Eishockey
Zu viele Schüsse neben das Tor: Biel verliert in Ambri

Nach einem 1:4 gegen Langnau nun ein 0:4 in Ambri. Eine beinahe vergessene Statistik erklärt Biels Problem.

Klaus Zaugg
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Die Tore des Spiels

Beitrag: TV24 / Mysports

Ambri gegen Biel ist natürlich kein Derby. Dafür ist die Distanz von mehr als 200 Kilometern dann doch zu gross. Und doch ist es ein Derby. Ein «hockeykulturelles» sozusagen.

Beiden Klubs pflegen eine ganz ähnliche Kultur: «Totales» Hockey. Energie, Talent, Kreativität, Mut und Leidenschaft sind wichtiger als Taktik. Der Unterschied: Biel hat mehr Geld zur Verfügung, um Talent einzukaufen. Die Transferkriegskasse reicht in Ambri, um Bern André Heim auszuspannen. Die Bieler haben am grossen Rad gedreht und Gaëtan Haas aus der NHL zurückgeholt. Ambris realistisches Ziel sind die Pre-Playoffs. Die Bieler aber sind heimliche Titelfavoriten. Sie fliegen durch den Herbst. Oder sollten wir nun nach den zwei ersten Niederlagen sagen: Sie flogen? Nein.

Die Bieler können gar nicht anders als fliegen. Sie mahnen an die besten Fussballer der neueren Geschichte, die nichts gewonnen haben: an die Brasilianer der WM 1982 in Spanien. Sie kamen nicht mal in den Halbfinal. Aber sie begeisterten mit totalem, kreativem Fussball in einem von Taktik geprägten Zeitalter. Die Bieler kamen letzte Saison nicht einmal bis in den Viertelfinal. Sie scheiterten in den Pre-Playoffs an den Lakers.

Aber darin sind Biel und Ambri ähnlich: Ein Scheitern ist nie eine schnöde Niederlage. Ein paar Niederlagen machen noch keine Krise, die alles in Frage und den Trainer vor die Türe stellt. Nicht umsonst stammt die Schlagzeile: «Krise ohne Krisenstimmung» von den freundlichen Berichterstattern des «Bieler Tagblatts».

Den Puck im Blick: Ambris Inti Pestoni (rechts) im Zweikampf mit dem Bieler Lilian Garessus.

Den Puck im Blick: Ambris Inti Pestoni (rechts) im Zweikampf mit dem Bieler Lilian Garessus.

Bild: Samuel Golay / Keystone (28. September 2021)

Opfer ihrer eigenen Kultur

Niederlagen stehen in Biel und in Ambri für den romantischen Untergang von Hockeygöttern. Es ist also nicht so, dass die Bieler im klassischen Sinne am Samstag gegen Langnau oder gestern in Ambri «schlecht» gespielt und völlig versagt haben. Sie sie sind bloss wieder einmal das Opfer ihrer eigenen Kultur, ihrer DNA geworden.

Sie haben seit ihrer Rückkehr in die höchste Liga 2008 noch nie taktisches Rechenschieberhockey gespielt. Aber wenn die dominierenden Center fehlen (wie gestern Gaëtan Haas und Luca Cunti) gerät das hoch entwickelte Spiel schon ein wenig durcheinander. Biels offensive Macht und Ohnmacht zeigt sich in einer kaum beachteten Statistik: Kein anderes Team hat diese Saison schon so oft neben das Tor geschossen. Es sind bereits mehr als 120 Fehlschüsse. Zum Vergleich: Bei den ZSC Lions sind es weniger als 80. So gesehen sind diese zwei jüngsten Niederlagen weder eine Überraschung noch die Sendboten einer Krise. Die Kultur des konstruktiven, kreativen Hockeys, auf die Martin Steinegger seine Strategie richtet. Ein gutes Beispiel dafür ist sein jüngster Transfer: Beat Forster wird im Februar 39. Biels Sportchef muss damit rechnen, dass der «Verteidiger-Saurier» seine Karriere beendet. Also hat er bereits einen Ersatz unter Vertrag genommen: Langenthals riesiges Talent Luca Christen (23) hat seine Ausstiegsklausel aus dem noch ein Jahr laufenden Vertrag eingelöst und wechselt auf nächste Saison für zwei Jahre nach Biel.

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