Lena Häcki und Irene Cadurisch lehnen sich vorsichtig auf das Balkongeländer. Ihr Blick schweift vom Zimmer im 9. Stock genauso nach unten wie nach oben. Von Bergen ist hier nichts zu sehen. Hochhaus reiht sich an Hochhaus. «Als Dorfchindli staunt man schon über die riesigen Häuser», sagt die Engelbergerin Häcki lachend.

Wohnen mit viel Aussicht: Die Biathletinnen im 9. Stock.

Wohnen mit viel Aussicht: Die Biathletinnen im 9. Stock.

Die Biathletinnen Häcki und Cadurisch bewohnen eines der Zimmer im von Schweizern, Argentiniern und Isländern bewohnten Hochhaus. Kleine Schweizer Kreuze zieren alle Fenster. Die Deutschen und Italiener nebenan haben mit grösserer Kelle angerichtet, fast ihre gesamte Hausfassade ziert eine schwarz-rot-goldene respektive grün-weiss-rote Fahne.

Kein Luxus, aber sauber und zweckmässig

Innen sehen alle Zimmer gleich aus: zwei Betten, zwei Nachttischchen, ein Schrank, ein Kleiderständer, ein kleiner Fouton. Die Unterkünfte im Athletendorf sind nicht luxuriös, aber sauber und zweckmässig. Ein eigenes Badezimmer gibt es nicht, dafür eine Küche, in der Socken und Stirnbänder trocknen. Die koreanische Frau eines Teambetreuers hat zudem frische Erdbeeren mitgebracht.

Hat ein Einzelzimmer: Selina Gasparin (links) mit Schwester Aita.

Hat ein Einzelzimmer: Selina Gasparin (links) mit Schwester Aita.

Einzelzimmer gibt es nur für einige verdiente Sportler wie Selina Gasparin, die Silbermedaillengewinnerin von Sotschi. Für Häcki und Cadurisch ist das Zusammenleben auf engem Raum sowieso kein Problem. Sie sind sich das aus dem Weltcup gewohnt. «Und wir ticken ähnlich», stellen sie fest.

Im Erdgeschoss hat Swiss Olympic sein Büro eingerichtet, nebenan gibt es eine Lounge, in der sich die Skispringer Simon Ammann und Gregor Deschwanden nach dem Mittagessen kurz hingefläzt haben. Viel Zeit bleibt nicht, bald müssen sie im Probedurchgang und der Qualifikation ans Werk. An der Wand hängt ein Freundschaftsbrett, darauf eingetragen hat sich noch niemand. Die Sportler sind zu beschäftigt.

Beeindruckt von der Esshalle

Langweilig wird es auch Häcki und Cadurisch nicht. Die selbst ernannten Landeier haben vom kommenden Samstag bis zum Ende der Spiele potenziell sechs Wettkämpfe zu absolvieren. Niemand ist länger im olympischen Dorf als sie. Beeindruckt sind sie von der enorm grossen Esshalle. «Hier hat es alles», schwärmen sie. «Asiatisch, Koreanisch, Italienisch und vieles mehr. Am Ende hat man von der ganzen Welt etwas im Teller.»

Cadurisch, die bereits vor vier Jahren bei Olympia dabei war, schätzt nicht zuletzt den Kontakten mit anderen Sportlern. «In Sotschi waren die Langläufer und Biathleten separat untergebracht.» Zum Beispiel haben sie schon mit den deutschen Bobfahrern geplaudert. «Sie sind sicher, dass sie eine Medaille holen», erzählt Häcki.

Entspannt in der Lounge: Der vierfache Olympiasieger Simon Ammann.

Entspannt in der Lounge: Der vierfache Olympiasieger Simon Ammann.

Treppen laufen hält fit

Trotz des Smalltalks stellt die Engelbergerin fest: «Die Stimmung ist sehr gut, aber es sind alle sehr fokussiert. Das hat mich am meisten überrascht.» Klage gibt es nur eine: «In einem solchen Haus kann es lange dauern, bis der Lift kommt.» Die Lösung: Treppen laufen.

⚪⚪⚪⚪⚪ #biathlon 🇨🇭 #olympics #pyeongchang2018 #korea #swiss

Ein Beitrag geteilt von Irene Cadurisch (@irenecadurisch) am

Cadurisch beim Training im kalten Südkorea.

Aktuell sind rund 125 Schweizer Athleten und Betreuer im olympischen Dorf untergebracht, maximal werden es etwa 135 sein. Daneben gibt es ein zweites olympisches Dorf beim Eissportzentrum in Gangneung. Weitere Schweizer logieren in selbst organisierten Unterkünften im Snowboard- und Freestyle-Austragungsort Bokwang sowie in Hotels an den alpinen Skipisten.

«Ich sass immer vor dem Fernseher»

«Ich sass immer vor dem Fernseher»

Lena Häcki über ihre ersten Olympia-Erinnerungen und ihre Ambitionen für Südkorea.

PyoengChang 2018: Die Athleten bereiten sich auf Südkorea vor

PyoengChang 2018: Die Athleten bereiten sich auf Südkorea vor

Nottwill - 4.5.17 - Swiss Olympic und Swiss Paralympic wollen die Schweizer Athleten auf die Olympischen Spiele im südkoreanischen PyeongChang vorbereiten. Neun Monate vor den Winterspielen erfahren sie mehr über die Kultur, Kulinarik und die Organisation in Südkorea. Interviews mit Michelle Gisin, Beat Hefti, Lena Häcki und dem Chef de mission Ralph Stöckli.