Schwingen
«Ziemlich am Ende meiner Kräfte» – Stucki Christian gewinnt den Unspunnen Schwinget

Der Sieger des Unspunnen-Schwinget in Interlaken heisst Christian Stucki. Der 32-jährige Seeländer wurde seiner Favoritenrolle gerecht. Er bezwang im Schlussgang den Berner Verbandskollegen Curdin Orlik in der 16. und letzten Minute.

der Sportredaktion
Merken
Drucken
Teilen
Impressionen vom Unspunnen Schwinget in Interlaken
31 Bilder
Curdin Orlik (links) und Christian Stucki (rechts) treffen im Schlussgang aufeinander. Im Bild: beim Mittelländischen Schwingfest auf dem Gurten am 11. Juni.
Alle sechs Jahre wieder: In Interlaken steht der Unspunnen Schwinget an. Die Zuschauer strömen in die Arena.
Voll besetzte Tribünen am Unspunnen Schwinget.
Die Schwingerhosen sind bereit.
Athleten vom Innerschweizer Schwingverband schreiten in die Arena.
Die Berner Schwinger Matthias Sempach (Mitte) und Philipp Reusser (rechts) warten auf ihren Einmarsch.
Die Berner Schwinger Martin Rolli, Fabian Staudenmann, Kilian Wenger und Matthias Sempach (von links) erscheinen in der Arena am Unspunnen Schwinget.
Auch die Jodler warten auf ihren ersten Einsatz in der Arena von Interlaken.
Christian Stucki bodigt im ersten Gang am Unspunnen Schwinget seinen Widersacher Daniel Bösch mit einem Plattwurf...
...und startet als Top-Favorit somit sehr überzeugend in den Unspunnen-Schwinget.
Christian Stucki in Siegerpose.
Damit hat sich der Berner Schwinger eine Erfrischung am Brunnen verdient.
Simon Anderegg (rechts) kämpft im ersten Gang gegen Rene Suppiger.
Andreas Ulrich (oben) im Duell gegen Niklaus Zenger während des Anschwingens.
Matthias Aeschbacher (links) bezwingt im ersten Gang Samir Leuppi.
Kilian Wenger (unten) trifft im ersten Gang auf Widersacher Joel Wicki.
Nach seinem Sieg gegen Daniel Bösch im ersten Gang posiert Christian Stucki mit einem jungen Fan für ein Selfie.
Auf in den zweiten Gang: Joel Wicki (oben) bodigt Pascal Piemontesi.
Nach seiner Niederlage gegen Top-Favorit Christian Stucki im ersten Gang gewinnt Daniel Boesch (oben) gegen Martin Zimmermann im zweiten Gang.
Matthias Sempach (oben) im Duell gegen Roman Zurfluh im zweiten Gang.
Armon Orlik (oben) kämpft im zweiten Gang am Unspunnen-Schwinget gegen Bruno Linggi.
Los geht's mit dem dritten Gang: Hier kämpt Matthias Sempach (oben) gegen Stefan Kennel.
Hier duellieren sich Joel Wicki (rechts) und Willy Graber.
Nach einem Sieg im zweiten gang kann Daniel Bösch auch im dritten jubeln. Er bezwingt Hanspeter Luginbühl.
Im dritten Gang am Unspunnen-Schwinget trifft Armon Orlik (rechts) auf Christian Gerber.
Schwing-Fans verfolgen das Geschehen in der Arena während des dritten Gangs.
Zuschauer verpflegen sich am Unspunnen-Schwinget.
Blick in die Schwing-Arena in Interlaken.
Für Titelverteidiger Daniel Bösch ist das Unspunnen-Schwinget vorbei. Er verliert gegen Remo Käser und kann seinen Sieg nicht wiederholen.
Topfavorit Stucki Christian bleibt weiter makellos und gewinnt auch den vierten Gang. Ist der Berner Koloss noch zu stoppen?

Impressionen vom Unspunnen Schwinget in Interlaken

Keystone

Mit 32 Jahren ist Christian Stucki schier besser im Saft als je. Neun Jahre nach dem Triumph am Kilchberger Schwinget gewann der Hüne auch das zweite grosse Eintagesfest. Im Schlussgang des Unspunnen-Schwingets bezwang er den Überraschungsmann Curdin Orlik.

Nachdem er schon unter der Saison mit fünf Kranzfestsiegen der klar Stärkste im Land gewesen war, dominierte der Seeländer auch das Unspunnenfest, den wie der Kilchberger Schwinget nur alle sechs Jahre stattfindenden Grossanlass in Interlaken über weite Strecken nach Belieben.

Stucki schreit seine Freude nach dem Unspunnen-Sieg raus.

Stucki schreit seine Freude nach dem Unspunnen-Sieg raus.

