NHL
Zehn kleine Schweizerlein

Severin Blindenbacher, Roman Wicke oder Martin Gerber. Fast alle Nordamerika-Söldner wurden in die untere Liga abgeschoben. Neustes Opfer dieser Massnahme: Talent Nino Niederreiter.

Marcel Kuchta
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Nino Niederreiter (rechts) zum ersten Mal auf NHL-Eis. keystone

Nino Niederreiter (rechts) zum ersten Mal auf NHL-Eis. keystone

Es war einmal eine Gruppe von zehn Schweizer Eishockeyspielern, die sich im September mehr oder weniger gute Chancen ausrechneten, sich einen Platz in der besten Eishockey-liga der Welt, der NHL, zu sichern. Gut einen Monat später fällt die Bilanz niederschmetternd aus: Roman Wick, Yannick Weber, Severin Blindenbacher, Juraj Simek, Roman Josi, Martin Gerber und Luca Sbisa spielen inzwischen in der Farmteamliga AHL. Mark Streit hat sich noch vor dem Saisonstart verletzt.

Nur noch Jonas Hiller übrig

Gestern endete vorläufig auch für Nino Niederreiter das Abenteuer NHL. Nicht ganz unerwartet wurde der 18-Jährige von den New York Islanders zurück zu seinem Juniorenteam, den Portland Winterhawks, in die WHL geschickt, wo auch der Langenthaler Sven Bärtschi spielt. Somit bleibt nur noch ein NHL-Schweizer übrig: Anaheim-Goalie Jonas Hiller.

In seinen neun NHL-Spielen sammelte Nino Niederreiter zwei Skorerpunkte (jeweils ein Tor und Assist), schoss 13-mal auf das gegnerische Tor und erhielt im Schnitt 13 Minuten Eiszeit, meistens neben Routinier Doug Weight. Der Churer, der von den Islanders im Sommer im NHL-Draft an fünfter Stelle gezogen worden war, soll bei den Junioren mehr Eiszeit erhalten und vor allem mehr Verantwortung übernehmen.

Bei den Islanders zeichnete sich mit der anstehenden Rückkehr der bisher verletzten Stammspieler Kyle Okposo und Rob Schremp zudem ein personeller Überschuss auf der Sturmposition ab. Trainer Scott Gordon gab sich unverbindlich in Bezug auf die Entscheidung, die GM Garth Snow fällte, und sagte, «dass ich mit allen Szenarien hätte leben können». Niederreiter selbst nahm sein Schicksal – zumindest gegen aussen – gelassen hin und hob die Vorteile, die seine Rückkehr nach Portland hat, hervor.

Dass sich an Jonas Hillers exklusivem Status kurzfristig etwas ändert, ist nicht zu erwarten. Sollten sich bei den NHL-Teams Stammspieler verletzen, dann dürfte sich momentan wohl am ehesten Montreal-Verteidiger Weber Chancen auf eine NHL-Stippvisite ausrechnen. Die Schweizer Spieler geniessen in der NHL allerdings keine grosse Lobby. Das wurde in den letzten Wochen wieder einmal mehr als deutlich aufgezeigt.