1. Christoph Spycher, Young Boys

Er war das fehlende Puzzleteil, das YB jahrelang gefehlt hat, um Basel vom Thron zu stürzen. Im Herbst 2016 übernahm Christoph Spycher, bald 41, als Sportchef der Young Boys, bestimmte routinierte Teamstützen, mistete gesättigte Gutverdiener aus und holte junge, hungrige Spieler (u.a. Mbabu und Sow). Unter ihm holte YB den ersten Meistertitel nach 32-jähriger Durststrecke. Ab Mitte April kriegt er mit dem ehemaligen Winterthur-Captain Patrik Schuler (29) einen Assistenten.

Christoph Spycher machte Bern fit genug um endlich den FC Basel zu stürzen.

Christoph Spycher machte Bern fit genug um endlich den FC Basel zu stürzen.

2. Andreas Gerber, FC Thun

Im Jahr 2010 stieg der FC Thun auf und seither werden die Berner Oberländer praktisch jede Saison als Abstiegskandidat Nummer 1 gehandelt. Die schlechteste Rangierung war ein 7. Platz (Saison 2017/18). Thun hat in dieser Zeit nicht nur immer wieder die besten Spieler verloren, auch der Präsident hat gewechselt, sechs Trainer kamen und gingen vor Marc Schneider. Einzige Konstante: Sportchef Andres Gerber, 45, der immer wieder valablen Ersatz fand.

Andres Gerber ist die einzige Konstante beim FC Thun.

Andres Gerber ist die einzige Konstante beim FC Thun.

3. Giovanni Manna, FC Lugano

Der Italiener Giovanni Manna, 30, nördlich des Gotthards ein eher wenig bekannter Mann, hat sich im Tessin einen guten Namen als Sportdirektor gemacht. Zuerst in der Challenge League beim FC Chiasso, bevor er 2017 beim FC Lugano diesen Job übernahm. Er ist ein harter Arbeiter, überlässt das Rampenlicht aber gerne Präsident Angelo Renzetti. Doch er ist alles andere als dessen «Gango» und besitzt ausreichend Kompetenzen.

Sportchef Giovanni Manna (l.) und Trainer Fabio Celestini (r.) nach dem Training des FC Lugano.

Sportchef Giovanni Manna (l.) und Trainer Fabio Celestini (r.) nach dem Training des FC Lugano.

4. Michel Decastel/Christian Binggeli, Neuchâtel Xamax

Bis zu seiner Absetzung im Februar war Michel Decastel, 63, in einer Doppelfunktion Trainer und Sportchef. Seither ist Präsident Christian Binggeli, 66, ad interim Sportchef. Xamax versucht auch nach dem Aufstieg in die Super League, das «Neuenburger Element» im Team hochzuhalten. Spieler wie Nuzzolo, Walthert, Doudin, Veloso, Di Nardo u.a. kommen aus der Region; Trainer Stéphane Henchoz hat einst für Xamax gespielt. Das sorgt für Identifikation.

Christian Binggeli hat aktuell bei Xamax die Doppelfunktion als Präsident und Sportchef.

Christian Binggeli hat aktuell bei Xamax die Doppelfunktion als Präsident und Sportchef.

5. Remo Meyer, FC Luzern

Seit bald zwei Jahren ist Remo Meyer, 38, beim FC Luzern Sportchef. Er war jahrelang Profi, spielte unter anderem für 1860 München und Salzburg. Mit der Beförderung von Nachwuchstrainer Gerardo Seoane zum Super-LeagueTrainer landete er einen Coup, mit dem hoch dotierten René Weiler passte es nicht, und mit Thomas Häberli scheint er jetzt wieder in Schwarze getroffen zu haben. Mit Eleke aus Nigeria hat er einen interessanten Stürmer geholt.

Remo Meyer verbuchte einen Fehlgriff, aber jetzt läuft es gut bei ihm und dem FC Luzern.

Remo Meyer verbuchte einen Fehlgriff, aber jetzt läuft es gut bei ihm und dem FC Luzern.