Keystone

Die ersten vier Gänge - im 4. Gang bereits einmal gegen Curdin Orlik - gewann er mit lauter Maximalnoten, ehe er sich vom defensiv starken Innerschweizer Sven Schurtenberger den einzigen Gestellten abringen liess. Der Schlussgang war dann allerdings eine sehr zähe Angelegenheit. Orlik wehrte sich gut, und Stucki wirkte mit zunehmender Gangdauer müde. In der 16. und letzten Minute, etwa 40 Sekunden vor dem Ende, gelang es ihm mit seinen Bärenkräften doch noch, den acht Jahre jüngeren Orlik zu bodigen.

Ältester Sieger seit 1996

Während zahlreiche über 30-jährige Schwinger allmählich ihre Mühe haben, hat Stucki auf eindrucksvolle Weise vorgemacht, dass selbst ein älterer Schwinger den vielen aufstrebenden Youngsters den Meister zeigen kann - ähnlich wie es am letztjährigen Eidgenössischen in Estavayer Matthias Glarner getan hatte. Mit 32 Jahren und 7 Monaten ist Stucki der älteste Sieger eines Festes von eidgenössischer Prägung seit 21 Jahren. Damals, 1996, gewann der populäre Berner Niklaus «Chlöisu» Gasser als 35-Jähriger den komplett verregneten Kilchberger Schwinget im Schlussgang gegen den Muttenzer Rolf Klarer.

Für wohl die meisten unter den 15’400 Zuschauern kam die Schlussgangteilnahme von Curdin Orlik überraschend. Sein zwei Jahre jüngerer Bruder Armon Orlik war zu Recht als einer der ersten Favoriten gehandelt worden, aber der «andere» Orlik, der seit dieser Saison nach einem Wohnortswechsel für den Berner (Oberländer) Verband schwingt, nutzte die Gunst der Stunde und die Tatsache, dass viele Böse vorzeitig aus der Entscheidung fielen.

Stucki (rechts) und Orlik lieferten sich im Schlussgang einen zähen Kampf.

Stucki (rechts) und Orlik lieferten sich im Schlussgang einen zähen Kampf.

Keystone

Vor allem im 4. Gang erlebten etliche Spitzenschwinger ihr Waterloo, so die beiden Berner Schwingerkönige Matthias Sempach - er war nach einer langen Verletzungspause weit von seiner Bestform weg - und Kilian Wenger sowie der St. Galler Daniel Bösch, der Gewinner des letzten Unspunnen-Schwingets 2011.

Für Curdin Orlik war der Ausgang des als Halbfinal gedachten Spitzenduells zwischen den jungen Bösen Armon Orlik und Joel Wicki günstig. Der Entlebucher Wicki besiegte Armon Orlik, bekam für die Arbeit am Boden jedoch nur 9,75 Punkte gutgeschrieben. Mit der Maximalnote wäre Wicki punktgleich mit Curdin Orlik gewesen und hätte vom Kampfgericht aufgrund des eindeutig besseren Notenblatts zu Stuckis Schlussganggegner ernannt werden müssen.

Wicki, der zweite Sieger

Ist «Chrigu» Stucki, der seit vielen Jahren nicht weniger populär ist als ein Schwingerkönig, der richtige und vollauf verdiente Sieger des überraschungsreichen Fests, darf man den für die Zukunft sehr viel versprechenden Joel Wicki getrost als den zweiten oder den heimlichen Sieger bezeichnen, und zwar nicht nur, weil er in der Schlussrangliste tatsächlich den 2. Platz belegt. Der nicht allzu gross gewachsene Sörenberger - er misst 182 Zentimeter - zeigte von allen aufstrebenden Jungen und künftigen Anwärter auf die Königstitel - die beste Leistung.

Wicki wurde starker Zweiter.

Wicki wurde starker Zweiter.

Keystone

Wäre der Schlussgang gestellt ausgegangen, hätte Wicki den Unspunnensieg geerbt - wie zuletzt Jörg Abderhalden 1999. Dabei wäre er vermutlich nicht einmal auf die Erbschaft angewiesen gewesen. Im ersten Gang stellte er gegen Kilian Wenger. Wie TV-Bilder zeigten, hätte der Kampfrichter in einer strittigen Szene auch Wicki den Sieg geben können. Die weiteren fünf Gänge gewann Wicki allesamt.

Die Notenblätter der Besten am Unspunnenfest

1. Rang:

Christian Stucki 58,75 (+ Daniel Bösch 10,00, + Marcel Mathis 10,00, + Fabian Kindlimann 10,00, + Curdin Orlik 10,00, - Sven Schurtenberger 8,75, + Curdin Orlik 10,00).

