Tennis
Zittern mit Stan Wawrinka: aussen ruhig und innerlich am kochen

Nach dem ersten Tag im Davis-Cup-Match gegen Holland sind die Schweizer auf dem besten Weg zum Klassenerhalt.

Michael Wehrle, Genf
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Grosse Probleme hatte Stan Wawrinka beim Service.key

Grosse Probleme hatte Stan Wawrinka beim Service.key

KEYSTONE

Es stimmt für die Schweizer Tennisprofis im Davis-Cup. Im Kampf um den Klassenerhalt in der Weltgruppe der besten 16 Nationen führt der Titelverteidiger gegen Holland nach den beiden ersten Einzeln wie erwartet 2:0. Schon heute können die Schweizer im Doppel (13 Uhr/SRF 2) alles klar machen.

So klar wie es die meisten der 8200 Fans in den Palexpo-Hallen erwartet hatten, war es allerdings nicht. Zwar zeigte Roger Federer beim 6.3, 6:4, 6:3 gegen Jesse Huta Galung, die Weltnummer 463, die gewohnt eine solide Leistung. Lediglich zwei Breakchancen liess der Basler bei der 4:3-Führung im dritten Satz zu. Doch diese Chancen seines Gegners machte er mit zwei guten Aufschlägen schnell zunichte.

Ganz anders dagegen Stan Wawrinka, der sich in der Eröffnungspartie 3 Stunden und 9 Minuten lang gegen Thiemo de Bakker, die Nummer 144 der Welt, quälte: 2:6, 6:3, 4:6, 6:3, 7:5. «Ich habe wirklich nicht gut gespielt», gab der 30-Jährige offen zu. Er sei einfach glücklich, ein nicht ganz einfaches Match gewonnen zu haben. Nervös sei er nicht gewesen, im Gegensatz zu früheren Jahren. Doch habe ihm die Frische gefehlt, vor allem mental.

Es ging schlecht los. Wawrinka servierte miserabel, kein erster Aufschlag kam. Schnell führte der Holländer 4:0, der Satz war weg. Wawrinka fing sich, schlug besser auf, suchte Sicherheit im Spiel, stand deshalb weit hinter der Grundlinie. Das ging auf. Er holte sich den zweiten Satz, schien auf dem richtigen Weg. Dann schenkte er de Bakker das Break zum 6:4-Satzgewinn und lag wenig später wieder 0:3 zurück. «Das war natürlich kein schönes Gefühl», sagte er.

Nun flatterten beim Holländer die Nerven. Zuvor hatte er ordentlich gespielt, teilweise richtig gut, aber keinesfalls überragend. Es hätte wohl gereicht, wenn er dieses Niveau gehalten hätte. Doch 20 Minuten lief bei ihm nichts mehr. Wawrinka machte aus einem 0:3 zunächst ein 6:3 im vierten Satz und zog auch gleich noch auf 3:0 im Entscheidungssatz weg. «Ich spürte, dass er ein wenig nervös war, er hatte seine Chancen, verschlug aber ein paar leichte Bälle, das war ihm vorher nicht passiert», blickte Wawrinka zurück.

Schon fast aussichtslos zurück, fing sich de Bakker wieder, holte den Rückstand dank Fehlern seines Gegners tatsächlich noch einmal auf. Doch dann blieb Wawrinka solide und setzte sich schliesslich durch. Gross jubeln wollte er nicht, er streckte lediglich kurz die Arme nach oben. Eine Partie mit vielen Fehlern hatte er gedreht: 135 unerzwungene Fehler leisteten sich die beiden: 66 Wawrinka, 69 de Bakker. In seinem neunten Match über fünf Sätze im Davis-Cup ging der Schweizer zum fünften Mal als Sieger vom Platz.

Die Hilfe der Fans

«In meinem Spiel ging es auf und ab», sagte er. Während der ganzen Partie habe er nach Lösungen gesucht, oft habe er sie nicht gefunden. «Ich versuchte einfach, zu gewinnen, ich kämpfte», sagte er. Getragen hätten ihn die Fans, die ihn pausenlos anfeuerten. «Sie haben mir positive Energie verliehen», sagte er. Und ziemlich geholfen habe ihm Captain Severin Lüthi auf der Bank. «Bleib positiv», habe er ihm auf den Weg gegeben. «Aber zu viel reden bringt auch nichts», erklärte Lüthi. Sonst mache er einen Spieler verrückt. So blieb Wawrinka meist ruhig, selbst wenn es innerlich in ihm kochte. Nur kurz legte er sich einmal mit den Holländern auf der Bank an, weil er sich beim Service gestört fühlte. Doch alle Rackets blieben ganz, das hat bei ihm auch schon ganz anders ausgesehen. «So gesehen war es unter schwierigen Bedingungen ein guter Sieg», analysierte er. «Und wichtig für mich. Aber weil ich solche Matches gewinne, bin ich die Nummer vier der Welt», sagte er.

Im Gegensatz zu de Bakker, dessen ganze Karriere sich in dieser Partie spiegelte. Hochs wechselten mit Tiefs, am Ende nutzte er seine Chance nicht.

«Aufregend war das», fand Federer, der das ganze Match in der Garderobe verfolgte. Auf seine Leistung habe das keinen Einfluss gehabt. Er habe seine Routine abgespult und sich konzentriert, was auch notwendig gewesen sei gegen einen guten Galung. «Es ist faszinierend, wie Roger das immer wieder so kurz nach einem Final schafft», lobte Lüthi.

«Mal sehen, ob ich jetzt im Doppel spiele, ein paar Muskeln zwacken», sagte Federer. Aber das 2:0 lasse ihnen nun alle Möglichkeiten.

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