David: Meine Güte! Was für ein Schrei von Ramon Zenhäusern beim Slalom von Schladming! Als hätte man ihm das Geweih ausgerissen.

François: Ich fands ein grossartiges Spektakel. Aber mich wundert, dass ich diesen Schrei am Dienstag das erste Mal überhaupt mitgekriegt habe. Und ich frage mich: Wo waren die Kameras bei den früheren Rennen, wenn Zenhäusern im Starthaus stand? Warum hat man uns seinen Brunftschrei früher vorenthalten?

Pius: Keine Ahnung. Vielleicht taxiert man sein Ritual als nicht jugendfrei. Und weil der zweite Lauf von Schladming nicht am frühen Nachmittag, sondern erst in der Nacht gestartet wird, dachte der Regisseur vielleicht, dass ein bisschen Nightmare-Feeling schon drinliegt.

Flavio: Wer weiss? Jedenfalls ist es beruhigend, dass in der sterilen, auf Hochglanz polierten Sportwelt solch ungefilterte Emotionen ein Schlupfloch in die Öffentlichkeit finden. Notabene in einer Zeit, in der wahrscheinlich jeder Torrichter einen eigenen Pressesprecher hat.

Tobias: Ja, Zenhäusern ist eine Ausnahmeerscheinung. Wobei die Skifahrer im Gegensatz zu den Fussballern per se nicht ganz so abgeschliffen und stromlinienförmig daherkommen. Ich bedaure einzig, dass Zenhäusern sich im Nachhinein fast ein bisschen schämte für seinen Brunftschrei.

Pius: Da gibt es nichts, wofür er sich schämen müsste. Im Gegenteil. Und ich glaube auch nicht, dass er von seinem Kurs abweicht. Der Zenhäusern scheint mir ein sehr gesundes Selbstbewusstsein zu haben.

David: Ja, da war doch nach seinem sensationellen zweiten Platz im Olympia-Slalom dieses Interview mit dem österreichischen Fernsehen.

Flavio: Was war da?

David: Der Reporter erkundigte sich nach seiner Gefühlslage. Da sagte Zenhäusern in seinem Walliser-Hochdeutsch: «Das ist bireweich.» Der Reporter hatte natürlich keine Ahnung und fragte nach, was das bedeute. «Birnenweich», antwortet Zenhäusern.

Flavio: Herrlich! Aber wenn ich «birnenweich» höre, kommt mir eher GC in den Sinn.

François: Warum?

Flavio: An die Erfolglosigkeit des Rekordmeisters hat man sich mittlerweile ja gewöhnt. Ebenso an die immer wiederkehrenden Versprechungen, es werde alles gut. Jetzt, nachdem mit Heinz Spross ein Mitbesitzer aussteigt, ist aber ziemlich Feuer unter dem Dach.

Tobias: Oh ja. Spross, Stüber und Anliker, die je 30 Prozent der Aktien hielten, schossen vor einem Jahr neun Millionen Franken ein. Dieses Geld sollte GC über Wasser halten, bis man ins neue Stadion einziehen kann. Aber schon jetzt ist das Geld verbraucht. Die Bagger aber stehen noch immer in der Garage. Wahnsinn!

François: Einnahmen von 12 Millionen stehen Ausgaben von 20 Millionen gegenüber. Und das über viele Jahre hinweg. Ich meine, man muss keinen Tag Betriebswirtschaft studiert haben, um auf die Idee zu kommen, die Ausgaben vielleicht mal zu senken. Es ist ja nicht so, dass man mit 12 Millionen in der Super League nicht überleben könnte. Der FC Thun ist der beste Beweis dafür. Mitleid mit den Besitzern, die das Defizit jeweils ausgleichen, habe ich nicht. Sie sind es, die die operative Führung misswirtschaften lassen.

David: Man wünschte GC einen wie Zenhäusern, der den Klub mal so richtig wachschreit.