Zwei Fragen stellte man sich vor dem Staffelrennen der Männer im Schweizer Lager. Erstens: Ist das Quartett von Swiss-Ski fähig, eine Medaille zu gewinnen? Zweitens: Ist die WM-Form von Dario Cologna gut genug für Gold im Rennen über 50 km vom Sonntag?

Antworten erhielt man in Lahti höchstens anderthalb. Jason Rüesch, Jonas Baumann, Dario Cologna und Curdin Perl schnupperten in der Tat bis zum letzten Meter an Edelmetall. Eine Skispitze fehlte Curdin Perl zu Bronze. Gold und Silber lagen bereits nach der ersten Ablösung ausser Reichweite.

Der vierte Rang basierte auf einer starken Teamleistung ohne Durchhänger, aber auch ohne Exploit. Am ehesten Sonderapplaus verdiente sich Startläufer und WM-Neuling Rüesch, der das Tempo der Spitze beherzt mitging und hinter den davoneilenden Norwegern und Russen mit einer halben Minute Rückstand in der ersten Verfolgergruppe übergab. Auftrag perfekt erfüllt.

Unrealistische Schweizer Medaille

Nicht hundertprozentig zufrieden sein durfte der stärkste Schweizer Klassisch-Läufer Jonas Baumann. Zwar war vorauszusehen, dass er mit den Weltbesten nicht wird mithalten können, auf den letzten zwei Kilometern verlor der Bündner aber auch für seinen Geschmack etwas gar viel Zeit. In der Endabrechnung spielte dieser Rückstand im Kampf um Bronze aber keine Rolle.

Curdin Perl war der Schweizer Schlussläufer.

Curdin Perl war der Schweizer Schlussläufer.

So knapp der zeitliche Abstand von Perl im Ziel auch war, so unrealistisch blieb die Schweizer Medaille trotzdem. Auf Perls Schlussstrecke kam vom ersten Meter an nur noch eine Vierergruppe für Bronze infrage. Neben Perl der Schwede Halfvarsson, der Finne Heikkinen und der Deutsche Bögl. Als Lokalmatador Heikkinen am zweitletzten Aufstieg attackierte, vermochte nur Halfvarsson zu folgen. Perl verlor sofort einige Meter.

Offensichtlich hielt sich die Angst des schwedisch-finnischen Duos vor Perls Spurtfähigkeiten in Grenzen, denn nun begannen die beiden Enteilten mit taktischen Mätzchen. Der Schweizer kämpfte sich nochmals heran, nahm aber bei der Einfahrt ins Stadion die ungünstige dritte Position ein. «Vielleicht wiederholt sich ja das Szenario des Teamsprints und die zwei vor mir schiessen sich gegenseitig ab», dachte Perl. Matti Heikkinen tat ihm den Gefallen und stürzte in der Kurve selbst verschuldet. Doch an Halfvarsson gab es für Perl kein Vorbeikommen.

Cologna noch nicht mit optimaler Leistung

Keine schlüssige Antwort gab es gestern zur zweiten Frage. Zwar erledigte Dario Cologna bei seinem ersten WM-Einsatz die Pflicht, lief das von Baumann hinterlassene Loch von gut einer halben Minute zu Rang 3 zu. Doch der dreifache Olympiasieger wirkte nicht unwiderstehlich, verlor auf der dritten Ablösung seinerseits 30 Sekunden auf den Schweden Hellner und den Norweger Sundby.

Dario Cologna war mit seiner Liestung nicht vollständig zufrieden.

Dario Cologna war mit seiner Liestung nicht vollständig zufrieden.


«Es war gut, aber nicht super. Ich musste unterwegs beissen», sagte Cologna im Ziel und stapelte für den Sonntag ungewohnt tief: «Ich bin sicher nicht der grosse Favorit.» Vor drei Tagen war sein Optimismus noch deutlich grösser. Allerding verlief die Saison der Schweizer WM-Hoffnung bisher derart unstet, dass auch der gestrige Eindruck höchstens als halbe Antwort taugt.