2. Rang:

Joel Wicki 58,25 (- Kilian Wenger 9,00, + Pascal Piemontesi 9,75, + Willy Graber 10,00, + Bernhard Kämpf 9,75, + Armon Orlik 9,75, + Michael Bless 10,00).

3. Rang:

Curdin Orlik 57,25 (+ Marcel Bieri 10,00, + Michael Müller 10,00, + Benji von Ah 10,00, 0 Christian Stucki 8,50, + Erich Fankhauser 10,00, 0 Christian Stucki 8,75).

Ruedi Roschi 57,25 (+ Arnold Stefan 10,00, 0 Sven Schurtenberger 8,50, + Marcel Kropf 10,00, + Benji von Ah 9,75, - Bruno Gisler 9,00, + Andreas Höfliger 10,00).

4. Rang:

Domenic Schneider 57,00 (- Philipp Roth 8,75, 0 Johann Borcard 8,75, + Philipp Schuler 9,75, + Fabian Staudenmann 9,75, + Stefan Arnold 10,00, + Sven Schurtenberger 10,00).

Samir Leuppi 57,00 (0 Matthias Aeschbacher 8,50, + Samuel Dind 9,75, + Christian Odermatt 9,75, + Patrick Räbmatter 10,00, - Remo Käser 9,00, + Mario Thürig 10,00).

Marco Fankhauser 57,00 (+ Marco Nägeli 10,00, + Tobias Krähenbühl 9,75, - Simon Anderegg 9,00, 0 Bruno Gisler 8,50, + Lario Kramer 9,75, + Hanspeter Luginbühl 10,00).

Matthias Aeschbacher 57,00 (+ Samir Leuppi 9,75, 0 Fabian Kindlimann 8,50, - Pirmin Egli 9,00, + Michael Matthey 10,00, + Marcel Kuster 10,00, + Johann Borcard 9,75).

Daniel Bösch 57,00 (0 Christian Stucki 8,50, + Martin Zimmermann 10,00, + Hanspeter Luginbühl 10,00, 0 Remo Käser 8,75, + Simon Mathys 9,75, + Kilian Wenger 10,00).

5. Rang:

Nick Alpiger 56,75 (- Philipp Reusser 8,75, + Marco Reichmuth 9,75, + Marco Iseli 9,75, + René Suppiger 10,00, - Bernhard Kämpf 8,75, + Marcel Mathis 9,75).

Reto Nötzli 56,75 (- Florian Gnägi 8,75, + Steve Duplan 10,00, + Florian Weyermann 10,00, + Matthias Sempach 9,75, 0 Michael Bless 8,50, + Gustav Steffen 9,75)

Simon Mathys 56,75 (+ Reto Landolt 10,00, - Beni Notz 8,75, + Ursin Battaglia 9,75, + Marcel Kuster 10,00, 0 Daniel Bösch 8,50, + Steve Duplan 9,75)

Marcel Bieri 56,75 (0 Curdin Orlik 8,50, + Martin Rolli 9,75, - Philipp Roth 8,75, + Lars Geisser 9,75, + Ruedi Eugster 10,00, + Christian Gerber 10,00).

Patrick Räbmatter 56,75 (0 Fabian Kindlimann 8,50, + Sandro Schlegel 10,00, + Michael Müller 10,00, 0 Samir Leuppi 8,50, + Tobias Krähenbühl 10,00, + Simon Anderegg 9,75).

Fabian Kindlimann 56,75 (+ Patrick Räbmatter 9,75, + Matthias Aeschbacher 10,00, 0 Christian Stucki 8,50, + Damian Egli 10,00, 0 Kilian Wenger 8,50, + Erich Fankhauser 10,00).

Benji von Ah 56,75 (+ Remo Käser 9,75, + Niklaus Zenger 9,75, 0 Curdin Orlik 8,50, 0 Ruedi Roschi 8,50, + Marcel Kropf 10,00, + Patrick Schenk 10,00, Zusatz + Florian Gnägi 0,25).

6. Rang:

Remo Käser 56,50 (0 Benji von Ah 8,50, + Michael Steiner 9,75, + Steven Moser 9,75, + Daniel Bösch 9,75, - Samir Leuppi 9,00, + René Suppiger 9,75).

Matthias Sempach 56,50 (- Armon Orlik 9,00, + Roman Zurfluh 10,00, + Stefan Kennel 10,00, 0 Reto Nötzli 8,75, - Marcel Mathys 8,75, + Stefan Burkhalter 10,00).

Ferner im 10. Rang:

Kilian Wenger 55,50 (- Joel Wicki 9,00, + Marcel Kropf 10,00, + Michael Bless 9,75, 0 Armon Orlik 8,50, + Fabian Kindlimann 9,75, 0 Daniel Bösch 8,50).

Lesen Sie hier das Geschehene im Liveticker nach: