Spengler Cup

Zum Abschluss des Spengler Cups: Wenn alle eine Party feiern – ausser der Gastgeber

Der HCD schaffte es zu ersten Mal in dieser Dekade nicht in den Halbfinal am Spengler Cup.

Der HCD schaffte es zu ersten Mal in dieser Dekade nicht in den Halbfinal am Spengler Cup.

Der HCD hat sich am Spengler Cup verzockt und erntet dafür ordentlich Kritik. Nicht zuletzt, weil Christian Wohlwend nach dem Ausscheiden die eigenen Fans als «zu verwöhnt» bezeichnete. Als dann auch noch HCD-Präsident Gaudenz Domenig die sportliche Führung rügt, ist das HCD-Drama perfekt. Ein Kommentar.

Christian Wohlwend wäre in diesen Tagen wohl lieber in Tschechien. Mit der Schweizer U20 hatte er nämlich in der Vergangenheit zwischen Weihnachten und Neujahr mit Sicherheit mehr Grund zum Feiern als momentan mit dem HC Davos. 

Beim Spengler hat er sich nämlich mit seiner Schon-Taktik zünftig verpokert, seine Mannschaft verpasste nach drei glanzlosen Auftritten zum ersten Mal in dieser Dekade den Halbfinal. Die Enttäuschung bei den Fans ist riesig, schliesslich standen die Vorzeichen auf eine erfolgreiche Kampagne sehr gut. «Volvo» hat Davos in der Meisterschaft zurück auf die Erfolgsspur gebracht.

Wohlwend hat den HCD in der Meisterschaft zurück auf die Erfolgsspur geführt.

Wohlwend hat den HCD in der Meisterschaft zurück auf die Erfolgsspur geführt.

Bekannt für ehrliche Interviews

Wie reagiert man also nach einem solch misslungenen Turnier? Mit dem ehemaligen Nationalmannschafts-Direktor und aktuellen HCD-Sportchef Raeto Raffainer hätte Wohlwend genau den richtigen Mann an seiner Seite gehabt, um in dieser Situation die richtigen Worte zu kommunizieren. 

Doch Wohlwend wäre nicht Wohlwend, wenn er im Interview nicht offen und ehrlich seine Meinung kundtut. So hat er es schliesslich all die Jahre bei der U20-Nationalmannschaft auch schon gemacht. Für seine Interviews beim Sender «TSN» ist er in zwischen auch in Nordamerika bekannt geworden. 

«I hope we are eager and horny enough to win bronze» – Wohlwend hat beim «TSN» für viele legendäre Interviews gesorgt.

Aber der HC Davos ist keine Junioren-Nationalmannschaft und der Spengler Cup ist auch keine U20 WM. Während Wohlwend bei der U20-WM (nach dem Ausscheiden gegen Kanada) mit Aussagen wie «Wir haben keine besseren Spieler, der 98-er Jahrgang ist ein sehr schlechter für uns» für seine Ehrlichkeit gefeiert wurde, sind Worte wie «Unsere Fans sind ein bisschen zu sehr verwöhnt» nach dem Ausscheiden am Spengler Cup zwar ebenfalls ehrlich, aber auch komplett deplatziert. 

Genauso wie «Volvos» Vergleich mit Ambri: «Die kriegen oft aufs Dach und sind nur knapp über dem Strich und werden trotzdem bedingungslos unterstützt».

«Volvo» kritisiert beim SRF die eigenen Fans.

Denn Ambri hat sportlich nicht die gleiche Vergangenheit und damit auch nicht die gleichen sportlichen Ansprüche bei den Fans. Ambri bekommt auch nicht jährlich siebenstelligen Beträge vom Mäzen Peter Buser und hat auch kein eigenes Turnier, das vom «SRF» übertragen wird. Beim Tessiner Traditionsverein gibt man sich mit dem zufrieden, was man kriegt. In Davos hingegen träumt man von den alten und erfolgreichen Tagen. 

Präsident fällt Trainer in den Rücken

Von diesen träumt auch HCD-Präsident Gaudenz Domenig, der nach dem kuriosen «Volvo»-Interview seinem Trainer gnadenlos in den Rücken fällt: «Wir haben noch nie in einer solchen Radikalität Spieler geschont. Man muss versuchen, den Freitag zu verdienen. Das wurde hier von Anfang an nicht versucht und war ein Fehler.» 

Die Crew habe zum ersten Mal einen Spengler Cup gecoacht. Fehler können da passieren, wenn man allerdings nichts daraus lernen würde, wäre die dumm, erklärt Domenig gegenüber dem «SRF».

Domenig rügt die sportliche Führung beim HCD.

Ob sich der Präsident wirklich so genau bewusst ist, dass er mit Worten wie «Wenn man das HCD-Leibchen trägt, gibt man alles für den Sieg, das muss vielleicht noch etwas stärker in der DNA der Crew einfliessen», die bisherige Leistung des Coaching Staffs komplett durch den Dreck zieht, bleibt sein Geheimnis. 

Einfache Zauberformel

Was allerdings kein Geheimnis ist: Der Bündner Rekordmeister ist vom Spengler Cup abhängig. Zuschauer am Spengler Cup wollen geile Stimmung, packendes Eishockey und vor allem gute Unterhaltung. Zudem boykottieren eingefleischte (und kritische) HCD-Fans den Cup schon lange. Ergo ist die Zauberformel für ein erfolgreiches Turnier einfach: Wer eine gute Show liefert, sorgt für zufriedene Gäste. Und zufriedene Gäste sorgen wiederum für rosigen Umsatz. 

Dementsprechend ist das vom HCD veranstaltete Drama in erster Linie unprofessionell und zeugt davon, dass Domenig und Wohlwend noch einige Defizite in der Kommunikation untereinander haben. Den Schlamassel geht in diesem Fall auf ihre Kappe.

Was bleibt sind enttäuschte und wütende Davoser Fans, wie man sie sehr selten am Spengler Cup gesehen hat. Für die Party haben andere gesorgt. Standesgemäss natürlich der Sieger Team Canada, aber auch die Gäste aus dem Nachbarkanton oder der tschechische Vertreter – der es erstaunlicherweise bis in den Final gebracht hat – haben für die Musik gesorgt. Und bestimmt haben sich auch die beiden Vereine aus Finnland und Russland trotz ausgebliebenen Erfolg sehr amüsiert. 

Bleibt für den HCD zu hoffen, dass Domenig und Wohlwend ihre Kommunikationsprobleme in den Griff bekommen und in Zukunft mit einheitlicher Stimme an die Öffentlichkeit treten. Andernfalls dürfte die Ära Wohlwend in Davos wohl langfristig zum Scheitern verurteilt sein. 

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