser weiter in den ersten Stock der Marktgasse 46a, oberhalb des Geschäftes Expert-Trösch. «Das Zentrum ist zu klein geworden, wir sind an die Kapazitätsgrenzen gestossen. Zudem stimmt die Qualität nicht in allen geforderten Belangen.» Ein Punkt, der dem Qualitätsmanagement missfiel, ist die Wendeltreppe hinauf in den zweiten Stock. «Es könnte sein, dass ein Blutspender bei Unwohlsein hinunter fällt. Das ist in den vergangenen zwanzig Jahren Gott sei Dank nicht passiert.» Nicht stimmig sei auch der Ablauf im Zentrum selber. Die Wege der Blutspender kreuzen sich oft. Im neuen Zentrum wird der Blutspender einen Rundweg absolvieren, von der Aufnahme bis zur Blutspende und dem Austritt, ohne dass er andere Kunden kreuzt. Ein Problem ist zusätzlich die Raumtemperatur, die schon mal über 30 Grad steigt. «Das ist schlecht für die Blutprodukte und unangenehm zum Arbeiten.»

Am 30. Mai ab 16 Uhr wird am neuen Ort der Betrieb aufgenommen. «Am Montagmorgen werden noch die Geräte und Instrumente validiert, bevor es dann richtig losgehen kann.» Das Geschäft mit dem Spenderblut ist heikel. Die Abläufe sind klar beschrieben und müssen eingehalten werden, denn Blut ist ein Frischprodukt, bestimmt für Menschen. Fehler könnten schlimme Folgen haben. Unter den Mitarbeiterinnen von Frenzen befinden sich auch zwei Telefonistinnen, die zusammen mit Telefonistinnen der Berner Zentrale die Stammkunden aufbieten. Je nachdem, was die Zentrale benötigt, werden die potenziellen Blutspender ausgewählt.

«Aktuell gibt es wegen der Schönwetterphase einen sehr hohen Bedarf»

3900 Männer und Frauen führt das Blutspendezentrum Langenthal in der Kartei. «Wir haben Mehrfachspender, die gerne alle drei Monate zu uns kommen.» Dabei würden die Spender aus der ganzen Region kommen. «Wir haben beispielsweise auch Kunden aus Oensingen oder Balsthal.» Nach genau 76 Tagen Pause darf den Spendern wieder Blut abgezapft werden. Und die Nachfrage nach Blut ist gross, während das Angebot seit Jahren immer kleiner wird. Ergänzt wird das Angebot im Blutspendezentrum durch mobile Equipen, die zweimal im Jahr die Dörfer aufsuchen.

An einem Tag wie dem vergangenen Montag sind die sechs Liegen im Blutspenderaum alle gleichzeitig besetzt. Das komme öfters vor, sagt die Zentrumsleiterin. Keine Rede von einem Rückgang der Spendenfreudigkeit. «Unsere Spenderinnen und Spender sind sehr treu», bestätigt auch Anita Tschaggelar. Ein Problem stellt sich aber mit den zunehmend schärferen Kriterien, wer spenden darf. «Dies führt zu einem Rückgang an Spenden.» Mittelfristig muss der Blutspendedienst zudem vermehrt junge Menschen zum Spenden animieren, weil der Kundenstamm ansonsten überaltere. Der Bedarf andererseits sei konstant. «Aktuell gibt es wegen der Schönwetterphase einen sehr hohen Bedarf, weil vermehrt Unfälle passieren.»

Öffnungszeiten: Mo, 8–11.30 Uhr und 16–20.30 Uhr; Di, 5.30–11.30 Uhr und (ab 31. Mai) 14–18 Uhr; Mi 16–20.30 Uhr; Do 16–20.30 Uhr.