Schon wieder die Slowakei! Diese Woche bereist die Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft zum 16. Mal seit 1997 die Slowakei – notabene mit der personell schwächsten Auswahl der Neuzeit. Wenn wir den Halbfinal des Turniers in Nitra heute Freitag gegen Weissrussland gewinnen, treten wir am Samstag zum 65. Mal gegen die Slowaken an. Für den Hockey-Chronisten sind Reisen in die Slowakei längst zur Definition der Langeweile geworden.

Wer indes ein Flair für Kultur und Geschichte hat, freut sich jedes Jahr auf den Ausflug ins obere Ungarn. Oberungarn hiess das heutige slowakische Staatsgebiet, als es zur österreichisch-ungarischen Vielvölkermonarchie gehörte.

Slovakia Cup 2016: Slowakei vs. Schweiz (4:0) - 13.02.2016

Slovakia Cup 2016: Slowakei vs. Schweiz (4:0) - 13.02.2016

Vor bald hundert Jahren ist dieses Staatsgebilde, das Zeitgenossen als «Völkergefängnis» verdammten (aber inzwischen von der Geschichte milde beurteilt wird), aufgelöst worden. Es verteilt sich heute auf mehr als zehn Länder. Und so wird die Hockey-Expedition im Februar eine Zeitreise zurück in eine längst vergessene Welt, in der eine Sissi die Kaiserin und kein verweichlichter Hockeyspieler war.

Kein Platz am Tisch der Grossen

Aber warum bereist das Schweizer Eishockey keine andere Weltgegend so intensiv wie das alte Oberungarn? Nun, die Zeit ist eben auch in den internationalen Hockey-Beziehungen stehen geblieben. Wir haben zwar 2013 den WM-Final erreicht.

Aber dieser historische Triumph ändert nichts daran, dass wir hockeypolitisch nach wie vor am Katzentisch Platz nehmen müssen. Die vier Grossen (Russland, Tschechien, Schweden und Finnland) spielen jedes Jahr im November, im Dezember und Februar unter sich ein Vierländerturnier aus. Seit Jahren versuchen die «Kleinen» vergeblich, diese Vetternwirtschaft zu beenden.

Ambris Michael Fora ist einer von elf Debütanten.

Ambris Michael Fora ist einer von elf Debütanten.

Die Ablehnung wird immer gleich begründet: die Termine seien zu knapp für ein Turnier mit fünf oder sechs Teams. Auch Verbands-Sportdirektor Raëto Raffainer hat wieder einmal einen Anlauf unternommen. «Aber es ist mir nicht anders ergangen als meinen Vorgängern. Es ist einfach nichts zu machen.»

Und so muss unsere Nationalmannschaft im November, im Dezember und im Februar Jahr für Jahr gegen die internationalen Hinterbänkler testen. Gegen zusammengewürfelte Operettenteams der Kanadier und der Amerikaner, gegen Deutschland, Weissrussland, Norwegen, Dänemark, Lettland, Frankreich – oder eben die Slowakei.

Was bringen uns die Spiele in Oberungarn? Ralph Krueger nützte sie einst (von 1997 bis 2010), um mit der Mannschaft ein System einzufuchsen. Er machte unsere Nationalmannschaft zur taktisch besten der Welt. Er wollte immer mit der bestmöglichen Mannschaft üben, und das brachte ihn ständig in Konflikt mit den Klubgenerälen.

Kruegers Nachfolger Sean Simpson hat die heute übliche Praxis eingeführt: Im Februar vor den NLA-Playoffs müssen die Besten nicht antreten. Nie ist internationaler Ruhm wohlfeiler, billiger als im Februar in Oberungarn.

Nun hat Patrick Fischer die nominell schwächste Nati dieses Jahrhunderts mit elf Neulingen versammelt. Sollte einer von ihnen einst für ein WM-Turnier aufgeboten werden, so können wir sagen: es hat alles in Oberungarn begonnen.