Fasnacht

Abflug in eine feucht-fröhliche Nacht

Guggenspektakel: Wie Guggen und Fasnächtler in Langenthal an der Marktgasse den Winter verjagen.

Gäng wie gäng», möchte man an der Fasnacht zuweilen sagen, doch ganz gleich wie die Jahre zuvor war das Guggenspektakel in der Nacht auf Sonntag in den Gassen von Langenthal nicht. Lange war der Wuhrplatz nur Parkplatz oder Baustelle. Jetzt, an der Fasnacht 2012, steht der neu gestaltete Platz erstmals zum Fest bereit.

Das Motto «Mir flüüge!» wird immer wieder dezent sichtbar in dieser Nacht, die bis zu ihrem Höhepunkt feucht, fröhlich werden und friedlich bleiben sollte. Zwei Sturzpiloten mit brauner Lederjacke, Halstuch und Fliegermütze schlendern über den Wuhrplatz, beide eine Flasche Bier in der Hand - ob ihr Flug wohl gut kommt? Derweil wummern Russen der Roten Armee, frisch eingeflogen, dick eingepackt in Fellmütze und Mantel, einen wilden Rhythmus. Sie stehen auf einer Tribüne aus Gerüsten vor dem Chrämerhuus, beleuchtet von Scheinwerfern, bejubelt von den spärlichen Zuhörern. Noch scheint sich die Kunde nicht verbreitet zu haben, dass auch auf dem Wuhrplatz der Winter vertrieben werden soll. Einzig verwaiste Fläschchen mit Hochprozentigem zeugen von der einen oder anderen Eskapade Stunden zuvor.

Der Papst ist gewählt

Und er fliegt davon: Weisser Rauch entschwebt dem Chrämerhuus, belustigt die drei weiss gekleideten Eskimos, die mit übergrossen Nemo-Plüschfischen in Netzen unterwegs sind. Ihr Ziel: die Marktgasse. «Ave - ein neuer Papst ist gewählt», ruft der eine. Seine beiden Jagdbrüder kichern.
Gegen 20 Uhr verlagert sich das Geschehen zusehends Richtung Choufhüsi und Reformhaus Düby. Viel Volk aus fernen Ländern ist angeflogen, um zu sehen, wie 32 Guggenauftritte die Nacht zum Tag, den Winter zum Frühling machen. Erhabene Ölscheiche mit ihren Kamelen, Geishas in edlen Kimonos, Schotten mit Rock und Dudelsäcken. Ihnen gegenüber stehen lustige Sennen aus dem Oberland, wackere Wanderer mit Stock, Bart, Hut, und viele Polizisten. Nebst der diesjährigen Übermacht an Ordnungshütern wimmelt es von fast ebenso vielen Sträflingen. Die Jagd kann beginnen. Originell auch die beiden wandelnden, lebensgrossen Warnschilder vor der Brauipassage, «Treibjagd» und «Im Einsatz» steht drauf.

Gastguggen aus dem Wallis

Auf der Hauptbühne vor dem Choufhüsi spielen die Pflotschdäppeler gross auf, während sich breite Schränzer mit ihren Pauken einen Weg durch die Menge bahnen. Wohl nicht eingeflogen, aber zumindest eingefahren sind die drei Gast-Guggen, die Jadäa-Rämpler und Pananik aus dem Wallis und die Latärndlihöckler aus der Fasnachtshochburg Luzern. Die Auswärtigen werden frenetisch begrüsst, während sich die Luzerner Spott und Hohn nach dem Sieg ihres FCL über YB nicht verkneifen können. Neben ihnen schränzen bewährte Kräfte wie die Pouseblooser, Strosse-Füdeler, Chlepf-Schitter oder die Tönlifurzer. Sie alle zelebrieren Fasnacht im grossen Stil, während andere in der Alten Mühle Schnitzelbänke geniessen.

SCL noch in den Playoffs

Voll präsent in den Gassen der Stadt ist wieder der SC Langenthal, diesmal ohne Bar zwar, dafür noch in den Playoffs. Fans tragen ihre Trikots und Pullover zur Schau, in der Unteren Marktgasse wackelt ein Bube in blau-gelber Eishockey-Vollmontur über die Pflastersteine. Hohn und Spott war gestern, morgen beginnen die Halbfinals. Doch noch hält die Fasnacht Langenthal in fester Hand - und viele der Kostümierten lange in den Gassen, bis frühmorgens auch die Letzten wackeligen Ganges ihren Heimweg antreten.

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