Viele Leserinnen und Leser des az Langenthaler Tagblatts mussten sich in Geduld üben, denn das Steuertelefon war lange Zeit total überlastet. Die Treuhandexperten Roberto Di Nino (Partner Grevag AG, Langenthal) und Rolf Meyer (Vizedirektor Gfeller + Partner AG, Langenthal) gaben Gratisauskünfte zur Steuererklärung.

Hier eine Auswahl der interessantesten Fragen mit den entsprechenden Antworten:

Meine Frau und ich sind beide voll erwerbstätig. Unsere zwei Kinder gehen in die Krippe. Können wir die Kosten für die Krippe als Berufskosten abziehen?

Sie können die Kosten für die Krippe abziehen, allerdings nicht als Berufskosten, sondern als externe Betreuungskosten. In Ihrem Fall ist aufgrund der Erwerbstätigkeit beider Elternteile diese Voraussetzung erfüllt. Der Abzug ist begrenzt auf 3100 Franken je Kind für die Kantons- und Gemeindesteuer sowie auf 10000 Franken bei der Direkten Bundessteuer.

Ich besitze ein Haus in Adelboden, das ich als Ferienhaus vermiete. Muss ich jetzt den mir eröffneten Mietwert versteuern und zusätzlich die Einnahmen für meine Vermietungen?

Grundsätzlich müssen Sie in der Steuererklärung den Eigenmietwert für ein ganzes Jahr erfassen. Wenn Sie das Ferienhaus zum Beispiel für drei Monate an Dritte vermieten, können Sie den Eigenmietwert um diese drei Monate kürzen. Für diese drei Monate müssen Sie aber die Mieteinnahmen von Dritten versteuern.

Von den Bruttomieteinnahmen können Sie entweder die effektiven Kosten oder einen Pauschalabzug von 20 Prozent abziehen. Stand die Wohnung leer, weil Sie trotz ständigen nachweisbaren Bemühungen keinen Mieter für die Ferienwohnung gefunden haben, können Sie auch für diese Zeit den Eigenmietwert anteilmässig kürzen und die Miete von Dritten mit null einsetzen.

Wir haben 2011 ein neues Auto gekauft. Dabei haben wir von einem Euro-Bonus profitiert. Zudem hat uns der Garagist einen Betrag für den Eintausch unseres bisherigen Autos gutgeschrieben. Welchen Betrag müssen wir in der Steuererklärung deklarieren?

Das private Fahrzeug ist im Formular 4, Ziffer 4.1 mit dem jeweiligen Verkehrswert einzutragen. Der Verkehrswert berechnet sich so: Katalogpreis, abzüglich Euro-Bonus, zuzüglich Anrechnungspreis für den Eintauschwagen, abzüglich jährlicher Abschreiber. Der Steuerwert reduziert sich jährlich um einen Abschreiber von 35 Prozent.

Unsere 19-jährige Tochter studiert in Zürich. Sie ist ohne Einkommen. Für die Fahrten nach Zürich und retour hat sie ein SBB-Generalabonnement für 2400 Franken. Hinzu kommt die Verpflegung in Zürich, die Fachliteratur und vieles mehr. Weil unsere Tochter nichts verdient, übernehmen wir Eltern auch die Krankenkassenprämien. Was alles können wir abziehen?

Es steht Ihnen vorweg der Kinderabzug zu. Dieser beträgt 6500 Franken beim Kanton und 6400 Franken beim Bund. Bei volljährigen Kindern wird dieser gewährt, wenn das Kind in der beruflichen Erstausbildung steht und das Einkommen 24000 Franken nicht übersteigt. Zudem können Sie die Ausbildungskosten geltend machen - allerdings nur für die Kantonssteuer, und der Abzug ist bei 6200 Franken plafoniert. Von Amtes wegen wird Ihnen zudem für Ihre Tochter der Versicherungsabzug um 700 Franken erhöht.

Unser Sohn ist 16-jährig. Er ist in der Lehre und bezieht einen Lohn. Können wir nun wählen, wer diesen und seine Bankkonti versteuert - er oder wir? Wenn die Wahlmöglichkeit besteht: Was raten Sie uns, soll er den Lohn deklarieren oder sollen wir dies tun und die Ausbildungskosten abziehen?

