Man hatte Alain Rochat vielleicht nicht ganz ernst genommen, als er vor vier Wochen nach der 0:2-Niederlage gegen Schachtar Donezk in Lemberg in der Mixed-Zone stand, um die dürftige Leistung der Young Boys zu erklären. Und trotz des sichtbar gewordenen Klassenunterschieds Optimismus fürs Rückspiel verbreitete. «Zu Hause sind wir eine Macht», sagte Rochat. Und tatsächlich: YB schaffte eine Woche später die Sensation, das ukrainische Spitzenteam im Penaltyschiessen zu besiegen.

Den Glanz schon erlebt

Das hat Appetit auf mehr gemacht. Jetzt wollen Rochat und Co. auch noch den letzten Schritt in die Champions League machen und in den Playoffs Borussia Mönchengladbach eliminieren. Wenn Rochat über die Königsklasse spricht, dann tut er dies mit grosser Begeisterung. «Das ist das Beste, was man im Fussball erleben kann», sagt der Verteidiger. «Die Champions League ist ein Traum für jeden von uns.» Er selber hat ihren Glanz 2009 erlebt, als er mit dem FC Zürich gegen Real Madrid, Marseille und Milan auflief und beim Auswärtssieg in Mailand triumphierte.

Ausser ihm stehen nur noch vier Akteure im Kader der Berner, die schon in der Champions League gespielt haben. Miralem Sulejmani ist dreizehn Mal für Ajax Amsterdam und drei Mal für Benfica Lissabon angetreten, Milan Gajic zusammen mit Rochat sechs Mal für den FCZ, Guillaume Hoarau zwei Mal für Paris Saint-Germain sowie Loris Benito in einer Partie für Benfica.

Ausfälle müssen kompensiert werden

Letzterer allerdings fällt wie Aufbauer Sékou Sanogo und Stürmer Alexander Gerndt gegen die Borussia aus. Zudem steht hinter dem Einsatz von Captain und Innenverteidiger Steve von Bergen wegen Muskelproblemen ein überaus dickes Fragezeichen. Gestern Nachmittag jedenfalls war er beim Abschlusstraining nicht dabei, sodass davon auszugehen ist, dass YB in diesem so wichtigen Spiel gleich auf eine ganze Achse verzichten muss. «Wenn wir Ausfälle hatten, sind bisher immer andere da gewesen, welche diese kompensiert haben», sagt Rochat trotzig.

Auch Trainer Adi Hütter will die personelle Situation nicht dramatisieren. «Beim Saisonstart hatten wir ein ausgeglichenes Kader und jede Position war doppelt oder gar dreifach besetzt», sagt der Österreicher. «Jetzt haben wir zwar etwas Verletzungspech, aber Panik-Transfers machen keinen Sinn.» Hütter freut sich auf die Spiele gegen Mönchengladbach. «Wir sind in der glücklichen Lage, um einen Platz in der Champions League zu spielen, das haben uns vor den Partien gegen Schachtar nur die wenigsten zugetraut», sagt der 46-Jährige. Er hofft, dass es ein Vorteil ist, bereits sieben Pflichtspiele in den Beinen zu haben, die Borussia hingegen noch kein einziges. Und er hofft auch, dass der Kunstrasen ein Handicap für Mönchengladbach ist, weil die Deutschen eigentlich nie auf einer solchen Unterlage spielen.

Vor fünf Wochen standen sich die beiden Teams beim Uhrencup in Grenchen schon einmal gegenüber. Nach einem 3:3 gewann Mönchengladbach das Penaltyschiessen. «Ich nehme schon ein paar Erkenntnisse aus jener Partie mit», sagt Hütter. Zumal jene Borussia-Equipe mit immerhin sieben Spielern bestückt war, die auch heute in der Startelf erwartet werden. «Wichtig ist, die richtige Balance zwischen Offensive und Defensive zu finden», sagt Hütter.