6. Alain Sutter, FC St. Gallen

Vom gemütlichen Kommentatoren-Sessel direkt ins Haifischbecken: Seit der Winterpause vor einem Jahr ist Alain Sutter, 51, Sportchef beim FC St. Gallen. Etwas mehr als drei Monate war er im Amt, als er Trainer Giorgio Contini feuerte. Interimistisch hätte Boro Kuzmanovic die Ostschweizer fast ins Verderben geführt, dann verpflichtete man Peter Zeidler. Zweimal wechselte er praktisch die halbe Mannschaft aus. Eine Handschrift, eine Strategie ist noch kaum zu erkennen.

Vom Profi zum Kommentator und nun Sportchef beim FC St. Gallen: Alain Sutter.

Vom Profi zum Kommentator und nun Sportchef beim FC St. Gallen: Alain Sutter.

7. Marco Streller, FC Basel

Es gibt nicht viele, die dieses Erbe überhaupt angetreten hätten. Marco Streller, 37, scheute die Herausforderung nach acht Meistertiteln in der Ära Heusler/Heitz nicht. Doch er scheiterte. Hochkant. Vergangene Saison waren die Wechsel im Winter zwar lukrativ (rund 30 Mio. für Akanji und Steffen), aber zugleich zu einschneidend. Der Poker ging nicht auf, die FCB-Meisterserie riss. Erneuter Ausverkauf im Sommer, wieder viel Geld, aber die Titelrückeroberung ist illusorisch.

Marco Streller muss wohl den verpatzten Ausbau der Meisterserie mit verantworten.

Marco Streller muss wohl den verpatzten Ausbau der Meisterserie mit verantworten.

8. Thomas Bickel, FC Zürich

Thomas Bickel, 55, wurde beim FCZ nach dem Abstieg 2016 installiert. Vor einem Jahr fällte er mit der Ersetzung von Trainer Uli Forte durch Ludovic Magnin einen umstrittenen Entscheid. Im vergangenen Herbst stand der FCZ nach den Abgängen von Dwamena und Frey plötzlich nur mit einem Stürmer da. Eine smarte Kaderplanung ist das nicht. Von aussen betrachtet wird man den Eindruck nicht los, der wahre Sportchef sei Präsident Ancillo Canepa.

Thomas Bickel (l.) und Ancillo Canepa (r.), aber wer ist der wahre Sportchef beim FC Zürich?

Thomas Bickel (l.) und Ancillo Canepa (r.), aber wer ist der wahre Sportchef beim FC Zürich?

9. Bartélémy und Christian Constantin, FC Sion

Der Sportchef von Sion heisst Barthélémy Constantin, 24. Offiziell. Die Entscheidungen aber, das ist ein offenes Geheimnis, trifft Vater Christian, 62. Sein Trainerverschleiss ist legendär. In der 21-jährigen Regentschaft von CC (1992 bis 1997 und seit 2003) ist Murat Yakin Nummer 49. Kontinuität gab es selten, Erfolge vor allem im Cup. Natürlich, er hat immer mal wieder eine Perle gefunden (zuletzt Cunha), aber ein langfristiger Plan ist nicht zu erkennen. Unterhaltend ist es allemal.

Vater Christian (l.) und Sohn Barthélémy (r.) Constantin verschleissen einen Trainer nach dem anderen.

Vater Christian (l.) und Sohn Barthélémy (r.) Constantin verschleissen einen Trainer nach dem anderen.

10. Mathias Walther/offen, Grasshoppers

Mathias Walther, 46, zum dritten Mal bei GC, ist zu Recht einiges um die Ohren geflogen, bevor er vor knapp zwei Wochen zusammen mit Trainer Thorsten Fink entlassen wurde. Einerseits hatte Walther die Wahl des erfolglosen Deutschen zu verantworten, andererseits in der Kaderplanung keinerlei Strategie erkennen lassen. Auf dem Campus herrschte ein Kommen und Gehen, sodass eine kontinuierliche Entwicklung der Mannschaft unmöglich war.

Mathias Walther wurde vor zwei Wochen bei den Grasshoppers zusammen mit dem Trainer entlassen.

Mathias Walther wurde vor zwei Wochen bei den Grasshoppers zusammen mit dem Trainer entlassen.