Leichtathletik
Yohan Blake: Verletzungen zähmten das Biest

Er ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Am Leichtathletik-Meeting in Luzern, im B-Lauf der 100-Meter-Sprinter, startet ein gewisser Yohan Blake – 25-jährig, aus Jamaika stammend. Blake? Da klingelt doch was...

Pascal Del Negro
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Wann findet Yohan Blake wieder zu alter Stärke zurück?

Wann findet Yohan Blake wieder zu alter Stärke zurück?

Keystone

Yohan Blake war es, der Usain Bolt in dessen Glanzzeit hatte schlagen können – gleich zweimal. Und heute? In Luzern läuft Blake in seinem Lauf mit 10,20 Sekunden auf den zweiten Rang – Saisonbestleistung. Dies von einem Mann, dessen Bestzeit bei 9,69 Sekunden liegt. Ein tiefer Fall. Doch von Anfang an.

Plötzlich war er da. Nach einem Fehlstart vom Superstar Usain Bolt krönte sich Blake 2011 zum Weltmeister über die 100 Meter. In nur einer Nacht stieg der damals 22-Jährige vom Unbekannten zum Weltmeister auf.

Er war mehr als nur der «Rest»

Blake hatte seine Chance genutzt. Im Finalrennen im südkoreanischen Daegu fehlten die grossen Favoriten. Bolt wurde disqualifiziert, die bis dorthin Schnellsten des Jahres, Asafa Powell und Tyson Gay, gaben verletzt Forfait. Der Weg war geebnet für den Rest.

Dass «The Beast», wie Blake genannt wird, jedoch nicht mehr nur zu diesem Rest gehört, zeigte er bald. Noch im selben Jahr lief der in Saint-James geborene Blake sowohl über 100 m als auch über 200 m neue persönliche Bestzeiten. Über die halbe Bahnlänge lief er mit 19,26 Sekunden sogar die bis heute zweitschnellste je gelaufene Zeit.
Im Jahr 2012 ging es weiter bergauf. Bei 13 Starts siegte er elfmal.

An den jamaikanischen Trials gelang ihm sogar das unmöglich Geglaubte. Erst fügte er Usain Bolt über 100 m die erste Niederlage seit zwei Jahren zu, dann schlug er seinen Trainingskumpel über die 200 m als Erster seit sogar fünf Jahren. Einzig in den wichtigsten Rennen, an den Olympischen Spielen in London, zog er gegen Bolt den Kürzeren. Dies tat dem Gesamtbild jedoch keinen Abbruch. Blake hatte ein sensationelles Jahr hinter sich, über 100 m schraubte er sogar noch seine Bestzeit auf 9,69 runter, womit er auch da der Zweitschnellste Mensch ist. Nichts schien ihn aufhalten zu können.

Ausgerechnet jetzt eine Verletzung

Doch genau das passierte im Frühling 2013. Bei einem Rennen in Jamaika verletzte er sich. Was zuerst als Krampf vermutet wurde, erwies sich später als ernstzunehmende Verletzung am Oberschenkel. Blake kam 2013 nicht mehr zurück, verpasste somit auch die WM in Moskau. Dort, wo er Bolt endlich an einem Grossanlass hatte schlagen wollen.

So dauerte es bis Juni 2014, ehe Blake wieder an Ernstkämpfen teilnahm – allerdings nur für kurze Zeit. In Glasgow verletzte er sich erneut, wieder musste er für lange Zeit auf einen Ernstkampf verzichten.

Womit wir wieder in der Gegenwart wären. Anfang Juni gab Blake sein Comeback bei den jamaikanischen Trials – gleich mit einem Rückschlag. Er schied im Halbfinal aus und verpasst damit die WM im August in Peking.

Blake muss wieder Vertrauen fassen

Sein Coach Glen Mills sagte danach gegenüber dem US-Fernsehsender NBC: «Yohans Problem ist, dass er Angst hat, sich wieder zu verletzen. Er braucht einfach Zeit, dann wird auch das Vertrauen wieder zurückkommen.»

Das sollte nun jedoch sehr schnell gehen. Denn erst vor kurzem formulierte Blake die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2016 in Rio als Fernziel. Angesichts seiner momentanen Situation sind das grosse Worte.

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