Super League
YB-Trainer nach Cup-Out: «Werde Team nie mehr auf neun Positionen umstellen»

Jetzt weiss auch Uli Forte, was ein Shitstorm ist. Bis vergangenen Samstagabend hatte er sich nicht vorstellen können, mit welcher Wucht das Internet auf einen Menschen einprügeln kann.

Markus Brütsch
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YB-Trainer Uli Forte ist selbstkritisch.

YB-Trainer Uli Forte ist selbstkritisch.

Keystone

Nicht ausmalen, wie heutzutage ein Fussballtrainer mit «Shit» eingedeckt wird, wenn er ein Cupspiel gegen einen fünftklassigen Gegner verliert. Doch weil es Forte nicht verhindert hatte, dass seine hoch bezahlten Profis den astreinen Amateuren des SC Buochs 0:1 unterlagen, weiss er es nun.

Es war ein Spiel, bei dem nicht mal ein sumpfiges Terrain als Entschuldigung herhalten konnte wie im letzten Jahr bei der 1:4-Cup-Blamage beim drittklassigen Le Mont.

Nein, am Vierwaldstättersee hatte es weder einen skandalösen Schiedsrichterpfiff gegeben, noch hatte YB fünf- oder sechsmal Latte und Pfosten getroffen. So bitter die Erkenntnis auch war: Die Maurer, Physiotherapeuten und Förster hatten schlicht und einfach besser Fussball gespielt als jene, deren Beruf es ist, mit dem Ball umzugehen.

Drei Tage nach dem sportlichen GAU sitzt Forte in einer Loge im vierten Stock des Stade de Suisse. Er versucht zu schildern, was er seit Samstag erlebt hat und welche Konsequenzen er zieht.

Er könnte es sich leicht machen und über seine Mannschaft herziehen. Deren unprofessionelles Verhalten geisseln, Strafversetzungen zu den Reserven anordnen und damit demonstrieren, dass nicht er, der Trainer, für den Schlamassel verantwortlich ist.

Neun Position verändert
Doch Forte verliert kein schlechtes Wort über seine Spieler. Er fühle sich nicht verraten von jenen, die sonst auf der Ersatzbank sitzen und in Buochs nun eine Spielgelegenheit erhalten hätten, sagt Forte.

Auf nicht weniger als neun Positionen (2013 in Le Mont waren es nur drei gewesen) hatte er seine Equipe gegenüber jener verändert, die in der Europa League Slovan Bratislava 5:0 geschlagen hatte.

«Ich kann mir nicht vorstellen, dass es Spieler gab, die mir eins auswischen wollten», sagt Forte. Eine Erklärung aber hat er für das grösste Debakel einer oberstklassigen Mannschaft in der 89-jährigen Geschichte des Schweizer Cups auch nach stundenlangem Austausch mit dem Staff nicht.

Es mag sein, dass manche im Umfeld denken, die zweite Cup-Peinlichkeit innerhalb eines Jahres werde bei YB zu still aufgearbeitet. Wo doch Köpfe rollen müssten, statt Geldbussen zu verteilen, welche die Fussballer eh aus der Portokasse bezahlen.

«Ich verstehe den Ärger der Fans, die YB seit 30 Jahren verfolgen und solche Enttäuschungen erleben müssen», sagt Forte. «Dass wir uns zuvor auf einem sehr guten Weg gewähnt haben, macht das Ganze nur noch bitterer. Vom Himmel in die Hölle – so habe ich Freunden auf deren SMS geantwortet.»

Forte lässt durchblicken, dass man intern nicht einfach zur Tagesordnung übergegangen sei. Vor den Brüdern Rihs, den Klubbesitzern, habe er sich jedoch nicht erklären müssen. Aber er habe schon erfahren, wie tief enttäuscht sie seien.

Nichts Böses geahnt

Nach dem Sieg über Slovan hatte sich Forte am letzten Donnerstag um Mitternacht von seiner Mannschaft verabschiedet, nichts Böses ahnend. Es gab keinerlei Anzeichen dafür, was sich keine 48 Stunden später auf dem Buochser Seefeld zutragen würde.

Forte hatte zwar mitbekommen, wie euphorisch einige seiner Spieler nach dem 5:0 gestimmt waren und dies im einen oder anderen Interview zum Ausdruck gebracht hatten. Doch er hatte in den Stunden bis zum Spiel den Eindruck erhalten, die Spieler würden ihn erhören, als er ihnen sagte, nun sei der Schalter von Europa League auf Schweizer Cup umzulegen.

Wie vor dem Auftritt in Le Mont hatte YB auch vor jenem in Nidwalden die letzten zwei Pflichtspiele gewonnen. Dass dies aber bereits genügen könnte, um einen tieferklassigen Gegner zu unterschätzen und ihm mit Arroganz zu begegnen, ist auch bei YB nur schwer zu glauben.

Forte hat indes mit Befriedigung registriert, wie intensiv Captain Steve von Bergen (er hatte in Buochs nicht gespielt) an der Aufarbeitung mitgewirkt und viele Einzelgespräche geführt hat. Was für Lehren zieht der Trainer aus dem Waterloo von Buochs? «Ich werde nie mehr ein Team auf neun Positionen ändern», sagt Forte.

Viel Zeit zum Wundenlecken bleibt nicht. Schon heute geht es in der Super League mit dem Spiel in Sion weiter. Über die Aufstellung braucht Forte nicht nachzudenken: «Es spielt das Bratislava-Team».