Eine der besten Eishockey-Organisationen der Schweiz sucht einen neuen Sportchef. Einer der besten Sportchefs der Schweiz hat zwar einen Job, darf aber nicht in dem Bereich arbeiten, in welchem er seine Kernkompetenz hat.

Die ZSC Lions mussten einen Nachfolger für den zurückgetretenen Edgar Salis finden. Sven Leuenberger arbeitete beim SC Bern im Strategiebereich. Er hatte einen schönen Bürojob, konnte aber nicht das tun, was er am besten kann: Mannschaften zusammenstellen, mit Spielern verhandeln, Transfers einfädeln.

Jetzt ist also zusammengekommen, was aufgrund der Ausgangslage zusammengehört. Sven Leuenberger wird in ein paar Wochen sein Büro im Hauptsitz der ZSC Lions in Zürich Oerlikon beziehen. Bei den Zürcher Löwen findet er genau die Bedingungen vor, die ihm auf der Suche nach einer neuen Tätigkeit als Sportchef vorschwebten.

Die Nachwuchsbewegung sucht punkto Quantität und Qualität hierzulande ihresgleichen. Es gehört bei den ZSC Lions zum Credo, dass laufend eigene Nachwuchskräfte ins NLA-Teameingebaut werden. Mit den GCK Lions leisten sie sich seit Jahren den teuren Luxus eines Farmteams in der NLB. Nichtsdestotrotz ist die Transferkasse immer gut gefüllt. Wenn Sven Leuenberger einen auf dem Markt erhältlichen Top-Spieler unbedingt will, dann werden ihm finanziell die Hände kaum gebunden sein.

Ein Jobangebot, welches er nicht ablehnen konnte

Die Voraussetzungen sind für den neuen Sportchef der ZSC Lions also ideal. Dass er ein solches Jobangebot nicht ablehnen konnte, liegt auf der Hand. Und auch für die ZSC Lions gab es im Prinzip nur diese Lösung. Sven Leuenberger hat beim SC Bern während Jahren sehr gute Arbeit geleistet, sich ein starkes Beziehungsnetz aufgebaut und geniesst sowohl bei Spielern wie auch deren Agenten, die ja oft viel Macht auf sich vereinen, einen hervorragenden Ruf.

Kommt dazu, dass sich Sven Leuenberger gewohnt ist, in einem fordernden und mitunter unruhigen Umfeld zu arbeiten. Sowohl beim SC Bern als auch bei den ZSC Lions ist die Erwartungshaltung grundsätzlich hoch und der Erfolgsdruck allgegenwärtig. Alles andere als der Gewinn des Meistertitels ist in der Regel nicht genug. Eine weitere Parallele zum SCB: Dort hatte er mit Marc Lüthi einen ähnlich starken und mächtigen CEO im Rücken, wie in Zürich Peter Zahner einer ist.

Natürlich wird man in Zürich vorerst einmal mit Argusaugen den Mann beobachten, der während 26 Jahren als Spieler, (Nachwuchs-)Trainer und Sportchef beim grossen Konkurrenten SC Bern engagiert war. Sven Leuenberger war jahrelang ein integraler Bestandteil der SCB-Familie.

Als Spieler wurde er viermal Meister, als Sportchef zeichnete er sich für drei Meisterteams verantwortlich (eigentlich geht auch der Titelgewinn 2017 auf seine Kappe, da er den Grossteil der Mannschaft zusammengestellt hat). Der Ostschweizer, der mit seiner Familie in Zollikofen wohnt und plant, in Zürich eine Wohnung zu nehmen, ist trotz seines unüberhörbar gebliebenen Ostschweizer Dialekts ein Berner geworden.

Die Unzufriedenheit in Zürich Oerlikon ist gross

Langweilig wird es Sven Leuenberger bei seiner neuen Aufgabe sicher nicht werden. Nachdem die Lions zweimal in Folge schon im Viertelfinal gescheitert sind (2016 gegen den SC Bern mit Svens Bruder Lars Leuenberger als Trainer), ist die Unzufriedenheit in Zürich Oerlikon gross. Es werden Taten erwartet. Primär an der Transferfront.

Hier sind Leuenberger die Hände allerdings weitgehend gebunden. Er hat nur noch Spielraum punkto Ausländer. Drei neue Söldner muss er verpflichten. An ihren Leistungen wird sich der neue Lions-Sportchef zum ersten Mal messen lassen müssen.