Ski alpin

Zwei stellen alle ins Abseits: Anja Pärson und Ingemar Stenmark besuchen die WM

Anja Pärson und Ingemar Stenmark besuchen die WM in Åre.

Anja Pärson und Ingemar Stenmark besuchen die WM in Åre.

Schwedens Ski-Helden Anja Pärson und Ingemar Stenmark besuchen die WM und werden umzingelt. Er ist bis heute Rekordsieger, sie hat in allen fünf Disziplinen WM-Gold gewonnen – zwei Legenden.

Luc Alphand fühlte sich wohl ein bisschen wie bestellt und nicht abgeholt. Beim Klassentreffen der Ski-Legenden in Åre stand der französische Gesamtweltcupsieger von 1997 allein an seinem Tischchen. Bei Kjetil André Aamodt ein ähnliches Bild. Der Norweger hat in seiner Karriere zwar alles gewonnen. Doch hier und jetzt interessierte auch das nur wenige.

Die Auslöser für das Desinteresse konnten die Ski-Stars von ihren Tischchen aus gar nicht mehr sehen. Zu gross waren die Menschetrauben um Anja Pärson und natürlich um Ingemar Stenmark.

Er hat in seiner Karriere 86 Weltcuprennen gewonnen und ist damit bis heute Rekordsieger. Sie hat als einzige Frau in alle fünf Disziplinen WM-Gold gewonnen. Die Liste der Erfolge von Stenmark und Pärson ist lang. Zu lang, um sie hier aufzuzählen. In ihrer Heimat Schweden sind sie Helden.

Der Tag mit dem König

Pärson durfte sogar Schwedens König Carl Gustav herumführen. Zwar wuchs sie wie Stenmark in Tärnaby auf, einem Dorf mehr als sechs Autostunden entfernt, das so viele Skistars herausgebracht hat. Aber trotzdem ist sie mit dem WM-Ort Åre eng verbunden. Hier hatte sie an der WM 2007 fünf Medaillen gewonnen, davon dreimal Gold.

Pärson sitzt auf dem Sofa und erzählt. So viele wollen etwas von ihr wissen. Zum Beispiel über den Tag mit dem König. Er, sagt sie, habe sich genervt, dass die Zuschauer während der Kombiabfahrt gegangen seien, bevor alle Athleten im Ziel waren.

Stolze Eltern

Bei Pärson und Stenmark geht niemand, bevor sie fertig sind. Stenmark, der während seiner Karriere kaum öffentlich gesprochen hat und damit zum «Schweiger aus Tärnaby» wurde, fühlt sich im Mittelpunkt auch heute noch nicht wohl. Und trotzdem nimmt er sich Zeit und spricht mit jedem, der eine Frage hat.

Zum Beispiel über seinen Rekord. Er freue sich, wenn noch immer über ihn gesprochen werde, sagt er. «Sogar in den USA haben sie über mich berichtet.» Weil Lindsey Vonn mit ihrer Mission scheiterte, seine Bestmarke zu knacken. Doch es sei eine Frage der Zeit, bis die Marke fällt, sagt er. «Mikaela Shiffrin traue ich zu, über 100 Rennen zu gewinnen.» Und auch Marcel Hirscher sei einer, um seine 86 Erfolge zu überflügeln. «Aber ganz ehrlich: Er ist mir egal, weil man das alles nicht vergleichen kann.»

Kein Trubel

62 Jahre alt ist Stenmark. An Skirennen ist er nur selten. Natürlich verfolge er den Sport weiterhin, aber den Trubel um seine Person wolle er nicht. Viel lieber kümmere er sich daheim um seine Familie. Mit Ehefrau Tarja hat er eine elfjährige Tochter. «Ich geniesse das Leben als Vater», sagt Stenmark, der auch eine 35-jährige Tochter hat.

Auch Pärson hat Kinder. Kurz nach ihrem Karrierenende 2012 bekannte sie sich zu ihrer Homosexualität. Zwei Jahre später heiratete sie ihre langjährige Partnerin. Gemeinsam sorgen sie für drei Kinder, vom dreijährigen Maximilian ist Pärson die leibliche Mutter.

Niederlagen auf der Piste

Während Pärson die Zuhörer in ihren Bann zieht, ist Stenmark auch 30 Jahre nach seinem Rücktritt nur schwer zu fassen. Meist sind seine Antworten kurz. Ob ihm die Rennen nicht fehlen würden, wird er gefragt. «Nein», sagt er. Ob er immer so ruhig sei. «Ja und nein. Es kommt darauf an.» Für die Interviewer der TV-Stationen ist es schwierig, ihm etwas zu entlocken. Etwas einfacher wird es, wenn die Lichter der Kameras erloschen sind. Dann erklärt er, dass der Rücken schmerze und er darum nicht mehr sehr oft Ski fahre. «Viel lieber verbringe ich Zeit auf der Langlaufloipe.»

Am Abend aber fährt Stenmark er noch mal Ski: am Legendenrennen anlässlich der WM. Ähnlich wie im Teamwettkampf der Aktiven, den die Schweizerinnen und Schweizer zuvor gewonnen haben, findet einen Parallelwettbewerb statt. Anja Präson duelliert sich mit ihrer Landsfrau Pernilla Wiberg und verliert klar. Ingemar Stenmark hat gegen Kjetil André Aamodt keine Chance.

Früher waren sie es nicht gewohnt, zu verlieren. Heute nehmen es Pärson und Stenmark locker und mit einem Lächeln hin. Ihr Leben hat sich verändert. Zwei Helden des Skisports werden sie aber für immer bleiben.

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