Super League

Yvon Mvogo: der Nächste aus der Berner Goldschmiede

Yvon Mvogo hat mit YB Grosses vor.

Yvon Mvogo hat mit YB Grosses vor.

21 Jahre jung und schon Stammgoalie in der Super League. Yvon Mvogo gilt als das grösste Torhütertalent in der Liga. Mit YB will der gebürtige Kameruner einen Titel gewinnen.

Zarte 21 Jahre alt ist er erst. Aber das junge Alter merkt man Yvon Mvogo nicht an. Weder auf dem Platz noch im Gespräch mit den Medien. Er benutzt Sätze wie «Ich versuche, mich jeden Tag zu verbessern» und «Ich denke nur an das nächste Spiel». Er redet viel und sagt dabei wenig. Eine Fähigkeit, die in der Sportwelt essenziell ist im Gespräch mit den Medien. Ihn aus der Reserve zu locken: ein Ding der Unmöglichkeit.

Mit Yann Sommer, Roman Bürki und Marwin Hitz ist die Schweizer Nationalmannschaft auf der Torhüterposition bereits überdurchschnittlich bestückt. Jetzt drängt sich der Nächste auf. Im Dezember 2013 verletzte sich YB-Urgestein Marco Wölfli an der Achillessehne. Der damals erst 19-jährige Mvogo ersetzte ihn in Folge mit Bravour. Im Sommer 2014 bestätigte ihn Trainer Uli Forte dann als künftiger Stammtorhüter. Seither ist der gebürtige Kameruner nicht mehr aus der Startaufstellung der Young Boys wegzudenken. In dieser Saison mauserte sich Mvogo zur wichtigen Teamstütze und rettete die Young Boys etliche Male vor verschenkten Punkten.

YB und die Goalies

Bei den Young Boys gibt es sportlich in den letzten Jahren nicht viel, mit dem man sich brüsten könnte. Seit fast 30 Jahren wartet man in Bern schon auf einen Titel. Zuletzt gelang das Kunstwerk 1986 in der Liga, als noch 16 Mannschaften um den Titel kämpften. 1987 folgte der Triumph im Cup. Auch diese Saison wird YB wohl ohne einen Titel beenden. Im Cup schieden die Berner bereits im Achtelfinal gegen den FC Zürich aus. In der Liga rennt Basel davon.

Aber auf etwas sind die Berner stolz: ihre Torhüterschmiede. Grössen wie Marco Wölfli, Roman Bürki, Paolo Collaviti und Stefan Knutti, der aktuell Goalietrainer bei YB ist, lernten bei den Young Boys das Fangen von Bällen. Mvogo ist das neueste Eigengewächs aus dieser Goldschmiede. Erspäht von Scout Stéphane Chapuisat, ist Mvogo seit 2010 bei den Bernern unter Vertrag.

Das mit der chronischen Erfolglosigkeit der Young Boys soll sich aber ändern. Mvogo will einen Titel gewinnen. «Weil wir ein grosser Verein sind, müssen wir auch grosse Ziele haben», sagt Mvogo. Er spricht von einem Projekt: «Wir wollen eine super Mannschaft aufbauen. Wir wollen etwas erreichen.» In der laufenden Saison gilt als Minimalziel vorerst der zweite Platz. «Das können wir schaffen», sagt Mvogo. In den letzten zehn Spielen schauten aber für die Young Boys nur gerade zwei Siege heraus. Mvogo spricht von einem mentalen Problem: «Wir dürfen nicht auf den letzten Moment warten, um ein Tor zu schiessen. Nach Gegentoren haben wir zu schnell aufgegeben. Darum haben wir in dieser Saison zu oft unentschieden gespielt.»

Mit seinen starken Leistungen rückt Mvogo natürlich auch in das Blickfeld von ausländischen Klubs. Mvogo macht keinen Hehl daraus, dass ihn die spanische und englische Liga reizen. Aber über einen Wechsel denke er noch nicht nach: «Ich bin noch jung, ich lebe nur im Jetzt.» Im Vordergrund stehen für ihn nur die Young Boys und das nächste Spiel.

Die Euro 2016 als Ziel

Zurzeit ist Mvogo in der Nationalmannschaft die Nummer vier hinter Sommer, Bürki und Hitz. Trotzdem ist die Europameisterschaft diesen Sommer in Frankreich ein «Thema in meinem Kopf». Er ist sich aber bewusst, dass es schwierig sein wird. Mit weiteren starken Leistungen will er sich aufdrängen. «Ich will jedes Wochenende zeigen: Ich bin da.»

Dass Mvogo überhaupt im Tor steht, war nicht immer klar. «Ganz am Anfang wollte ich im Sturm spielen und Tore schiessen. Das will doch jeder. Aber meine Kollegen drängten mich dazu, ins Tor zu stehen.» Eine Entscheidung, die er nicht bereut. «Torwart ist mein Traumjob. Ich liebe es, auf einer entscheidenden Position zu spielen. Der Torwart ist entweder der Held oder der Grund für die Niederlage. Diese Gratwanderung fasziniert mich.»

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