Lauberhorn
Zeit, die Schweizer Bilanz in Wengen aufzupolieren

Während die Schweizer an den Heimrennen in Adelboden zuletzt durchwegs enttäuschten, nutzten sie den zweiten Teil der Berner Oberländer Weltcup-Woche oft viel besser. Fünf Siege und dazu acht Podestplätze seit 2009 lassen in Wengen hoffen.

Valentin Oetterli
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Der amtierende Sieger der Lauberhorn-Abfahrt heisst Patrick Küng.

Der amtierende Sieger der Lauberhorn-Abfahrt heisst Patrick Küng.

Keystone

Das Schweizer Männer-Team kommt nicht nur mit zwei jüngsten "Ohrfeigen" aus Adelboden ans Lauberhorn angereist. Vielmehr liest sich überhaupt die bisherige Bilanz im WM-Winter - zumindest gemessen an Top-5-Platzierungen - sehr bescheiden. In den 17 Saisonrennen gab es nur eine einzige Spitzenklassierung zu verzeichnen. Beat Feuz belegte Anfang Dezember in Beaver Creek, wo in weniger als drei Wochen auch die Weltmeisterschaften ausgetragen werden, den 2. Platz in der Abfahrt.

Höchste Zeit also, diese betrübliche Bilanz aufzupolieren. Da kommen die Rennen am Lauberhorn gerade richtig. Den Slalom, die seit Jahrzehnten grösste Sorgendisziplin der Schweizer Männer, mal ausgeklammert, war die Swiss-Ski-Elite in der jüngeren Vergangenheit in keinem Weltcup-Ort so erfolgreich wie in Wengen. Einzig in Kitzbühel und in Beaver Creek resultierten annähernd so viele Podestplätze wie beim Klassiker am Lauberhorn.

Brunner: "Podest als Ziel"

"Es muss den Burschen bewusst sein, dass einiges von ihnen erwartet wird", sagt Sepp Brunner, seit letztem Frühling Trainer der Schweizer Abfahrer. In den bisherigen Speedrennen hätten die Fahrer über weite Strecken gute Leistungen gezeigt, diese aber mit Ausnahme von Feuz in Beaver Creek nicht fehlerfrei runtergebracht, bemängelt der Österreicher in langjährigen Diensten von Swiss-Ski. "Doch mit vier ehemaligen Siegern in unseren Reihen ist ein Podestplatz unser Ziel", fordert Brunner. "Wir haben die Qualitäten, um vorne mitzumischen."

Die Schweizer Bilanz in Wengen

Abfahrt Sieger / Schweizer in Top 10
2014
Patrick Küng / 10. Feuz und Défago
2013 Christof Innerhofer (It) / -
2012 Beat Feuz / 4. Janka und 10. Küng
2011 Klaus Kröll (Ö)/ 2. Cuche und 3. Janka
2010 Carlo Janka/ 5. Cuche und 7. Défago
2009 Didier Défago/ 4. Hoffmann und 10. Cuche
2008 Bode Miller (USA)/ 2. Cuche
2007 Bode Miller/ 2. Cuche und 4. Hoffmann
2006 Daron Rahlves (USA)/ 7. Hoffmann, 8. Défago
2005 Michael Walchhofer (Ö)/ -

Slalom Sieger/ Schweizer in Top 10
2014 Alexis Pinturault (Fr)/ -
2013 Felix Neureuther (De)/ -
2012 Ivica Kostelic (Kro)/ -
2011 Ivica Kostelic/ -
2010 Ivica Kostelic/ 6. S. Zurbriggen
2009 Manfred Pranger (Ö)/ -
2008 Jean-Baptiste Grange (Fr)/ 7. Albrecht
2007 Kein Rennen
2006 Giorgio Rocca (It)/ -
2005 Alois Vogl (De)/ 8. S. Zurbriggen

