Mit seinem Brief in der britischen Zeitung «Times» hatte Stan Wawrinka in der Woche vor dem Madrid Open Staub aufgewirbelt. Der Romand prangerte darin den «besorgniserregenden Zerfall der moralischen Werte» im Tennis an. Er kritisierte das Schweigen der Meinungsführer in der Causa um den inzwischen wegen Körperverletzung verurteilten Justin Gimelstob. Der Amerikaner ist inzwischen als Spielervertreter aus dem ATP-Vorstand zurückgetreten. 

Nach dem 6:2, 6:3 gegen den Franzosen Pierre-Hugues Herbert (28, ATP 41) in Madrid gab sich Wawrinka weniger wortgewaltig. Er sagte nur: «Ich habe viele Rückmeldungen erhalten.» Die meisten seien positiv gewesen, «und jene, die es nicht gut fanden, werden nicht zu mir kommen». Er habe immer gesagt, was er denke und es sei ihm ein Bedürfnis gewesen, seiner Besorgnis Ausdruck zu verleihen. «Ich bin glücklich, habe ich diesen Brief geschrieben.»

Treffen mit Djokovic

Obschon Wawrinka keine Namen nannte, schloss er in seinem Pamphlet auch Roger Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic mit ein, als er schrieb: «Wer in solchen Momenten schweigt, macht sich zum Komplizen.» Und trägt damit Mitschuld. Nadal meidet eine öffentliche Debatte, Federer betrachtet den Fall nach Gimelstobs Rücktritt für abgeschlossen. Man könne nun wieder nach vorne schauen. Eine Haltung, die Wawrinka kritisierte. «Das ist nicht gut genug.»

Gimelstob hatte Novak Djokovic, den Vorsitzenden des Spielerrats, persönlich über seine Demission in Kenntnis gesetzt. «Unter diesen Umständen ist es eine weise Entscheidung von Justin», sagte Djokovic. «Ich begrüsse seinen Entscheid.» Gleichzeitig strich er, wie Nadal auch, die Verdienste Gimelstobs hervor, der seit 2008 als im Vorstand der ATP sass. «Er war vielleicht der beste Vertreter in den über zehn Jahren, in denen er diese Rolle ausfüllte.»

Wawrinka und Novak Djokovic trafen sich am Samstag in Madrid. Über den Inhalt des Gesprächs wollte der Schweizer keine Auskunft geben, «aber es war wichtig, dass wir miteinander gesprochen haben. Es ist alles gut.» Die Frage, ob er sich eine Rückkehr in den von Djokovic präsidierten Spielerrat, dem er ab 2014 für zwei Jahre angehörte, vorstellen kann, beantwortete er so: «Das weiss ich nicht.» Für ihn ist der Fall damit wohl erledigt.