Der Lehrlingslohn hat immer der Lohnempfänger, in diesem Fall der Sohn, zu versteuern. Hingegen müssen seine persönlichen Bankkonti bis zu seiner Volljährigkeit in der persönlichen Steuererklärung der Eltern erfasst werden.

Wir besitzen ein Mehrfamilienhaus. Letztes Jahr stand eine Wohnung lange leer. Die Heizkosten während des Leerstandes haben wir selber übernommen. Können wir diese Kosten abziehen?

Hier geht es um Heizkosten, also um Nebenkosten, die nicht durch die Mieter, sondern durch Sie als Eigentümer getragen werden. Ja, diese können Sie geltend machen. Es handelt sich um abzugsfähige Betriebs- und Verwaltungskosten. Allerdings: Wenn Sie die Unterhaltskosten nicht effektiv geltend machen, sondern den Pauschalabzug beanspruchen, sind diese selber getragenen Heizkosten darin enthalten. Das heisst, sie können nicht noch zusätzlich angerechnet werden.

Ich lebe seit Jahren von meiner Ehefrau getrennt. Unsere gemeinsame 20-jährige Tochter befindet sich in der Erstausbildung. Sie lebt bei der Mutter. Ich bezahle meiner Tochter weiterhin Kinderalimente. Fairerweise muss ich erwähnen, dass die getrennt lebende Ehefrau ebenfalls zum Unterhalt unserer Tochter beiträgt. Kann ich die Kinderalimente in meiner persönlichen Steuererklärung abziehen?

Die Kinderalimente sind bei volljährigen Kindern nicht mehr abziehbar. Hingegen können Sie den Kinderabzug geltend machen. Ihre getrennt lebende Ehefrau hat die Möglichkeit, die selber getragenen Unterhaltskosten für die Tochter - über den Unterstützungsabzug Formular 5, Ziffer 5.2 - geltend zu machen. Die Ausbildungskosten kann grundsätzlich jener Elternteil abziehen, der vom Kinderabzug profitiert.

Wir haben 2009 bei unserer Bank eine 10-jährige Festhypothek abgeschlossen. Durch eine Erbschaft kamen wir 2011 zu Geld, weshalb wir die Festhypothek gleich vollständig zurückzahlten. Die Bank hat uns Ausstiegskosten von über 10000 Franken aufgebrummt. Können wir diese Kosten in der Steuererklärung abziehen - wenn ja, wo?

Ja, diese Ausstiegskosten können Sie wie Schuldzinsen abziehen. Das heisst, sie müssen diese Kosten im Formular 4 geltend machen.

Ich habe die Steuern vorzeitig bezahlt. Deshalb erhalte ich einen Vergütungszins von einem Prozent. Muss ich diesen versteuern? Wenn ja, wo sollte ich diesen deklarieren?

In der Tat. Neuerdings wurde die Möglichkeit verzinslicher Vorauszahlungen eingeführt, was Sie offenbar beansprucht haben. Der Zins wird Ihnen von der Steuerverwaltung bescheinigt. Diesen müssen Sie versteuern. Zu deklarieren ist er im Wertschriftenverzeichnis, also im Formular 3.

Wir haben einen Sohn, der 2011 einen kleinen Job als Handlanger hatte mit entsprechend kleinem Einkommen. Er absolvierte 2011 die Rekrutenschule und machte die Matura. Er wollte Lehrer werden, doch jetzt sieht es eher so aus, als wolle er noch eine kaufmännische Lehre machen. Ist dies wegen der Erst- beziehungsweise Zweitausbildung für die Steuererklärung relevant?

Grundsätzlich können Sie in Ihrer persönlichen Steuererklärung die Ausbildungskosten für die Grundausbildung geltend machen. Die Matura allein sehen wir nicht als abgeschlossene Grundausbildung. Somit ist in Ihrem Fall die kaufmännische Lehre als Bestandteil der Grundausbildung zu werten. Die Ausbildungskosten, die von Ihnen getragen werden, können Sie in der persönlichen Steuererklärung - im Formular 2, Ziffer 2.1 - geltend machen.

Ich lebe mit meiner Freundin zusammen. 2011 haben wir zusammen ein grosses Haus gekauft. Damit sich meine Freundin um Haushalt und Garten kümmern kann, arbeitet sie nur noch 60 Prozent. Weil ich selber 100 Prozent arbeite, zahle ich ihr für die Haushaltführung einen vereinbarten Betrag. Gehe ich richtig in der Annahme, dass ich diesen Betrag steuerlich abziehen kann, so wie ich auch den Unterhalt für meine Exfrau abziehen kann?

Nein, Sie irren. Diese zwei Dinge haben miteinander nichts zu tun. Unterhaltsbeiträge an geschiedene Ehepartner sind aufgrund gesetzlicher Bestimmung abzugsfähig - und bei Ihrer Exfrau steuerpflichtig. Eine Entschädigung, die Sie innerhalb eines Konkubinatsverhältnisses für die Haushaltführung leisten, ist jedoch steuerlich unbeachtlich. Weder können Sie diesen Betrag abziehen, noch hat ihn Ihre Freundin zu versteuern.

Meine Grossmutter ist 2011 gestorben. Aus ihrem Nachlass konnte ich 80000 Franken erben. Welche Konsequenzen hat dies für meine Steuererklärung?

Deklarieren Sie das ererbte Geld in Ziffer 8.4. Dieser Geldzufluss wirkt sich bei Ihnen steuerlich im Vermögen aus. Dabei kann darauf verwiesen werden, dass Nachkommen von der Erbschaftssteuer befreit sind. Darunter fällt auch das Verhältnis zwischen Grosseltern und Grosskindern.

Ich besitze im Kanton Aargau im Miteigentum eine Liegenschaft. Wie und wo muss ich diese versteuern?

Dieses Miteigentum bewirkt, dass Sie im Kanton Aargau - als Nebensteuerdomizil - zusätzlich steuerpflichtig sind. Der Kanton Aargau kennt für das Ausfüllen von Miteigentum keine separate Steuererklärung. Ich empfehle Ihnen, das Formular für Miteigentum des Kantons Bern zu verwenden. Darauf sind alle Faktoren aufzuführen, die im Miteigentum gehalten werden. Ihren Anteil müssen Sie dann in Ihre persönliche Steuererklärung des Kantons Bern - im Formular 8, Ziffer 8.3 - einsetzen.

Dem Kanton Aargau können Sie eine Kopie der ausgefüllten Steuererklärung des Kantons Bern zustellen. Der Kanton Bern wird eine interkantonale Steuerteilung vornehmen. Somit ist sichergestellt, dass die gleichen Faktoren nicht doppelt besteuert werden.

Meine 1977 abgeschlossene Lebensversicherung ist 2011 ausbezahlt worden. Was muss ich jetzt in der Steuererklärung vermerken, und wo muss ich den erzielten Überschuss im Einkommen deklarieren?

Führen Sie diese Lebensversicherung wie in den vergangenen Jahren im Formular 4 auf, wobei sie einfach in der Spalte "Steuerwert" den Wert mit null einsetzen, weil die Versicherung per 31. Dezember 2011 aufgelöst war. Was den Überschuss anbelangt, habe ich eine gute Nachricht. Dieser ist einkommenssteuerfrei.

Ich habe - seit dem Tod unserer Mutter im letzten Herbst - zusammen mit meinen Schwestern das elterliche Haus als Erbengemeinschaft übernommen. Ich wohne im Kanton Bern, eine Schwester im Kanton Solothurn und eine im Kanton Aargau. Wir sind nun etwas ratlos, wie wir das Haus deklarieren müssen. Am besten gibt doch jede von uns einfach einen Drittel des Hauses in der jeweiligen Steuererklärung an.

Nein, Ihre Erbengemeinschaft erhält eine eigene Steuererklärung. Dort erfassen Sie sämtliches Einkommen und Vermögen, welches zur Erbengemeinschaft gehört. Ausser dem Haus gibt es vielleicht auch noch ein Bankkonto oder eine Hypothek. In dieser speziellen Steuererklärung werden die beteiligten Personen aufgeführt und zwar mit dem individuellen Anteil am gesamten Einkommen und Vermögen.

In Ihrem Fall ein Drittel. Diese Steuererklärung reichen Sie bei der Steuerverwaltung ein und lassen gleichzeitig eine Kopie Ihren beiden Schwestern zukommen. Alle drei müssen nur noch den Übertrag - also den eigenen Drittel - in der persönlichen Steuererklärung aufführen. Übrigens: Für Ihre beiden Schwestern wird der jeweilige Wohnsitzkanton eine so genannte interkantonale Steuerausscheidung vornehmen, weil die Liegenschaft der bernischen Steuerhoheit untersteht.

