Die metallenen Absperrvorrichtungen dienen nicht nur der Sicherheit und der Kanalisierung der Touristenmassen vor den unzähligen Sehenswürdigkeiten und Museen der französischen Kapitale. Sie sind auch so etwas wie das Markenzeichen der hier stattfindenden Sportveranstaltungen.

Vor dem Gelände von Roland Garros, wo derzeit die French Open über die Bühne gehen, stehen mehrere Reihen mit Metallgittern. Wer sie unerlaubt überquert, dem drohen ernsthafte Probleme mit den zahlreichen Sicherheitsleuten.

Taschenkontrollen – wie hier vor der Kathedrale Notre Dame in Paris – sind an der Tagesordnung.

Taschenkontrollen – wie hier vor der Kathedrale Notre Dame in Paris – sind an der Tagesordnung.

Am extremsten ist es allerdings auf dem Champ de Mars, zu Füssen des Eiffelturms. Dort wird derzeit eifrigst die Infrastruktur der riesigen Euro-2016-Fanmeile erstellt. Wenn in knapp zwei Wochen der Startschuss zum europäischen Fussball-Gipfeltreffen in Frankreich fällt, dann werden dort täglich bis zu 100 000 Fans die Spiele auf Grossleinwand verfolgen können.

Angesichts der aktuellen, angespannten Sicherheitslage nach den Terroranschlägen vom 13. November 2015 verwundert es niemanden, dass schon die Aufbauarbeiten von grössten Vorsichtsmassnahmen begleitet werden. Unzählige Wachtposten einer privaten Sicherheitsfirma achten darauf, dass sich keiner der Tausenden von Touristen, die sich rund um den Eiffelturm tummeln, an einen unerlaubten Ort verirrt.

Polizisten vor einer Pariser Polizweiwache. Der Ausnahmezustand in Frankreich nach den Anschlägen von Paris.

Polizisten vor einer Pariser Polizweiwache. Der Ausnahmezustand in Frankreich nach den Anschlägen von Paris.

Und wem das noch nicht als Abschreckung genügt, der weiss spätestens dann, was es geschlagen hat, wenn man einem der ständig patrouillierenden Vierertrupps Soldaten in Tarnanzügen und mit gut sichtbar präsentierten Maschinengewehren begegnet.

Kurioserweise ist der Champ de Mars das Gelände in ganz Paris, wo die Vorboten der Euro am offensichtlichsten sind – wenn auch aus traurigem Anlass. Ansonsten gestaltet sich die Suche nach Hinweisen auf diesen sportlichen Grossanlass in dieser riesigen Stadt als ziemlich schwierig.

Unter dem Eiffelturm erkennt man das Gerüst eines überdimensionalen Fussballs, der mit einem Seil an den mächtigen Metallstreben des Monuments fixiert wird. Andere Indizien zum Spiel mit dem runden Leder lassen sich hier nicht finden. Immerhin: Im Park neben dem Invalidendom spielt eine Gruppe Jugendlicher Fussball.

Auch das noch: Triathlon

In der Nähe des Pariser Wahrzeichens steht derzeit das kleine Village des Paris-Triathlons, der an diesem Wochenende über die Bühne geht. «Auch das noch!», ist man gewillt zu sagen. Der Paris-Triathlon ist eine Randsporterscheinung in dieser Stadt, in der sich in den nächsten Wochen die Tennis-, Fussball- und Radstars (die Tour de France kommt im Juli natürlich auch noch) quasi gegenseitig die Klinke in die Hand geben.

An der Place de la Concorde, einem der belebtesten Knotenpunkte der Stadt, prangt das überdimensionale Roland-Garros-Plakat eines bekannten Uhrenherstellers. Auf dem Bildschirm beim Riesenrad werden die lachenden Gesichter von Menschen aus aller Welt gezeigt. Schön. Aber die Euro? Fehlanzeige. Weiter geht’s an die Champs-Élysées. An der bekanntesten Flaniermeile der Metropole muss der Fussballanlass doch einfach wahrnehmbar sein – zumindest visuell.

Geschmückt wird die Prachtstrasse aber von Fahnen, die auf ein Jazz-Festival, welches in den ersten beiden Juni-Wochen stattfindet, hinweisen. Der Shop von Paris-Saint-Germain steht da, gänzlich ohne Euro-Touch. Ein Blick in die Nobelboutiquen, die die Einkaufsstrasse säumen, zeigt immerhin: In den einschlägig bekannten Sportartikel-Läden kann man die Trikots der Nationalteams kaufen – natürlich zu völlig überteuerten Preisen. Kurios auch: Shops, in denen die offiziellen, lizenzierten Produkte zur Euro 2016 gekauft werden können, sind eine Rarität. Vermutlich alles eine Frage des Preises …

Der Streifzug durch Paris endet mit der Erkenntnis, dass das Euro-Fieber noch lange nicht ausgebrochen ist. «Die Leute haben ganz einfach andere Probleme», sagt Robert, ein Taxifahrer. «Aber wenn das Turnier beginnt, wird auch die Stimmung da sein. Vor allem, wenn ‹Les Bleus› erfolgreich sind. Wie an der WM 1998.»

Um zu erkennen, dass man in Frankreich derzeit andere Probleme hat, genügt auch ein Blick auf die Werbeplakate auf den Linienbussen. Statt Fussball-Stars sind dort Soldaten zu erkennen, die für neue Mitstreiter werben: «Stolz, der Gerechtigkeit zu dienen», steht dort. Die Gitter sind nur das passende Mahnmal dazu.