Super League

YB-Verteidiger Loris Benito ist noch nicht ganz hundert

Am Ende gibt es Autogramme: Loris Benito (2. v. r.) ist ein gefragter Mann.

Am Ende gibt es Autogramme: Loris Benito (2. v. r.) ist ein gefragter Mann.

Nach dem ersten Liga-Tor feiert der YB-ler Loris Benito gegen den FCZ ein Super-League-Jubiläum. Am Mittwochnachmittag wurde Benito von Kindern mit Fragen durchlöchert. Spass hat es ihm offensichtlich gemacht. Pech hingegen hatte er in der Vergangenheit mit Verletzungen. Sonst wäre Benito längst in der Nationalmannschaft.

«Ich heisse Janick und bin acht Jahre alt. Was habt ihr für Haustiere?» Loris Benito sagt: «Ich habe zwei Katzen.»

Es ist Mittwochnachmittag und im Medienraum des Stade de Suisse spielen Kinder «Reporterlis». Sie gehören zum YB-Kids-Club und sind da, um ihre Lieblinge mit Fragen auszupressen. YB-Pressechef Albert Staudenmann moderiert mit viel Humor und die abgesandten Profis Djibril Sow, Christian Fassnacht, Grégory Wüthrich und Loris Benito geben Gas, sind schlagfertig und um keinen Spruch verlegen.

«Ich heisse Nino und bin fünf. Wer wird Meister?» Benito sagt: «Ich glaube, YB hat gute Chancen. Aber wir brauchen noch etwas Geduld.»

«Ich bin Moritz, elf Jahre alt. Was wolltet ihr als Kind werden?» Benito antwortet: «Ich habe gerne Tiere und wollte Tierarzt werden. Dann Sportlehrer, und dann Fussballprofi.»

«Ich bin Simon und zehn. Was habt ihr für Hobbys?» Sow sagt: «Ich lese gerne mal ein Buch …» Auf dem Podium halten sich die Teamkollegen und Staudenmann die Bäuche vor Lachen. Benito sagt: «Die Familie, mal ein Buch lesen … und meine Katzen. Aber sind Katzen ein Hobby?»

«Ich bin Finn und siebenjährig. Wie viele Goals habt ihr schon gemacht?» Benitos Arm schnellt hoch: «Eins!»

Kinder löchern mit ihren Fragen die YB-Stars

Nach gut einer Stunde ist die YB-Kids-Club-Pressekonferenz vorbei – köstlich von A bis Z. Und natürlich hatte Benito auch noch die legendäre Geschichte vom Marder erzählen müssen: «Dass ich es mit Tieren kann, hat man gesehen, als ich in Thun den Marder fing, der plötzlich über den Platz rannte. Er hat mich zwar gebissen, wollte sich aber bloss verteidigen.»

Benito ist froh, haben ihn die YB-Kids nicht eine Woche früher in die Mangel genommen. Denn dann hätte er auf die Frage nach geschossenen Toren kleinlaut sagen müssen: Null!»

Seit dem vergangenen Sonntag und dem 4:2-Sieg in St. Gallen aber ist Benito offiziell Super-League-Torschütze. «Das hat gut getan. Mein Vater war einst Stürmer … Jetzt aber ist Schluss mit diesen Sprüchen. »

Dafür hätte man ihn in dieser Woche mit einem anderen Bonmot aufziehen können: «Loris, du bis nicht ganz 100.» In der Ostschweiz hat er nämlich sein 99. Super-League-Spiel absolviert, gegen seinen Ex-Klub FCZ feiert er am Sonntag ein Jubiläum. Es fällt in seine vielleicht beste Zeit als Berufsfussballer.

Noch nie seit fünf Jahren hat er eine so lange Serie an Pflichtspielen absolviert, ohne eine einzige Minute zu verpassen. Elf sind es nun an der Zahl. «Das gibt Selbstvertrauen und Rhythmus», sagt der Linksverteidiger, der sich wie andere YB-ler mehr und mehr in Richtung Nati spielt. «Herr Petkovic hat meine Nummer», schmunzelt Benito.

«Aber ich bin realistisch. Rodriguez ist gesetzt und Moubandje die Nummer zwei.» Aufgebote, wie gegen England im September 2014, hat auch Benito schon erhalten, gespielt aber hat er noch nicht. Hätte nicht die Verletzungshexe zugeschlagen, wäre er längst Nationalspieler.

Viel Verletzungspech

Nachdem er im Sommer 2015 von einem sportlich enttäuschenden, ihn menschlich aber positiv prägenden Jahr bei Benfica Lissabon zu YB gekommen war, verpasste er bisher über 70 Spiele infolge von Blessuren. «Klar haderte ich manchmal – warum gerade ich? –, aber Zweifel an einer Rückkehr gab es nie», sagt Benito.

Vielleicht wird er nun in ein paar Wochen für all dieses Pech mit dem Double entschädigt. Portugiesischer Meister ist er zwar und Schweizer Cupsieger auch. Aber eben, bei Benfica spielte er kaum, und als 2014 der FCZ die Trophäe holte, sass Benito gesperrt auf der Tribüne.

Jetzt aber ist der 26-jährige Aargauer im Hoch. Wenn er mit Wucht nach vorne sprintet und punktgenau auf denKopf von Hoarau flankt, wird ersichtlich, dass es in der Liga auf dieser Position keinen Besseren gibt. Gratulationen zum Meistertitel nimmt er trotz 13 Punkten Vorsprung noch keine an. «Noch sind 24 Punkte zu vergeben. Aber ich kann es kaum erwarten, bis wir den Sack zumachen», sagt Benito.

Meistgesehen

Artboard 1