Eishockey NLA
Zahlt sich ein gutes Sommertraining während der Playoffs wirklich aus?

Die Playoffs sind für die Spieler eine körperliche Belastung. Wichtig also, dass sie gut darauf vorbereitet sind. Doch zahlt sich ein gutes Sommertraining während der Playoffs wirklich aus?

Marcel Kuchta
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Müssen ans Limit gehen: Die Davoser mit (v.l.) Gregory Sciaroni, Andres Ambühl und Félicien Du Bois.

Müssen ans Limit gehen: Die Davoser mit (v.l.) Gregory Sciaroni, Andres Ambühl und Félicien Du Bois.

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Es ist eine alte Eishockey-Weisheit: «Im Sommer legt man die Grundlage für eine lange, erfolgreiche Saison.» Sprich: Wer während der Meisterschaftspause hart an seiner körperlichen Verfassung arbeitet, der erntet spätestens im nächsten Frühling, wenn es in den Playoffs um den Meistertitel geht, die Früchte der Anstrengungen.

Der EV Zug und der HC Davos liefern sich derzeit einen Abnützungskampf auf höchstem Niveau. Heute Abend stehen sie sich zum sechsten Halbfinalduell gegenüber. Gewinnt der HCD, dann entscheidet am Dienstag das siebte und letzte Spiel der Serie darüber, wer in den Final gegen den SC Bern einzieht. Während die Berner also nun bis am kommenden Donnerstag die Füsse hochlagern und sich erholen können, geht das unerbittliche Kräftemessen zwischen EVZ und HCD weiter. Und die grosse Frage lautet: Wie weit reichen die Kräfte?

Sommertraining extrem wichtig

Klar ist, dass das Sommertraining, das vor sieben Monaten abgeschlossen wurde, zum jetzigen Zeitpunkt durchaus noch einen gewissen Einfluss hat. Alex Chatelain, der Sportchef des SC Bern, erklärt: «Fakt ist: Wenn man im Sommer nicht gut arbeitet, läuft man diesem Defizit während der ganzen Saison hinterher und hat früher oder später ein Problem.»

Alex Chatelain, Sportchef SC Bern «Fakt ist: Wenn man im Sommer nicht gut arbeitet, läuft man diesem Defizit während der ganzen Saison hinterher und hat früher oder später ein Problem.»

Alex Chatelain, Sportchef SC Bern «Fakt ist: Wenn man im Sommer nicht gut arbeitet, läuft man diesem Defizit während der ganzen Saison hinterher und hat früher oder später ein Problem.»

Keystone

Entweder versuche man dann, das fehlende Sommertraining während der laufenden Meisterschaft zu kompensieren, was während des normalen Spielbetriebs sowieso schon schwierig sei und sich zusätzlich auf den Fitness-Level – Stichwort: Spritzigkeit – auswirke. «Und wenn man auch während der Meisterschaft zu wenig tut, dann merkt man spätestens während der Playoffs, dass man nicht fit ist», so Chatelain.

Es ist in der Zwischenzeit sowieso längst Usus, dass man die konditionelle und muskuläre Basis, die man im Sommer legt, während der Saison mit regelmässigen Besuchen des Kraftraums zu konservieren versucht. «Früher zehrte man während der ganzen Meisterschaft vom Sommertraining. Heutzutage ist der Kraftraum, zumindest bis die Playoffs beginnen, fast jeden Tag ein Thema. Zum Teil sogar noch nach den Spielen», sagt Chatelain.

Beim SC Bern wird im Sommer grundsätzlich kollektiv trainiert. Ausnahmen sind eigentlich nur Spieler, die den Sommer im Ausland verbringen. «Diese Spieler arbeiten entweder nach unseren Trainingsplänen oder mit eigenen Personal Trainern zusammen», erklärt Chatelain. Dann gibt es noch Spezialfälle wie Martin Plüss, welcher sich seit Jahren individuell vorbereitet und immer zu den fittesten Spielern gehört.

Reto Kläy, Sportchef EV Zug «Ein klassisches Sommertraining gibt es nicht mehr. Das ist inzwischen ein Prozess, der 365 Tage im Jahr dauert»

Reto Kläy, Sportchef EV Zug «Ein klassisches Sommertraining gibt es nicht mehr. Das ist inzwischen ein Prozess, der 365 Tage im Jahr dauert»

Keystone

Oder die Nationalspieler, die nach den Playoffs noch die Weltmeisterschaft bestreiten und deren Saison somit erst im Mai zu Ende geht. Rechnet man noch die darauffolgenden Ferien dazu, dann beschäftigen sich diese Cracks teilweise erst im Juni ernsthaft mit dem Sommertraining. Abgerechnet wird so oder so Ende Juli, bevor das Eistraining wieder beginnt. Im Fall des SC Bern heisst das, dass die Spieler während zweier Tage eine ganze Reihe von Fitness-Tests über sich ergehen lassen müssen.

Prozess über 365 Tage

Beim EV Zug wird gemäss Sportchef Reto Kläy während der ganzen Saison regelmässig überprüft, wie fit die Spieler sind. «Ein klassisches Sommertraining gibt es nicht mehr. Das ist inzwischen ein Prozess, der 365 Tage im Jahr dauert», sagt Kläy. Die Zuger pflegen im Sommer eher ein gruppenspezifisches Training, in welchem die Spieler gezielt an ihren körperlichen Defiziten arbeiten.

Und wie sieht es beim HC Davos aus, der unter Trainer Arno Del Curto seit je einen unglaublich kräfteraubenden Spielstil pflegt? Del Curto überwacht die körperlichen Fortschritte seiner Schäfchen auch im Sommer hie und da gerne persönlich. Legendär sind die gemeinsamen Trainingscamps auf der Alp, wo die Spieler in einer Art «Survival Camp light» abgehärtet werden. Jetzt, da das Saisonende droht, sind beim HCD wahrlich Überlebenskünste gefragt.