Vier Tage nach dem dünnen Auftritt in der Ukraine in der Champions-League-Qualifikation haben die Young Boys auch in der Super League einen äusserst herben Rückschlag erlitten. Nach dem 2:0-Startsieg in St. Gallen setzte es bereits in der Heimspielpremiere die erste Niederlage ab.

Gegen den Abstiegskandidaten Lugano verloren die Berner nach einer ungenügenden Leistung 1:2. Gegen einen Kontrahenten, dem man zwar schon vor einem Jahr zu Hause unterlegen gewesen war, den man aber in der Rückrunde mit 7:0 aus dem Stade de Suisse gefegt hatte. «Ich bin enttäuscht und sauer, wie wir uns präsentiert haben», sagte YB-Trainer Adi Hütter. «Der Sieg von Lugano war am Ende verdient.»

Pfiffe des Publikums

Damit ist YB nicht nur in der Meisterschaft schon früh in Rücklage geraten, sondern hat die Generalprobe für das Rückspiel gegen Schachtar Donezk kräftig in den Sand gesetzt. Es wird bei der Herkulesaufgabe am Mittwoch gewiss nicht mit dem nötigen Selbstbewusstsein an die Aufgabe herangehen, den 0:2-Rückstand wettzumachen und in die Playoffs aufzusteigen. Die Mannschaft wurde denn auch vom enttäuschten Publikum ausgepfiffen.

Hütter hatte seine Mannschaft, die am Dienstag in Lemberg gegen Schachtar chancenlos gewesen war, auf nicht weniger als sechs Positionen verändert. Für den wegen seiner in der Ukraine erlittenen Knieverletzung vier Monate ausfallenden Stürmer Alexander Gerndt stand der verhinderte Olympiateilnehmer Kubo im Team, und im zentralen Mittelfeld ersetzte Milan Gajic den starken Sékou Sanogo.

Krass umgestellt hatte der Österreicher aber die Abwehr, die er gänzlich austauschte und mit Florent Hadergjonaj, Gregory Wüthrich, Steve von Bergen und dem 19-jährigen Linus Obexer besetzte. Das habe nichts mit der Leistung in Lemberg zu tun, hatte Hütter vor der Partie die vielen Wechsel begründet, sondern mit der grossen Belastung durch die vielen Partien.

Viel zu wenig Tempo

Doch das «neue» YB enttäuschte mit Ausnahme der Startviertelstunde. Nachdem Guillaume Hoarau schon nach neun Minuten mit einem Penalty nach einem Foul von Vladimir Golemic an Wüthrich das 1:0 erzielt hatte, schien es, als würden die Gastgeber die Partie abhaken und an Schachtar denken. Sie senkten das Tempo, beraubten sich damit der eigenen Stärke und ermöglichten den Tessinern, ins Spiel zu kommen. Sie besassen zwar auch im weiteren Verlauf die eine oder andere Chance, doch sie liessen die letzte Entschlossenheit vermissen. Zehn Minuten nach der Pause schoss Yoric Ravet aus kurzer Distanz Golemic an, und im Gegenzug glich der FC Lugano aus.

«Das war die Schlüsselszene», sagte Hütter. Nach einem magistralen Zuspiel des Israeli Ofir Mizrachi traf der frühere YB-Junior Ezgjan Alioski aus spitzem Winkel zum 1:1. «Wir zehren noch immer von der Power, die wir in den Trainings unter Zdenek Zeman geholt hatten», schmunzelte Alioski und lobte den neuen Trainer Andrea Manzi. «Unsere Taktik ist gut, wir stehen defensiv besser, als in der letzten Saison.»

Das Siegtor hatte sieben Minuten vor dem Ende der eingewechselte Gambier Assan Ceesay provoziert, dessen Hereingabe Steve von Bergen zum 1:2 ins eigene Tor lenkte. «Wir haben nicht genug getan, waren mit dem Kopf nicht bei der Sache», sagteder Captain. Er hätte auch sagen können: «Wir haben zuwenig Einsatz gezeigt.» Ein Armutszeugnis für ein teures Profiensemble.

Schachtar Donezk derweil hat auch sein zweites Spiel in der ukrainischen Premier Liga gewonnen und scheint in Topform zu sein. Bei Tschernomorez Odessa am Schwarzen Meer gab es einenklaren 4:1-Sieg durch Tore von Seleznew, Fred, Eduardo und Kovalenko.