Fussball
Zeit zum Nachdenken: Granit Xhaka steckt in einer heiklen Phase

Erst fällt Granit Xhaka beim Trainer in Ungunsten, jetzt hat er Ärger mit der Polizei. Am Flughafen in London hat er eine Angestellte übel beleidigt und wurde abgeführt. Sein guter Ruf als «Heilsbringer» bei Arsenal leidet.

Sebastian Wendel
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Granit Xhaka, der hoch talentierte Schweizer in Diensten von Arsenal London, steckt in einer heiklen Phase.

Granit Xhaka, der hoch talentierte Schweizer in Diensten von Arsenal London, steckt in einer heiklen Phase.

Keystone

Hat er? Hat er nicht? In England sind sich die Medien einig: Granit Xhaka hat. Am Londoner Flughafen eine Angestellte der «British Airways» beleidigt. Rassistisch. Und bereits an dieser Stelle der Geschichte gibt es das erste Fragezeichen: Wieso soll ein weisser Mann eine weisse Frau als «weisse Schl****» beleidigen?

Das Ganze soll am Montagabend passiert sein. Granit Xhaka habe Leonard Lekaj, einen Verwandten seiner Verlobten Leonita, nach dessen Besuch zum Flughafen gebracht. Weil das Trio zu spät kam, sei Leonard der Zutritt zum Gate verwehrt worden. Darauf sei Granit ausgerastet und habe eine Angestellte der British Airways mit den oben erwähnten Worten beschimpft. Und zwar auf Deutsch.

Den Rest schildert die Londoner Polizei in einer Mitteilung so: «Um 19.29 Uhr wurde die Polizei gerufen wegen einer Behauptung, dass eine Angestellte im Terminal Five des Flughafens Heathrow rassistisch beleidigt worden sei.»

Die Behauptung, so die Polizei, sei von einer unbeteiligten Person gemacht worden. Anschliessend hätten die Beamten mit Xhaka gesprochen und ihn anschliessend für weitere Befragungen auf den Polizeiposten mitgenommen. Es sei niemand verhaftet worden, Xhaka sei freiwillig mitgegangen.

Granit Xhaka bestreitet ein Fehlverhalten.

Granit Xhaka bestreitet ein Fehlverhalten.

Keystone

Gemäss dem «Telegraph» dementierte Xhaka, ausfällig geworden zu sein, er habe niemanden direkt angesprochen. Was nichts daran ändert, dass die Meinungen auf der Insel gemacht sind. Und zwar zu Ungunsten Xhakas.

Aus dem Umfeld des Schweizer Nationalspielers tönt es anders. Man habe für Leonard Lekaj, nachdem er nicht mehr zum Sicherheitscheck zugelassen worden sei, einen neuen Flug buchen wollen. Dieser Wunsch sei vom «British Airways»-Personal jedoch abgelehnt worden.

Darüber habe sich Granit geärgert, aber niemanden beleidigt. Zudem habe die Frau widersprüchliche Angaben gemacht über die Sprache, in der sie beschimpft worden sei. Xhaka sei danach freiwillig auf den Polizeiposten gegangen. Man gehe davon aus, dass die Angelegenheit damit erledigt sei. Zudem habe man Xhakas Arbeitgeber Arsenal direkt nach dem Vorfall informiert.

Wengers ungewöhnliche Tat

Ein übler Arroganzanfall? Oder harmloser menschlicher Ärger über das eigene Zuspätkommen und die pingelige Genauigkeit des Flughafenpersonals?

Fakt ist: Die Episode kommt zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt. Und sie befördert Xhaka in eine heikle Situation.

Öffnet sich ein Graben zwischen Trainer Arsène Wenger und Granit Xhaka?

Öffnet sich ein Graben zwischen Trainer Arsène Wenger und Granit Xhaka?

Keystone

Am Sonntag hat sich Xhaka bei seinem Trainer Arsène Wenger unbeliebt gemacht, als er im Spiel gegen Burnley zum zweiten Mal in dieser Saison die rote Karte sah. Wenger veranlasste dies, etwas zu tun, was er höchst selten tut: Er kritisierte den Spieler öffentlich.

Was wiederum die Experten und die Medien auf der Insel dahingehend interpretierten, dass sich ein Graben zwischen Wenger und seinem 45 Millionen Franken teuren Wunschspieler auftue.

Und dann, gut 24 Stunden später, die Geschichte am Flughafen, welche die Boulevardmedien genüsslich ausschlachten und die sie als Frustreaktion Xhakas auf seinen Platzverweis sehen.

Sein Ruf als Heilsbringer für das chronisch titellose Arsenal leidet. Es heisst stattdessen, Xhaka werde immer mehr zum Problemfall. Zeit zum Nachdenken hat er jetzt genug, für vier Spiele wird er wohl gesperrt.