Schweizer Fechtverband
Erneut personelle Turbulenzen und ein Aufruf des neuen operativen Fechtchefs: «Wir brauchen jetzt ein wenig Ruhe»

Der Schweizer Fechtverband verliert zum zweiten Mal seit den Neuwahlen vom 8. Mai ein Vorstandsmitglied und ebenso einen verdienstvollen Trainer – und geht nun kommunikativ in die Offensive.

Rainer Sommerhalder
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Die Dynamik des Fechtsports lässt auch den Vorstand nicht los.

Die Dynamik des Fechtsports lässt auch den Vorstand nicht los.

Keystone

Er war der Hoffnungsträger der Reformkräfte. Der Bieler Christophe Gächter trat an der Generalversammlung von Swiss Fencing im Mai als Alternative zum offiziell vorgeschlagenen Präsidenten Lars Frauchiger an und wurde ehrenvoll in den Vorstand gewählt.

Nun schmeisst Gächter den Bettel per sofort und überraschend für seine Amtskollegen hin. Als Grund gibt er an, dass sich die Verbandsarbeit zu wenig an Good Governance, Transparenz und offener Kommunikation orientierte. «Ich fühlte mich mit dem aktuellen Führungsstil zu wenig abgeholt und gehört», sagt Gächter.

Praktisch gleichzeitig, aber unabhängig von Gächter reichte Nachwuchschef Flavio Da Silva Souza seinen Rücktritt auf Ende Oktober ein. Er gibt an, dass die fehlende Perspektive für seinen Entscheid verantwortlich war. Ihm fehle schlicht die Energie für den weiteren Einsatz, ohne wirklich spürbare Schritte zu sehen. Es habe sich oft wie ein Kampf gegen Windmühlen angefühlt, sagt Da Silva Souza. Der 31-Jährige galt in Fechtkreisen als Brückenbauer unter den Klubs, was die Zusammenarbeit im Nachwuchs betrifft.

Weil Christophe Gächter bereits der zweite Abgang im Vorstand seit den Neuwahlen vom 8. Mai ist, besteht das Führungsgremium des Verbandes nun aus dem statutarisch vorgesehenen Minimum von fünf Personen. Präsident Frauchiger sieht von vorgezogenen Neuwahlen ab. Die Lücken sollen an der ordentlichen GV im Mai 2022 geschlossenen werden. Es ist davon auszugehen, dass es erneut zu Kampfwahlen kommen wird.

Verband engagiert gleich drei neue Nationaltrainer

Die Prioritäten der Verbandsführung liegen derweil beim Leistungssport. Sie hat die Medien kurzfristig für Freitag zu einer Pressekonferenz eingeladen. Dort will man nach dem missglückten Olympiaauftritt nach vorne schauen. Die neuen Leistungssport- und Nachwuchskonzepte werden ebenso vorgestellt wie die Verantwortlichen.

Nationaltrainer der Männer wird der Franzose Stéphane Le Roy. Er war im französischen Degenteam an vielen Erfolgen beteiligt – zuletzt beim Olympiasieg von Romain Cannone in Tokio. Neu haben auch die Frauen einen eigenen Trainer. Der Franzose Paul Fausser leistete zuletzt hervorragende Arbeit im Nachwuchs. Dieser wird neu von Silvio Fernandez trainiert. Der Venezolaner war die Weltnummer 1 und trainiert seit 2018 die Talente des Fechtclubs Bern.

Die wichtigste Personalie betrifft allerdings Daniel Lang. Der ehemalige Olympiateilnehmer wird ab 1. September Geschäftsführer und Chef Leistungssport im Verband. Er sagt, es benötige nun harte und beharrliche Arbeit, in der Good Governance vorgelebt werde. «Zuallererst brauchen wir nach all den Turbulenzen jetzt aber ein wenig Ruhe». Damit spricht er vielen im Schweizer Fechtsport aus dem Herzen.

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