Ich habe im November 2011 geheiratet. Es ist mir klar, dass ich durch die Heirat mit meinem Mann gemeinsam besteuert werde. Wir haben auch nur eine Steuererklärung erhalten. Was passiert aber mit dem Einkommen, welches ich vorher erzielt habe? Muss ich dafür noch eine separate Steuererklärung anfordern?

Nein, massgebend sind die Verhältnisse am 31. Dezember 2011. Diese gelten für das gesamte Jahr 2011. Sie werden also für das ganze Jahr 2011 zusammen mit Ihrem Mann veranlagt und nicht erst ab dem Zeitpunkt der Eheschliessung. Deklarieren Sie somit das Einkommen und die Abzüge des ganzen Jahres 2011 in der gemeinsamen Steuererklärung.

Wir besitzen seit Jahrzehnten ein Ferienhaus. Dieses war dringend sanierungsbedürftig. Die notwendige Totalsanierung war gemäss Berechnung des Architekten teurer als ein Abriss und Neuaufbau. Wir haben somit die günstigere Variante gewählt: Abriss und identischer Neuaufbau. Was können wir nun als Liegenschaftsunterhalt abziehen? Ich bin der Meinung alles, denn das Haus wurde nur in den ursprünglichen Zustand versetzt.

Ich fürchte, dass Sie die Rechnung ohne den Wirt - in diesem Fall ohne den Fiskus - gemacht haben. Eine derart weitgehende Sanierung - wie von Ihnen geschildert - wird gemäss der bernischen Steuerpraxis als so genannter "wirtschaftlicher Neubau" betrachtet. Das heisst, steuerlich liegen Anlagekosten vor, was nicht abzugsfähig ist. Hätten Sie indessen beispielsweise die Fassaden nicht eingerissen, so wären die Sanierungsmassnahmen abzugsfähig gewesen.

Meine Eltern haben unseren Hauskauf im letzten Jahr mit einem Erbvorbezug von 100000 Franken unterstützt. Sie haben uns zugesichert, dass wir diesen Betrag nicht verzinsen müssen. Was müssen wir nun in der Steuererklärung deklarieren?

Sie müssen intern mit Ihren Eltern klären, um was es sich bei diesem finanziellen Beitrag für Ihren Hauskauf handelt. Ist es ein Erbvorbezug, so liegt eine Schenkung vor. Wenn Sie sich aber über den Zins unterhalten, so liegt eher ein zinsloses Darlehen vor. Liegt ein zinsloses Darlehen vor, so gehört der Betrag bei Ihnen ins Schuldenverzeichnis, und Ihre Eltern haben die Summe als Guthaben im Vermögen zu versteuern. Bei einer Schenkung entfällt dies auf beiden Seiten. Je nach der getroffenen Regelung hat dies Einfluss auf das steuerbare Vermögen bei Ihnen und bei Ihren Eltern.

Ich bin mit meinem Vater zusammen an einer Liegenschaft im Kanton Bern beteiligt. Wir sind als Eigentümer mit je 50 Prozent im Grundbuch eingetragen. Mein Vater bewohnt die Liegenschaft. Er hat 2011 die Unterhaltskosten für die Liegenschaft von 50000 Franken bezahlt. Kann er die gesamten Unterhaltskosten in seiner persönlichen Steuererklärung abziehen?

Die Unterhaltskosten an der Liegenschaft sind von allen Eigentümern anteilmässig - gemäss Eigentumsquote nach Grundbuch - zu tragen. Die Liegenschaftserträge und Unterhaltskosten sind in der dafür separat zugestellten Steuererklärung für Miteigentum einzutragen.

Ihren Anteil von 50 Prozent müssen Sie in Ihre persönliche Steuererklärung im Formular 8, Ziffer 8.3, eintragen. Somit profitieren Sie auch von den 50 Prozent Unterhaltskosten, obschon Sie diese Kosten nicht bezahlt haben. Diese 50 Prozent wertet die Steuerverwaltung grundsätzlich als Schenkung von Ihrem Vater an Sie. Weil die Schenkungssteuer gegenüber direkten Nachkommen aufgehoben wurde, hätte das für Sie keine zusätzlichen steuerlichen Konsequenzen.