Super-Kombination Sieger/ Schweizer in Top 10
2014 Ted Ligety (USA)/ 4. Viletta
2013 Alexis Pinturault (Fr)/ 3. Janka, 8. Berthod, 9. Viletta
2012 Ivica Kostelic (Kro)/ 2. Feuz
2011 Ivica Kostelic/ 2. Janka
2010 Bode Miller (USA)/ 2. Janka, 3. S. Zurbriggen, 9. Défago
2009 Carlo Janka/ 3. Silvan Zurbriggen und 6. Daniel Albrecht
2008 Jean-Baptiste Grange (Fr)/ 2. Albrecht
2007 Mario Matt (Ö)/ 2. Berthod, 3. S. Zurbriggen, 5. Albrecht und 7. Défago
2006 Benjamin Raich (Ö)/ 5. Défago
2005 Benjamin Raich/ 3. Défago und 4. Albrecht

In der Einzelkritik der vier Lauberhorn-Abfahrtssieger im Kader äussert sich Brunner über Carlo Janka (Sieger 2010) und Beat Feuz (2012) am zuversichtlichsten: "Wengen liegt Carlo und er ist hier immer schnell. Und Beat hat in allen Abfahrten vom Training zum Rennen den Schalter umstellen können. Er wird auch hier alles daran setzen, ein starkes Resultat zu holen." Über Didier Défago (2009) sagt der Schweizer Abfahrtstrainer, dass "mit ihm genauso zu rechnen ist, weil er ist gut drauf und in diesem Winter meist schnell unterwegs und in den Top zehn. Aber Didier kam nie ohne Fehler durch." Am meisten Ungewissheit ist bei Brunners Statement über Vorjahressieger Patrick Küng herauszuhören: "Patrick war zu Beginn der Saison sehr gut drauf. Doch danach hat das Selbstvertrauen etwas gelitten und zuletzt war er auch noch krank. Im ersten Training war deutlich zu sehen, dass ihm auf dieser langen Strecke gegen Schluss die Kraft ausging."

Was macht Bode Miller?

Aus internationaler Sicht von grösstem Interesse ist wohl, ob Bode Miller in Wengen bei seinem Comeback nicht nur die Trainings bestreitet, sondern am Samstag auch gleich zum ersten Weltcup-Rennen seit dem 12. März 2014 startet. "50 Sekunden gingen gut, aber danach war ich fertig. Ich bin enttäuscht von meiner Kondition", sagte der Lauberhornsieger von 2007 und 2008 am Dienstag nach der ersten Trainingsfahrt. "Ich schaue von Tag zu Tag", liess der 37-jährige Amerikaner, der sich vor weniger als acht Wochen einer Rückenoperation unterzogen hat, einen allfälligen Abfahrts-Start in Wengen offen.

Neben dem Schweizer Quartett (und vielleicht Miller) sind mit dem Österreicher Klaus Kröll (2011) und dem Italiener Christof Innerhofer (2013) noch zwei weitere ehemalige Wengener Abfahrtssieger für den Klassiker gemeldet.

Kombi top, Slalom Flop

Im Schatten des Abfahrts-Klassiker stehen wie immer die zwei anderen Rennen in Wengen: die Super-Kombination von morgen Freitag (Start Abfahrt um 10.30 Uhr) und der Slalom vom Sonntag (Start 1. Lauf 10.00 Uhr). Ähnlich den Abfahrern schneiden auch die Schweizer Kombinierer am Lauberhorn zumeist sehr erfolgreich ab. Seit 2009 gab es einen Sieg (Carlo Janka) und sechs weitere Podestplätze zu verzeichnen.

Hingegen ist die Bilanz im Slalom miserabel. Seit 2005 schafften es nur zweimal Silvan Zurbriggen (als 6. und 8.) sowie einmal Daniel Albrecht (7.) überhaupt in die Top 10. Der letzte Podestplatz datiert vom 17. Januar 1999, als Michael von Grünigen hinter dem Österreicher Benni Raich Zweiter wurde. Letzter Schweizer Slalom-Sieger in Wengen war Joël Gaspoz (1987).

Wengen. Das weitere Programm. Weltcup. Donnerstag, 15. Januar: Abschlusstraining Abfahrt. - Freitag, 16. Januar: Super-Kombination (Start Abfahrt 10.30 Uhr/Slalom 14.00 Uhr). - Samstag, 17. Januar: Lauberhorn-Abfahrt (12.30 Uhr). - Sonntag, 18. Januar: Slalom (1. Lauf 10.00 Uhr/2. Lauf 13.00).