Deutschland
Zahnlose Medien nach nächster Deutschland-Pleite: Jogi Löw sitzt nach 1:2 gegen Frankreich wieder fest im Sattel

Die sechste Niederlage im Jahr 2018 - so oft hat vor Jogi Löw kein Trainer der deutschen Nationalmannschaft innerhalb eines Jahres verloren. Doch der 58-Jährige hat sich Zuspruch verschafft. Der Abstieg für Deutschland ist dennoch kaum mehr zu verhindern.

Sebastian Wendel
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Jogi Löw sitzt (noch) fest im Sattel.

Jogi Löw sitzt (noch) fest im Sattel.

KEYSTONE/EPA/RONALD WITTEK

Die Ansprüche in Fussball-Deutschland sind gesunken: Die erneute Niederlage gegen Frankreich wird von der sonst unzimperlichen "Bild"-Zeitung als "beste Pleite des Jahres" bezeichnet. Im Vorfeld riefen die Medien das Spiel gegen den Weltmeister noch als "Schicksalsabend" für Erfolgs- und Kulttrainer Jogi Löw aus. Grund: Die 0:3-Schmach drei Tage zuvor gegen Nachbar Holland

Doch nach dem 1:2 gegen Frankreich steht fest: Löw wird auch im nächsten Jahr Trainer der DFB-Auswahl sein. Weil Löw endlich den geforderten Mut zeigte und den Jungen Auslauf gab. Im Stade de France spielten Thilo Kehrer, Serge Gnabry, Leroy Sané und Nico Schulz. Für sie mussten unter anderem die Weltmeister Thomas Müller und Julian Draxler auf die Bank.

Die "jungen Wilden" überzeugten vor allem in der ersten Halbzeit, doch wegen der mangelnden Chancenauswertung stand es nach 45 MInuten "nur" 1:0 für Deutschland. Nach der Pause baute Löws Mannschaft sukzessive ab und kassierte zwei Gegentreffer von Frankreichs Stürmerstar Antoine Griezmann.

Das 1:1 jedoch entstand aus einem Witz-Elfmeter. Der Schiedsrichter sah ein Foul von Hummels an Matuidi, in Tat und Wahrheit war es umgekehrt. Diese Ungerechtigkeit floss natürlich in Beurteilung durch die deutschen Medien ein, die trotz dem Anhalten der Resultatkrise auf Schmusekurs mit Jogi Löw gehen.

Dieser sagte nach dem Spiel: "Wir haben das Herz in die Hand genommen." Der Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff erleichtert: "Der Auftritt war ein wichtiges, gutes Zeichen." Pro Jogi Löw - versteht sich. Dem Freiburger, der seit 2006 an der DFB-Seitenlinie steht, wird von einigen Seiten Sesselkleberei vorgeworfen. Bierhoff hält dagegen: "Er will das angehen und weiß, dass das ein Weg und Arbeit ist." Dabei klammere er sich nicht an seinen Posten. "Wenn er das Gefühl hat, dass es nicht mehr weiter geht, wäre er der Erste, der zurücktreten würde."

Sportlich bedeutet die sechste Niederlage im Kalenderjahr 2018: Der Abstieg aus der Nations League rückt für den Weltmeister von 2014 näher. Nur ein Heimsieg gegen Holland und eine Niederlage der Holländer gegen Frankreich rettet Deutschland vor der Relegation in die Zweitklassigkeit.